Ausstellungseröffnung im Tuchmacher-Museum Bauhaus-Jubiläum: Stoff(e) für Ideen in Bramsche

Von Bettina Mundt

Mitwirkende des Tuchmacher-Museums und der Universität Osnabrück freuen sich mit Ehrengast Monika Stadler über die Eröffnung der Bauhaus-Ausstellung. Foto: Bettina MundtMitwirkende des Tuchmacher-Museums und der Universität Osnabrück freuen sich mit Ehrengast Monika Stadler über die Eröffnung der Bauhaus-Ausstellung. Foto: Bettina Mundt

Bramsche. Passend zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum eröffnete das Bramscher Tuchmacher-Museum am 5. Juli die Ausstellung „Auf den zweiten Blick – Bauhaus-Stoffe als Inspiration“. Sie verbindet Ideengeschichte mit praktischer Umsetzung.

Drei Projekte, eine Ausstellung: „Auf den zweiten Blick“ ist eine Ausstellung über die Bauhaus-Webermeisterin Gunta Stölzl (1897 bis 1983). Gleichzeitig geht die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Universität Osnabrück der Frage nach, wie Bauhaus-Kleidung (heute) aussehen könnte. Zwar revolutionierte die Weberei des Bauhauses das Textildesign, Kleidung spielte aber keine Rolle. Drittens werden vom Bauhaus inspirierte Wolldecken auf dem 100 Jahre alten Jacquard-Webstuhl des Museums produziert.

Kunst, Handwerk und Design

Kunst und Handwerk wollte Bauhaus-Gründer Walter Gropius vereinen. Schon aus diesem Grund passt eine Bauhaus-Ausstellung vorzüglich ins Tuchmacher-Museum. Für die Ausstellung öffnete Gunta Stölzls Tochter Monika Stadler ihr Archiv: Neun Entwürfe daraus dienten Studentinnen des Fachbereichs Textiles Gestalten der Osnabrücker Universität zur Inspiration für das Design von Wolldecken. In der Ausstellung sind auch zahlreiche Original-Webproben mit technischen Angaben und eine von Stölzl handgewebte Decke zu sehen. Museumsleiterin Kerstin Schumann sprach Stadler besonderen Dank für ihre Unterstützung aus und überreichte ihr eine Decke in Bramscher Rot.

Foto: Bettina Mundt

Bürgermeister Heiner Pahlmann zeigte sich begeistert, dass Stadler Originale zur Verfügung stellte und eigens angereist war: „Das zeigt ja auch die Qualität dessen, was hier gemacht wird.“ Stadler selbst war von der Vorarbeit des Museums beeindruckt. Im Bauhausjahr werde so viel diskutiert und geschrieben und theoretisiert. Das Museum sei von Anfang an wortkarg gewesen, sie habe lange nichts gehört. „Und plötzlich kommt da ein Zeitschriftenartikel, wo unendlich viele Probestücke und Entwürfe gemacht sind. Die haben wirklich gearbeitet, was gemacht, nicht nur geschrieben. Das fand ich toll!“ Die Ergebnisse gefallen ihr: „Es ist gut von der Farbigkeit her, vom Material her, die Bindungen sind interessant. Und das auf Jacquard-Maschine, das kommt noch dazu.“ 

Bauhaus und Mode 

Weil sich die Textilwissenschaftlerin Annette Hülsenbeck und die Künstlerin Hiltrud Schäfer an der Universität Osnabrück mit dem Thema Bauhaus und Mode beschäftigten, ergab sich die Gelegenheit, einige von ihren Studentinnen entworfene Kleidermodelle in die Ausstellung zu integrieren. Sachlich, funktional, in reduzierter Farbigkeit und mit geometrischen Mustern versehen, weisen die Entwürfe deutlich Elemente der Formsprache des Bauhauses auf. Es ist übrigens nicht so, dass Bauhaus-Künstlerinnen sich nicht mit Mode beschäftigt hätten, aber eben erst nach ihrer Bauhauszeit, wie eine der vielen Informationstafeln erklärt. Dazu gehörte Ré Soupault (1901 bis 1996), deren „Transformationskleid“ von Anfang der 1930er-Jahre nachgeschneidert auf der Empore ausgestellt ist – eine Leihgabe der Kunsthalle Mannheim. Es sollte ein wandlungsfähiges, praktisches und elegantes Kleid für berufstätige Frauen sein, von hoher Qualität und dabei günstig. Das Kleid inspiriert Modedesigner bis heute.

Foto: Bettina Mundt

Wolldecken-Kollektion in Eigenfertigung 

Stolz wies Kerstin Schumann auf die mit Jacquardtechnik im Museum hergestellten Wolldecken hin. Die Kollektion greift Gestaltungsprinzipien des Bauhauses auf und interpretiert sie neu. Dabei ist die Produktion längst nicht abgeschlossen, sondern Teil der laufenden Ausstellung und kann von den Besuchern beobachtet werden. Die Decken können dann im Museumsladen erworben werden.

Foto: Bettina Mundt

Es ist eine aufwendige Ausstellung, zu deren Gelingen viele beigetragen haben – nicht zuletzt die Techniker des Museums, die den Jacquard-Webstuhl einsatzfähig machten. Zur gut besuchten Eröffnung sorgte Pianist Joachim Raffel für musikalische Begleitung. Der Titel der Ausstellung soll wohl darauf hinweisen, dass sich ein zweiter Blick lohnt. Ob dieser Fingerzeig nötig ist, gerade im Bauhaus-Jubiläumsjahr, sei dahingestellt. Durch die thematische Dreiteilung verliert die Ausstellung zwar an Fokus, sie bietet aber so viele interessante Einblicke und so viel Kreativität, dass sich ein Besuch unbedingt lohnt.

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