Hans Hentschel jetzt im Ruhestand Bramscher Superintendent mit Gottesdienst verabschiedet

Von Holger Schulze

Die Entpflichtung Hans Hentschels nahm Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier vor, eine herzliche Umamarmung inklusive. Foto: Holger SchulzeDie Entpflichtung Hans Hentschels nahm Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier vor, eine herzliche Umamarmung inklusive. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Mit einem festlichen Gottesdienst in der St. Martin-Kirche ist der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Bramsche, Hans Hentschel, am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet worden.

Vor dem Einzug in St. Martin reichte die Reihe, bestehend aus Kirchenvorstand und Pastoren, vom Kirchentor bis auf die Treppe im Gemeindehaus. Der Abschiedsgottesdienst für Superintendent Hans Hentschel hatte ferner die Kirchenschiffe mit rund 450 Gläubigen gefüllt. Sieben Kameras begleiteten die Feierlichkeiten und übertrugen den Gottesdienst auch bis vor die Kirche und in das Internet.

Hans Hentschel in Begleitung von Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier bei seinem letzten Gang als Superintendent in die St. Martinkirche. Foto: Holger Schulze


Neben Deutsch war Englisch die Sprache bei dieser Zeremonie, die Hentschel nun von seinen Amtsverpflichtungen entband und ihn demnächst zum Pastor in Ruhe machen wird, denn er wird noch in der St. Martinkirche etwas aushelfen und danach eine Zeit lang in England wirken.

Für die Musik im Gottesdienst sorgten Sabine und Jochen Müller am Klavier und an der Posaune. Der Jugendchor von St. Martin unter der Leitung von Eva Gronemann, die auch die Orgel spielte, war ebenso aktiv wie als Solist Jakob Gronemann mit dem Klavier.

"Hänschen klein" Thema in der Predigt

In seiner Abschiedspredigt als Superintendent machte Hans Hentschel noch einmal Gebrauch von bildhaften Anknüpfungspunkten aus dem realen Leben, die so viele seiner Predigten lebendig gemacht hatten. Das Kinderlied vom kleinen Hans, der wohlgemut in die Welt hinauszieht, war es diesmal. Dieses Lied begleitete Hentschel von seinen Kindertagen an, über das Studium hinweg, in einer Begegnung mit 200 Russlanddeutschen, denen er das Volkslied beibrachte, bis hin zu einer nicht allzu lange zurückliegenden Englandfahrt mit einer Jugendgruppe, bei der das von der Gruppe gesungene "Hänschen klein" als Klingelton auf dem Smartphone des Superintendenten landete.

Nach diesem mehr humorvollen Auftakt seiner Predigt kam Hentschel im ernsthafteren Teil darauf zu sprechen, dass, entgegen dem Liedtext, niemand allein in die Welt hineinzieht. „So ist das wohl mit einem Christenmenschen, einem Christenlieschen oder einem Christenhänschen: sie ziehen in die Welt hinein, aber Gottes Hut und sein Stecken stehen ihnen gut“, verkündete Hentschel der Gemeinde seine Gewissheit, „dass alle Wege in die Welt und alle Wege in der Welt von Gott begleitet werden“.

„Jesus sagt: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Auf diese Verheißung habe ich ungezählte Kinder und viele Erwachsene getauft und auch unsere eigenen Kinder sind von uns mit diesem Versprechen in die Welt gezogen“, machte Hentschel nochmals das Grundmotiv seines predigenden Handelns deutlich.

Auch wenn er nun von seinem Amt entpflichtet ist, wird Hans Hentschel auf seinen weiteren Lebenswegen gut behütet und ebenso gelaunt dem Psalmwort folgen: „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun“.

Spuren im Kirchenkreis hinterlassen

Die Darstellung dessen, wie Hans Hentschel nicht nur bei der Verkündigung von Gottes Tun in seinem Amt als Pastor und Superintendent aktiv gewesen war, oblag im Rahmen der Entpflichtungshandlung der Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier . „Nun ist es mit dem Superintendenten vorbei. Eine Last hört auf, eine Lust auch“, so eröffnete sie ihre Ansprache. Wohl so manches Mal mögen sich die Menschen in der Begegnung mit Hentschel die Augen gerieben haben, setzte sie fort. Denn: “Seine Spuren im Kirchenkreis gingen über die bunten Bilder hinaus”.  

Gott musste 1956 bei der Erschaffung des „kleinen Hans nicht nur ziemlich viel Lehm, sondern auch Weisheit, die Lust hat, leicht ist und das Risiko liebt, in die Hand genommen haben. Weisheit, die unerschöpflich und schöpferisch, ohne Angst, aber voller Vertrauen in der Liebe zu Gott und zu den Menschen ist“, beschrieb Klostermeier wesentliche Charakterzüge Hentschels, aus dem dann später ein „etwas ungewöhnlicher Pastor, blitzgescheit und fleißig“ geworden sei, „der das Gotteswort in Bilder, Töne und Farben verwandelt“. Die Lust an der Gestaltung, die Freude am Amt und die Verantwortung sei bei seiner Amtsführung stets zu spüren gewesen. Ein bisschen Anarchie, besonders gegenüber den Kirchenoberen, war auch mit dabei, hatte die Landessuperintendentin feststellen können. 

„Brutale und deftige Ehrlichkeit, all dies ist jetzt als Superintendent vorbei. Deine besondere Weisheit in Genie und Chaos und die Leidenschaft, dem Evangelium so menschlich nachzufolgen und es unter die Menschen zu bringen“, waren die abschließend sehr persönlichen Worte der Wertschätzung Klostermeiers für Hans Hentschel. 


Die Runde der Superintendenten des Sprengels Osnabrück überbrachten ihr Grußwort mit Gitarre und Stimme. Foto: Holger Schulze


Nach weiteren Grußworten von Vertretern des Kirchenkreises und der Bramscher St. Martin-Gemeinde, vom Ephorenkreis (die Runde der Superintendenten des Sprengels Osnabrück), durch den Bramscher Bürgermeister Heiner Pahlmann, durch Vertreter des Kirchenamtes und des Kirchenkreisamtes, der Kirchenkreiskonferenz sowie von Klaus-Heinrich Rahe für die katholische St. Martinus-Gemeinde Bramsche übernahm Hans Hentschel nochmals das Wort und leitete mit Dank und zwei Einträgen aus seinem Poesiealbum, die ihm seinerzeit ein Lehrer und seine Mutter hineingeschrieben hatten, zum Kaffeetrinken vor der Kirche über. 

„Wer heute entbehrt, kann morgen finden“ sowie „Hab Sonne im Herzen, dort ist sie genauso wichtig wie am Himmel“, hatte er diesem Album aus Kindertagen entnommen.

Durch mehrfache Auftritte gestaltete der Jugendchor von St. Martin den Abschiedsgottesdienst für Hans Hentschel musikalisch. Foto: Holger Schulze



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