"Glücksritter" im Bahnhof Bramscher Theatergruppe präsentiert unterhaltsames Stück

Michael Liening-Evert und Renate Simon tanzen zum Disko-Sound der 80er Jahre. Zuhause ist Musik, ob daheim oder in der Disko.Michael Liening-Evert und Renate Simon tanzen zum Disko-Sound der 80er Jahre. Zuhause ist Musik, ob daheim oder in der Disko.

Bramsche. Die Glücksritter sind ein Theaterensemble als Kooperation zwischen Heilpädagogischer Hilfe Bersenbrück und Theaterpdagogischer Werkstatt Osnabrück. Im Bramscher Bahnhof präsentierten sie ihr neues Stück "Zuhause."

Passend zur deutsch-niederländischen Kunstausstellung in der Wandelhalle des Bahnhofs rund um das Thema „Heimat“ haben sich die Glücksritter das Thema „Zuhause“ vorgenommen. Die Theatergruppe ist eine Kooperation zwischen der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück und der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück.

Ungewöhnlicher Auftakt

Rund 40 Gäste sind gekommen, um die Premiere mitzuerleben. Ungewöhnlich schon der Auftakt zur Vorstellung. Die Besucher warten draußen und betreten die Wandelhalle gemeinsam. Dort sitzen kleine Gruppen an Tischen und spielen Alltagsszenen. Franziska Klöppel und Manuela Schmude sitzen an einem Küchentisch und schnippeln Äpfel für ein Kompott. An anderen Tischen wird gepuzzelt, Memory gespielt, abgewaschen oder gebastelt. Dann dimmt die Regie das Licht herunter, die Tische verschwinden und Helfer bauen die Stuhlreihen auf, bevor einige der Schauspieler zeigen, wie sie tagtäglich arbeiten und dann mit Bahn, Fahrrad oder Auto nach Hause fahren. 

Schließlich kommen sie „zuhause“ an. Aber was ist das? „Da wo mein Werkzeug ist“, Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen“ oder „die Küche brummt und der Kühlschrank vibriert.“ Alles Aussagen der Schauspieler, die sonst bei Impuls oder einer der anderen Werkstätten der Heilpädagogischen Werkstätten arbeiten. Doch statt das „Zuhause“ romantisch zu verklären, werden auch Konflikte thematisiert. Zuhause ist auch, „wo das Badezimmer besetzt ist“ oder der Paketbote ständig mit Lieferungen für den Nachbarn nervt. Manchmal ist es auch nur das Gefühl eine Zigarette zu rauchen und ein Glas Bier zu trinken. 

Zuhause sind für den Einen seine Patienten und für den anderen, wenn der Paketbote klingelt.


An anderer Stelle sind es „die zwei Brüder, Mama und Papa“, aber „nie allein ist auch scheiße.“ Die assoziativen Beobachtungen, Gefühle und Szenen werden thematisch geordnet und zusammengehalten durch Schrifteinblendungen. Mal sprechen die Schauspieler auf der Bühne, mal verharren sie in einer Pose während Stimmen vom Band die jeweilige Stimmung wiedergeben. Hier und da gibt es Szenenapplaus. Als schließlich Michael Liening-Evert und Renate Simon im 80er Jahre Disko-Fieber zu tanzen beginnen und sich immer mehr Ensemblemitglieder anschließen, wechselt die Musik und das Publikum klatscht schließlich begeistert den Takt zu Pharrell Williams Megahit „Happy“ mit. Zuhause ist also auch Tanzen, Disko und ins Kino gehen, nicht nur „Meditation, manchmal Unruhe oder „gelassen brennende Duftkerzen.“ Zuhause ist manchmal auch der normale Wahnsinn: So berichtet Mandy in ihrem Einspieler, dass es zu ihrem Leben und ihrer Vorstellung von Zuhause auch gehört, regelmäßig zur Dialyse zu fahren.

Multimedia-Show

„Zuhause“ ist eine Multimedia-Show mit einem Thema, das jeden angeht, das jeder anders versteht und mit dem jeder andere Gefühle verbindet, das aber niemanden kalt lässt. Vielleicht wirkte die Premiere deshalb so authentisch und ganz und gar nicht überpädagogisiert. Was das Spielleichter-Duo aus Matthias Caspari und Heidi Vollprecht mit ihren Schauspielern dem Publikum boten, waren 45 Minuten bunte Unterhaltung. Dass die Glücksritter inzwischen regelmäßig im Bramscher Bahnhof proben und damit hier als Gruppe ihr neues Zuhause gefunden habe, ist nur ein – wenn vielleicht auch nicht unwesentlicher – Nebenaspekt. Nach den Wochenendvorstellungen sind für Montag und Dienstag mehrere Schulklassen eingeladen.


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