Betreuung rund um die Uhr Neuer Pflegedienst in Bramsche für schwerstkranke Kinder

Hilfe für ihre schwerst behinderte Tochter Lena Marie haben Melanie und Marco Böckenholt (5. und 6. von links, hinten, mit Tochte Mieke)  beim neuen Pflegedienst Balthasar und seiner Leiterin Melanie Seestern-Pauly (3. von links)  gefunden. Mit dabei waren auch Bürgermeister Heiner Pahlmann (hinten links), FDP-MdB Matthias Seestern-Pauly und Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeHilfe für ihre schwerst behinderte Tochter Lena Marie haben Melanie und Marco Böckenholt (5. und 6. von links, hinten, mit Tochte Mieke) beim neuen Pflegedienst Balthasar und seiner Leiterin Melanie Seestern-Pauly (3. von links) gefunden. Mit dabei waren auch Bürgermeister Heiner Pahlmann (hinten links), FDP-MdB Matthias Seestern-Pauly und Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke
Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Mit dem Pflegedienst Balthasar steht in Bramsche ein neues Angebot eigens für Familien mit schwerst behinderten oder schwer kranken, oder wie der Fachterminus lautet, intensivpflichtigen Kindern zur Verfügung.

Mit dem Pflegedienst Balthasar steht in Bramsche ein neues Angebot eigens für Familien mit intensivpflegebedürftigen Kindern zur Verfügung. Der Pflegedienst Balthasar gehört zur bundesweit tätigen Bonitas-Gruppe, einem der größten ambulant tätigen Pflegeanbietern bundesweit.

"Bedarf ist enorm"

"Der Bedarf gerade an Kinder-Intensivpflege ist enorm", sagte Pflegedienstleiterin Melanie Seestern-Pauly bei der Eröffnung der neuen Verwaltungsräume in der Großen Straße 35 in Bramsche. In der Regel werden die betroffenen Kinder zunächst im Krankenhhaus versorgt. Wenn sie dann nach Hause entlassen werden, stehen die Eltern vor der  fast unlösbaren Aufgabe, ihr Kind, das in vielen Fällen noch beatmet werden muss, rund um die Uhr  zu versorgen - eine Situation, die die Familien an die Grenzen der Belastbarkeit bringe.  Hier setze das Angebot von Balthasar an, sagt Seestern-Pauly.  Der Pflegedienst gewährleistet eine 24-Stunden-Pflege. Rund um die Uhr seien Mitarbeiter bei Bedarf im häuslichen Umfeld der Familien im Einsatz, sie achten auf die Sauerstoffversorgung und geben Medikamente, auch zur Schule oder in  Kindertageseinrichtungen werden Kinder begleitet. 

"Bei uns sind nur examinierte Pflegekräfte beschäftigt, weil sie auch in Krisensituationen und Notfällen intervenieren können müssen", unterstreicht Seestern-Pauly.  Nach dem Start mit der häuslichen Pflege sucht der Pflegedienst derzeit nach geeigneten Räumen für die Einrichtung einer Wohngemeinschaft für Intensivpflegebedürftige.

Familie der ersten Stunde

Melanie und Marco Böckenholt, mit Maximilian, Lena-Marie und Mieke sind eine der Familien der ersten Stunde bei Balthasar. Lena-Marie kam vor zwölf Jahren als Frühchen mit nur 900 Gramm zur Welt. Zudem wurde bei ihr  das seltene Wolf-Hirschhorn-Syndrom festgestellt. Sie wächst nur langsam, intellektuelle und psychomotorische Entwicklung sind stark verzögert, sie leidet unter häufigen Krampfanfällen und muss beatmet, eine Kanüle ständig gereinigt werden. Bis Anfang des Jahres betreute ein Pflegedienst die Böckenholts, doch dann fielen die Pflegekräfte immer häufiger aus. Personalmangel. Die Folge: Lena-Maries Mutter konnte nicht mehr arbeiten, Lena-Marie nicht mehr die Horst-Koesling-Schule in Osnabrück besuchen. Auch notwendige Therapien mussten  immer wieder ausfallen. Böckenholts wandten sich an die Neue Osnabrücker Zeitung und ans Fernsehen  Die Hollager unterstrichen immer wieder, sie wollten nicht dem Pflegedienst schaden, sondern auf den Pflegenotstand aufmerksam machen. 

Dennoch flatterte Böckenholts wenige Wochen nach den Medienberichten die Kündigung des Pflegedienstes ins Haus, aus "betrieblichen Gründen", wie es hieß. Ein anderer Pflegedienst erschien gar nicht erst zum vereinbarten Termin. Lena-Marie lebte dann ein paar Wochen in der ebenfalls zur Bonitas-Gruppe gehörenden WG "Leonard" in Belm. Glücklich war mit dieser Situation niemand. "Es fehlt einfach ein Teil der Familie",erinnert sich Melanie Böckenholt. Aber da waren auch noch die Geschwister, die ihre Schwester von ganzem Herzen lieben, aber auch zu ihrem Recht kommen mussten und die Eltern, die mit der Rund-um-die-Uhr-Betreuung an ihre körperlichen und mentalen Grenzen  kamen. "Das ist die Situation. Damit gehen wir alle um", sagt die Mutter, "aber man muss auch für sich selbst sorgen."

Wieder zuhause

Lena-Marie fühlt sich im Kreis der Eröffnungsgäste sichtlich wohl. Sie lacht über das ganze Gesicht. Nach der WG-Zeit in Belm ist sie wieder zu Hause. "Es war schon gut dort. Aber man merkt, dass es ihr jetzt besser geht", freut sich ihre Mutter.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN