Auftritt von Anne Folger Kabarett mit Klassik, Komik und Können im Bramscher "Universum"

Von Holger Schulze

Anne Folger unterhielt am Mittwochabend im Bramscher "Universum" das Publikum mit einem anspruchsvollen Mix aus Klassik, Komik und Können. Foto: Holger SchulzeAnne Folger unterhielt am Mittwochabend im Bramscher "Universum" das Publikum mit einem anspruchsvollen Mix aus Klassik, Komik und Können. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Kabarett mit Klassik, Komik und Können stand am Mittwochabend im Bramscher "Universum" auf dem Programm. „Selbstläufer“ hatte Anne Folger ihren Auftritt überschrieben. Ihr Konzept ist ein Mix aus klassischer Musik, eigenen Kompositionen, heiteren Texten und sehr viel Charme.

Mit einer gesungenen Begrüßung startete die studierte Konzertpianistin mit "Summa cum laude"-Examen den Abend. Vor einem Jahr war die ausformulierte Pianistin von der nur reproduzierenden Konzertkunst in das produzierenden Genre der sogenannten Kleinkunst gewechselt.  

Ein bisschen Erläuterung ihres Arbeitsgerätes anlog einer Autobeschreibung. Ein erster Song, bestehend aus Klavierherstellernamen. Das Stück "Claire de Lune" von Claude Debussy, aufgepoppt mit Werbemelodien aus der Konsumwirtschaft, wie zum Beispiel mit den Jingles von Microsoft, Calgon oder der Sparkasse: Anne Folger war professionell in der leichten Muse angekommen, ohne ihre erlernte Kunst zu verlassen.

Mit Minimalismus beschäftigte sich ein weiterer Themenblock der Vorstellung. Es ging um „Stehrumsel“, also um materiellen Besitz, der eigentlich nicht gebraucht wird und der deshalb rumsteht. Anne Folger verstand es auch hier, mit heiter-liebenswertem Vokabular das Publikum zu unterhalten.

Mit der Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt oder, wie Folger es nannte, „dem schnellsten Weg, sich eine Sehnenscheidenentzündung einzufangen“, zeigte sie ihre hochkarätigen klassischen Kompetenzen, bereits geadelt durch Preisgewinne bei den internationalen Klavierwettbewerben "Luciano Gante" in Italien und "Franz Liszt", Weimar. Rauschender Beifall im Anschluss hieran zeigte das Wohlgefallen des Publikums auch gegenüber diesem für ein Kabarettprogramm eher atypischen Programmteil.

Ein Stück über ungewollt im ICE mitgehörte Telefonate, über absterbende Füße und die „goldenen Gedanken von Mutti an die Honigmaus“ zeigten Folger daraufhin wieder von ihrer komischen Sängerinnenseite. Ihrem – Zitat – „Bildungsauftrag“ kam Anne Folger augenzwinkernd im Anschluss an die Pause nach und spielte „auch mal ein Stück, das von einer Frau komponiert wurde“. Es war „Selbstläufer“ von ihr selbst. Ein Stück, das der oben bereits erwähnten Beanspruchung der Sehnenscheiden beim bereits gespielten Liszt allenfalls in der Länge etwas nachstand. Poetisch wurde Folger bei der Ergänzung einer Komposition von Chopin durch nachdenkliche Texte und melancholische Melodiesequenzen. 

Anne Folger ist eine Künstlerin, die sich den heiteren Charme im knallharten Showgeschäft nicht hat abschmirgeln lassen. Sie lieferte Kabarett mit musikalischem Können auf hohem Niveau. Dazu eine den Alltag verarbeitende Kreativität, die sie mit leichtfüßiger Ironie zu kombinieren versteht. All dies, unterstützt durch flinke Finger auf den Elfenbeintasten, bot dem Publikum einen Wohlfühlabend voll von gefälligen Melodien, gescheiten Texten und einer vorgelebten Leichtigkeit des Seins, mit der Folger die Bramscher sympathisch umwarb. Publikum und Veranstalter konnten sich glücklich schätzen, dieses ausdifferenzierte Talent noch in einem relativ frühen Stadium ihrer Musikkabarettkarriere zu Gast haben zu können.

Das Einzige, das außer dem Flügel, bei dem im letzten Teil der Vorstellung das tiefe C seine nachschwingfreie Funktion aufgab, nicht funktionierte, war die Rausschmeißer-Etüde, mit der Anne Folger nochmals zeigte, was sieben Jahre Klavierstudium an Virtuosität bei ihr hatten entstehen lassen. Natürlich forderte das Publikum zwei Zugaben am Klavier und eine aus ihrer Anekdotensammlung.


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