Faszination Wildbienen Exkursionsleiterin lässt es in Sögeln bei Insekten „menscheln“

Theo untersucht die Sandbiene wie ein Nachwuchswissenschaftler. Angst hat er nicht, wenig später zeigt er stolz eine Waldbiene auf seinem Handrücken. Fotos: Andreas WenkTheo untersucht die Sandbiene wie ein Nachwuchswissenschaftler. Angst hat er nicht, wenig später zeigt er stolz eine Waldbiene auf seinem Handrücken. Fotos: Andreas Wenk
Andreas Wenk

Sögeln. Wildbienen sind bedroht. Auf Gut Sögeln hat der Bramscher Runde Tisch Natur eine Exkursion angeboten. Für viele Teilnehmer boten sich dabei überraschende Erkenntnisse über Leben und Verhalten der Insekten.

Als „sehr menschlich“ hat Ramona Herforth das Verhalten der Wildbienen empfunden, so wie es Janina Voskuhl dargestellt hat. Herforth war eine von rund 30 Teilnehmenden der Exkursion auf dem Gut Sögeln. 

Voskuhl, die nach einem Bachelorstudium in Osnabrück jetzt in Oldenburg Landschaftsökologie studiert, hat sich zwischen 2014 und 2018 zur Wildbienenexpertin gemausert. „Ich habe vier Jahre lang nur Wildbienen angesehen“, erzählte sie.

Was Ramona Herforth als „sehr menschlich“ bezeichnete, war Voskuhls Schilderung, nach der die männlichen Wildbienen den Weibchen die Arbeit überlassen, sich an Rendezvousplätzen treffen, mit ihren langen Fühlern Weibchen aufstöbern und gemeinsam an Blüten „einen trinken gehen.“

Mit genau dieser Tonalität zog Voskuhl alle Exkursionsteilnehmer schnell in ihren Bann. Ihr fundiertes Wissen vermittelte sie ganz beiläufig mit Humor, Charme und vielen Vergleichen zu Menschen. Obwohl es zunächst um zehn Grad kalt und bedeckt war, fand sie nach wenigen Metern auf dem Gutsgelände auf Schöllkraut die erste Sandbiene. Schnell hatte sie diese mit einem Schmetterlingskescher eingefangen und in ein Glas bugsiert. „Volle Hosen“, so das Expertenurteil. Die Biene war demnach „fleißig“ und am Bein ließen sich deutlich gelbe Taschen voller Pollen erkennen.

Als Anschauungsmaterial hat Janina Voskuhl eine Biene gebastelt, die nur wenig mit Maja aus dem Trickfilm gemein hat.


Das nächste Exemplar: Eine rotschöpfige Sandbiene, laut Janina Voskuhl eine typische Frühjahrsbiene, die vor allem als Bestäuberin von Johannisbeeren unverzichtbar sei. Nur wenige Meter entfernt befanden sich auch tatsächlich jene Sträucher. „Schön, wenn sich die Bienen an die Literatur halten“, so Voskuhl. 

Honigbienen seien Generalisten und bei Pollen nicht wählerisch, viele der mehr als 560 deutschen Wildbienenarten hätten sich aber sehr auf hiesige Pflanzen, manchmal sogar auf nur eine Art spezialisiert. Das „Ausräumen“ der Landschaft vielerorts gefährde deshalb die Wildbienen. Viele bauen ihre Gelege in kleinen Tunnelhöhlen. 

Gerade die jungen Exkursionsteilnehmer wie Theo zeigten sich überrascht von der Vielfalt der Wildbienen, gerade als Voskuhl eine Ackerhummel-Königin in ihrem Glas präsentierte. Auf die Frage, woher das komme, verriet Hausherrin Gisela von Bock: „Nicht mähen.“ Denn während Zuchtbienen bis zu sieben Kilometer weit fliegen, um an Nahrung zu kommen, bewegen sich Wildbienen nur in der näheren Umgebung zu ihren Nestern. Deshalb reagieren sie auf Veränderungen und Störungen in ihrem Lebensraum äußerst empfindlich. 

Das stößt bei Teilnehmerin Karin Müller auf offene Ohren. Sie wünscht sich mehr Toleranz. Auch das beste Blühstreifenprojekt helfe den Wildbienen wenig, solange Anwohner danach verlangen, dass die Flächen kurz gehalten werden.

Ramona Herford interessiert sich sehr für das Thema Wildbienen. Sie möchte dazu beitragen, das Wissen um diese empfindlichen Insekten zu vermehren, damit Gärtner und Landwirte mehr Rücksicht auf deren Belange nehmen.


Janina Voskuhl räumt ein, manche Wildbienen selbst nur mit Spezialausrüstung identifizieren zu können. Trotzdem schien sie auf jede Frage zu Wildbienen eine Antwort zu haben. Das führte dazu, dass sich die zweistündige Exkursion überraschend schnell dem Ende näherte, zumal es sehr stark „menschelte.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN