"Gegen Schubladen im Kopf" Interaktive Kunstausstellung in der Bramscher Innenstadt

Die interaktive Fotoausstellung in der Bramscher Innenstadt macht darauf aufmerksam, wie schnell wir andere in „Schubladen“ einsortieren. Foto: Meike HahnrathsDie interaktive Fotoausstellung in der Bramscher Innenstadt macht darauf aufmerksam, wie schnell wir andere in „Schubladen“ einsortieren. Foto: Meike Hahnraths
Nola Bunke

Bramsche. In der Bramscher Innenstadt ist ab dem 30. April eine interaktive Kunstausstellung zu sehen. Das Projekt "Schulbladen" setzt ein Zeichen für ein vorurteilsfreieres Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung.

"Ein Mensch ist nie nur Opfer, nie nur behindert oder alt. Ein Mensch ist mehr als die Schublade, in die wir ihn stecken."  - so lautet die Botschaft des Fotokunstprojekts „Schubladen“, das vom 30. April bis 25. Mai in der Bramscher Innenstadt zu sehen ist. Neben der Heilpädagogischen Hilfe Bersenbrück und dem Bramscher Stadtmarketing beteiligen sich zahlreiche Geschäfte und Institutionen an der interaktiven Ausstellung.

Portraits

Das Fotokunstprojekt „Schubladen“ möchte dazu beitragen, dass die Betrachter ihrem ersten Urteil misstrauen lernen. Die Künstlerin Meike Hahnraths aus Mönchengladbach fotografiert Personen, die häufig nur über ihr Leben in einem Frauenhaus oder über ihre Beeinträchtigungen wahrgenommen werden, und solche, die umgangssprachlich als „normal“ gelten. Ihre Bilder zeigen die Menschen unversehrt, selbstsicher und in Würde.

Die Heilpädagogische Hilfe Bersenbrück holt die interaktive Ausstellung „Schubladen“ in Kooperation mit dem Bramscher Stadtmarketing in die Bramscher Innenstadt. Vom 30. April bis 25. Mai 2019 werden knapp 50 Bilder in verschiedenen Geschäften, öffentlichen Gebäuden und Institutionen in Bramsche zu sehen sein. Wer genau hinschaut, entdeckt vielleicht sogar ein bekanntes Gesicht, denn auch Menschen aus unserer Region sind unter den Abgebildeten.

Premiere

Bei früheren Ausstellungen wurden die Exponate immer zusammenhängend gezeigt - in Museen, Kirchen, öffentlichen Räumen. In Bramsche wird die Schubladen-Ausstellung zum ersten Mal über eine Stadt ‚verteilt‘. „So erreichen wir eine noch breitere Öffentlichkeit und regen noch mehr Menschen an, sich mit den eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen“, sagt HpH-Geschäftsführer Guido Uhl. „Außerdem setzen alle teilnehmenden Geschäfte und Institutionen gemeinsam ein Zeichen, indem sie sich solidarisch erklären – mit dem Thema, den Menschen und dem Standort.“

Begleitend zur Ausstellung hat Meike Hahnraths ein Quiz entwickelt. Zu jedem Foto gibt es vier kurze Beschreibungen, aber nur eine davon trifft auf die abgebildete Person zu. Durch das Betrachten der Porträts im Zusammenspiel mit dem Quiz können sich die Betrachter mit ihren Schubladen im Kopf auseinandersetzen – allein oder gemeinsam mit anderen.

Interaktiv

„Ich wollte einen spielerischen, interaktiven Zugang zu den Bildern und zum Thema der Ausstellung“, erklärt Künstlerin Meike Hahnraths die Idee zum Quiz. „Durch das Quiz ‚zwinge‘ ich die Betrachter, länger vor jedem Porträt zu verweilen und sich wirklich damit auseinanderzusetzen. Es geht nicht darum, viele Treffer zu setzen - alle Beschreibungen könnten stimmen. Es geht darum, andere vorurteilsfreier und vorsichtiger zu beurteilen. Menschen in Schubladen zu stecken, halte ich für normal und das ist auch okay. Fatal ist, die Schubladen zu schließen - ohne eine Chance auf Korrektur.“

An allen Ausstellungsorten liegen Flyer bereit, auf denen es eine Karte mit den teilnehmenden Geschäften und Institutionen sowie den Teilnahmebogen für das Quiz gibt. Die ausgefüllten Fragebögen können auch in den Geschäften abgegeben werden. Nach dem Abschluss der Ausstellung werden aus allen Teilnehmern zehn Gewinner verlost. Zusätzlich veröffentlicht die HpH eine Gesamttendenz davon, wie richtig oder falsch die Bramscher mit ihren Beurteilungen lagen. Interessierte können auch auf der Homepage https://www.schubladen.online/ quizzen. Dort erhält man sofort ein Ergebnis, man nimmt allerdings nicht an der Gewinnverlosung teil.

 


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