E-Mail aus Namibia Bramscherin über "goldene Momente" im Freiwilligendienst

Von Franziska Rulhof

Die Bramscherin Franziska Rulhof mit einigen der Kinder, die sie in Namibia betreut. Foto: RulhofDie Bramscherin Franziska Rulhof mit einigen der Kinder, die sie in Namibia betreut. Foto: Rulhof

Bramsche. Junge Bramscherinnen und Bramscher sind in aller Welt als Freiwilligendienstleistende unterwegs. Sie alle reizt es, neue Welten kennenzulernen. In unserer Reihe „E-Mail aus...“ berichten sie über ihre Erfahrungen. Heute schreibt Franziska Rulhof aus Namibia.

Seit mehr als sieben Monaten bin ich nun in Namibia und alles ist mittlerweile Alltag geworden. Da kann es schnell passieren, dass man in eine Routine fällt und vergisst, bewusst die schönen Momente jedes Tages wahrzunehmen. In meinem heutigen Beitrag möchte ich deshalb von den ganz besonderen Erlebnissen während meines Freiwilligendiensts erzählen. Und nein, damit meine ich nicht das andächtige Gefühl beim Anblick eines Elefanten in freier Wildbahn oder das Staunen beim Besuch der mächtigen Victoria-Fälle. Diese Erinnerungen an unsere unvergesslichen Reisen sind mir zwar ebenfalls wichtig, aber sie werden immer wieder in den Schatten gestellt von den lustigen, berührenden und wunderbaren Momenten mit den Kindern.

Ich mache ein sogenanntes Freiwilliges Jahr im Ausland. Und natürlich ist der Auslandsaspekt dabei von großer Bedeutung. Aber zentral ist die Arbeit. In meinem Fall die Arbeit mit Grundschulkindern im Hort der Waldorf School Windhoek. Eine Arbeit, für die ich nicht ausgebildet bin. Zum Glück arbeite ich immer mit einem Lehrer bzw. einem Erzieher zusammen und kann mir von ihnen viel abschauen. Sie geben mir auch Tipps und Feedback, wenn ich pädagogische Fragen habe. Denn es kommt immer wieder vor, dass ich meine Methoden, meinen Umgang mit den Kindern in Frage stelle. Oft wäre ich gern geduldiger gewesen, hätte etwas besser erklärt, die Ruhe bewahrt.

Kinder ermutigen

Aber es gibt auch Momente, in denen die Kinder mir zeigen, dass ich gerade etwas richtig gemacht habe. Das sind meine goldenen Momente. So wie neulich, als ein Zweitklässler nach der Pause nicht wieder in den Unterricht gehen wollte und sich an mir festgehalten hat. Erst habe ich ungeduldig reagiert und versucht, ihm zu erklären, dass er in den Unterricht zurückgehen muss. Aber das war nicht sonderlich erfolgreich. Ich habe mich gefragt, was ich brauchen würde, wenn ich auf eine Aufgabe keine Lust habe oder mich vor etwas fürchte. Dann habe ich ihm vorgesprochen: „Ich bin C. Ich bin stark. Ich schaffe das!“. Nachdem ich das ein paar Mal wiederholt hatte, schaute er mir in die Augen und wir sagten es gemeinsam. Sein Gesicht begann zu leuchten und ermutigt rannte er den anderen Kindern hinterher in den Klassenraum.

Wenn ich eins gelernt habe in diesem Jahr, dann das: Druck und Strenge sind Einfühlungsvermögen und Ruhe weit unterlegen. Natürlich ist es nervig, wenn ein Kind nach der dritten Aufforderung immer noch nicht zum Abwasch kommen will. Aber statt zu schimpfen und zu drohen, versuche ich zu erklären, dass wir eben gemeinsam unsere Aufgaben erledigen müssen. Und manchmal reicht es auch schon, die Gründe des Kindes zu verstehen. Du hast Angst, dass die anderen Kinder in der Zwischenzeit deine Spielsachen wegnehmen? Dann nehmen wir sie einfach mit in die Küche, wo du sie im Auge behalten kannst.

Mein großer Wunsch ist, dass die Kinder in der begrenzten Zeit, die ich mit ihnen habe, auch nur halb so viel von mir lernen wie ich von ihnen und durch sie. Dann hat sich mein Aufenthalt schon mehr als gelohnt.


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