„Die ersten Zwölf“ aufgeführt Passionsspiel-Gemeinschaft überzeugt in Bramsche

Von Holger Schulze

Die Passionsspiel-Gemeinschaft Osnabrücker Land überzeugte mit ihrem Stück "Die ersten Zwölf", das in der Kirche der Bramscher Gemeinde Neues Leben aufgeführt wurde. Foto: Holger SchulzeDie Passionsspiel-Gemeinschaft Osnabrücker Land überzeugte mit ihrem Stück "Die ersten Zwölf", das in der Kirche der Bramscher Gemeinde Neues Leben aufgeführt wurde. Foto: Holger Schulze

Bramsche. „Die ersten Zwölf“, das aktuelle Stück der „Passionsspiel-Gemeinschaft im Osnabrücker Land“, feierte am Sonntagnachmittag Premiere in der Kirche der Bramscher Gemeinde Neues Leben.

Die groß angelegte Geschichte der zwölf Apostel besuchten bei der ersten von drei Aufführungen in Bramsche zwischen 450 und 500 Zuschauer.  Es war die 30. Aufführung der Laienschauspielerschar um Anton Behrens, die fast nicht zustande gekommen wäre, weil aufgrund einer drastisch zugespitzten Wortwahl des Pfarrers in Ruhe zum Thema Abtreibung der gewohnte Aufführungsort in Wallenhorst entzogen worden war. „Es geht uns um die Botschaft des Stücks“, begründete Andreas Morasch, Pastor in der Gemeinde Neues Leben, die Entscheidung, das Gotteshaus an der Bramscher Moltkestraße ersatzweise zur Verfügung zu stellen.  

Das Stück „Die ersten Zwölf“ folgte dem Anspruch der Passionsspiel-Gemeinschaft, „die Geschichte Christi, seines Leidens, seines Sterbens und seiner Auferstehung sowie seiner einzigartigen Botschaft in einen immer neuen Rahmen zu stellen“, so ist es der Webseite der Gemeinschaft zu entnehmen.

In zahlreichen, komprimierten Szenen wurden die gesellschaftlichen Zustände der damaligen Zeit, das Hinzutreten der zwölf Jünger sowie in einem zweiten Schwerpunkt die Ereignisse der Karwoche auf die Bühne gebracht. Exemplarisch zu sehen waren die Not der Fischer, Kriminalität, Geiselnahme und das immer mehr von der Gewinngier Einzelner sowie der Steuerlast betroffene Leben der einfachen Bevölkerung. 

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Das Publikum verfolgte den Weg von Jesus, der anfänglich am Sabbat noch als Rabbi aus Nazareth in der Synagoge gefeiert und um die Predigt gebeten sowie vom Volk aufgrund seiner hoffnungsvollen Worte und Wundertaten verehrt wurde. Der aber etwas später dann doch nach und nach bei der herrschenden geistlichen Klasse immer mehr in Ungnade fiel und schließlich am Kreuz endete.

Eindrückliche Szenen

Aufgeführt wurden in eindrücklichen Szenen der bejubelte Einzug in Jerusalem, aber auch die düsteren Voraussagungen von Jesus über das Schicksal von Jerusalem und eine schon bald kommende Zeit, in der alle, die seine Botschaft verkünden, der Verfolgung und Todesgefahr ausgesetzt sein würden.  

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Das Stück enthielt bewegende Szenen vom Abschied des Gottessohnes von seiner Mutter, vom letzten Abendmahl mit den Jüngern und von der Verzweiflung Jesus' im Garten Gethsemane. Der Verrat durch Judas, die Prozesse gegen Jesus, Geißelung und Verspottung und letztlich die Kreuzigung führten schließlich zur Auferstehungsszene hin, die das Stück hoffnungsvoll enden ließ.  

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Prächtige Bühnenbilder und Kostüme

Das Passionsspiel glänzte durch großformatige und farbintensive, mittels Beamer projizierte Bühnenbilder, eine Vielzahl von prächtigen Kostümen, mit üppigen Volksszenen und intensive Szenen aus den Geschehnissen der Karwoche. Sichtlich emotional bewegt dankte Anton Behrens nach dem Schlussbild dafür, dass „junge wie erwachsene Menschen bereit sind, den Strömungen der Welt zu widerstehen und dass trotz aller Widrigkeiten, Hinterhältigkeiten und Anfeindungen, die wir erlebt haben, diese Gruppe zusammengeblieben ist. Wir standen vor ein paar Wochen vor dem absoluten Nichts, wir hatten keinen Aufführungsort für unser Spiel mehr.“  

Dass sich diese Situation dann doch wieder wendete, würdigten am Ende der Vorstellung die Zuschauer durch ihren stehenden Applaus. Das Publikum wurde Zeuge einer ganz beachtlichen Gemeinschaftsleistung von mehr als 100 Beteiligten vor und hinter der Bühne und über alle Generationen hinweg, die mit ihrer opulenten Aufführung die Ereignisse der Osterzeit in eine visuelle Form gebracht hatten, die auf andere Weise berührt als das Predigtwort in den Ostergottesdiensten.  

Man mag ja von Anton Behrens und seinen polarisierenden Formulierungen halten, was man möchte. Die Passionsspiel-Gemeinschaft jedoch hatte es verdient, als eigenständiger Teil im Kulturleben von Bramsche sich und den Zuschauern das gezeigte Stück als Vorbereitungs- und Besinnungsmöglichkeit auf das Osterereignis präsentieren zu dürfen.

Weitere Vorstellungen finden am Karfreitag, 19. April 2019, ab 19 Uhr, sowie am Karsamstag, 20. April 2019, ab 15 Uhr, wieder in der Kirche der Gemeinde Neues Leben statt. 


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