Angriffswaffen im Blick Militärische Ausrüstung der Krieger von Kalkriese untersucht

Helm mit "Busch": Hinweise auf die Ausrüstung der römischen Legionen gab jetzt Uta Schröder in ihrem Vortrag "Gut gerüstet in den Untergang" zusammen mit der Leiterin des Museums und Parks Kalkriese, Heidrun Derks. Foto: Peter SelterHelm mit "Busch": Hinweise auf die Ausrüstung der römischen Legionen gab jetzt Uta Schröder in ihrem Vortrag "Gut gerüstet in den Untergang" zusammen mit der Leiterin des Museums und Parks Kalkriese, Heidrun Derks. Foto: Peter Selter

Kalkriese. Die Ausrüstung der römischen Legionäre stand jetzt im Mittelpunkt des Vortrages "Gut gerüstet in den Untergang" von Uta Schröder im Museum und Park Kalkriese.

Welche Fundstücke in Kalkriese konkrete Hinweise auf die typische Ausrüstung der römischen Soldaten zur Zeit der Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus geben könnten, stellte jetzt Uta Schröder vom Museum und Park Kalkriese vor. Ihr Vortrag war Teil der Sonderausstellung "Roms Legionen", die noch bis zum 3. November 2019 zu sehen ist.

Zahlreiche Funde zur Ausrüstung des römischen Militärs, der "Militaria", würden das Bild der römischen Legionäre in Kalkriese bestätigen. Mehrere Bruchstücke des Gladius, dem Kurzschwert der römischen Soldaten, sowie der zugehörigen Schwertscheide seien bei den Kalkrieser Ausgrabungen gefunden worden, stellte die Wissenschaftlerin den gut 70 Besuchern des Vortrages im Besucherzentrum des Museums vor. Klingenfragmente, Mundstücke von Schwertscheiden, Teil der Ortbänder oder Tragzwingen seien konkret dem Gladius zuzuordnen. 

Lärmender Gürtel beim Angriff

Orientieren würden sich die Wissenschaftler an den zahlreiche Quellen, aus denen sich Hinweise zu der da-maligen Bewaffnung und dem Auftritt der römischen Soldaten ergeben würden. Das Relief von Cancelleria vom Marsfeld oder ein Beispiel des damaligen Geldes wie dem "Sesterz des Caligula" seien antike Hinweise auf die Ausrüstung der Soldaten in der damaligen Zeit. Den Schild links, den Gladius, das Kurzschwert rechts, so hätten sich die römischen Kämpfer seinerzeit präsentiert, so Uta Schröder.

Zahlreiche Tragezwingen und Trageösen würden sich unter den Funden befinden, so die Archäologin. Zudem seien für die Kaiserzeit typische Zierbleche der Waffengürtel, dem sogenannten "Cingulum" vorhanden. Auch den Grund der bei Bewegungen klingenden Bleche verriet Uta Schröder: die Akustik sei von wesentlicher Bedeutung bei den Schlachten gewesen, schließlich hatten die Gegner hören sollen, wenn sich eindrucksvoll ein schwer bewaffneter Soldat näherte.  

Furchteinflössende Maske

Auch auf die Lanzen und Speere, Steinschleudern, die Schilder und Helme sowie dem Einsatz von Pfeil und Bogen blickte die Archäologin. Zu allen Ausrüstungsgegenständen gebe es Funde, auch für die für römische Soldaten typischen Schienenpanzer und Kettenhemde. Die Rekonstruktion eines Maskenhelms mit der Maske von Kalkriese zeigte zudem anschlich, wie die gefundene eiserne Maske, die zu einem prägenden Bild für die Varusschlacht in Kalkriese geworden ist, damals am Helm befestigt gewesen sei. Furchteinflössend und unmenschlich seien wohl die Auftritte der Krieger mit der Maske gewesen, da die Gegner einen Angreifer ohne jede Mimik vor sich gehabt hätten, so Uta Schröder. 

Unterstützer und Skeptiker zur Frage, ob die siegreiche Schlacht der Germanen denn nun tatsächlich in Kalkriese stattgefunden habe, oder nicht, saßen auch bei diesem Vortrag zusammen unter den Besuchern. "Warum hat man nicht so viele germanische Pfeilspitzen gefunden?" fragte eine junge Besucherin. Eine angeregte Diskussion über typische Waffen der Germanen, die Korrosionsneigung verschiedener Materialien und Bodenarten schloss sich an. 

Der nächste Fachvortrag ist für den 12. Mai 2019 geplant. Dann berichtet der örtliche Grabungsleiter Marc Rappe in seinem Vortrag "Aus dem Legionslager. Organisation des römischen Heeres" über die Arbeit der Kalkrieser Wissenschaftler.


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