Nährstoffbeize für Saatgut Balkumer Start-up „SeedForward“ bietet organische Alternative zu Glyphosat & Co.

Von Hans Schmutte

Mit einer neu entwickelten organischen Saatgut-Nährstoffbeize will das Unternehmen „SeedForward“ eine Alternative zu Glyphosat & Co. bieten. Foto: Hans SchmutteMit einer neu entwickelten organischen Saatgut-Nährstoffbeize will das Unternehmen „SeedForward“ eine Alternative zu Glyphosat & Co. bieten. Foto: Hans Schmutte

Ueffeln-Balkum. Mit einer neu entwickelten organischen Saatgut-Nährstoffbeize will das Unternehmen „SeedForward“ eine Alternative zu Glyphosat & Co. bieten. Die Produktion ist jetzt im Bramscher Ortsteil Balkum aufgenommen worden.

Jacob Bussmann und Jan Ritter gründeten ihr Start-up-Unternehmen „SeedForward“ aus Überzeugung und mit der innovativen Idee, eine organische Saatgut-Nährstoffbeize (Beschichtung) herzustellen. Mit dem Produktionsstart beginnt für sie und ihre Firma jetzt eine neue Zeitrechnung. 

Freya, den Namen der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin haben die Firmengründer ihrer Systemlösung nicht ohne Grund gegeben. Die Nährstoffbeize aus dem System soll die Keimrate gegenüber unbehandeltem Mais erhöhen und die anwachsende Pflanze effektiv mit den richtigen Nährstoffen versorgen. 

Sie freuen sich über den Produktionsstart, v. li.: Andreas Pache und Peter Voss von der Coppenrath-Stiftung, Jan Ritter, Roland Schöne von der Fa. Stroetmann Saat, Jan Großterlindern, Jacob Bussmann und für den Landkreis Osnabrück Siegfried Averhage. Fotos: Hans Schmutte

So kommt es zu einer guten Entwicklung der Jungpflanze, selbst unter erschwerten Bedingungen. Die Nährstoffbeize besteht aus mindestens 25 Mikro- und Makronährstoffen, Stimulanzien und Mikroorganismen. Sie lässt sich an die Bodenverhältnisse und das Saatgut anpassen. Durch die Aufbringung sollen Pflanzengesundheit und Stressresistenz verbessert werden. Feldversuche haben eine bis zu 60 Prozent höhere Wurzelbiomasse nachgewiesen.

Pflanzen schützen und Boden verbessern

Dabei soll das „SeedForward“-Produkt nicht nur die Pflanzen schützen und deren Wachstum fördern, sondern gleichzeitig den Boden verbessern.

Die Fa. L. Stroetmann Saat, einer der größten Saatguthändler Deutschlands, hat dieses Potenzial offensichtlich erkannt. Sie vermarktet ab sofort Mais für die Aussaat unter dem Namen „Maisguard“, der mit „SeedForward“-Nährstoffbeize behandelt wurde.

Ab sofort prangt das „SeedForward“-Fimenlogo an einer Halle des Saatgutbetriebs Großterlinden in Balkum.


Die Beschichtung des Saatguts wird dort durchgeführt, um danach in den Handel gegeben zu werden. Jan Großterlinden gibt sich hinsichtlich der Zukunftsaussichten der neuen Beschichtung ebenso optimistisch wie die Firmengründer. „Sie ist im Gegensatz zu herkömmlichen Beizen organisch, bei gleichzeitig breiterem Wirkungsspektrum. Das wird die Landwirte schnell überzeugen“, äußerte er sich.

In Südafrika kennengelernt

Kennengelernt haben sich der Agrar- und Pflanzenwissenschaftler Jan Ritter aus Balingen in Baden-Württemberg und der Osnabrücker Forst- und Umweltwissenschaftler Jacob Bussmann zufällig in Südafrika. Dort hielten sie sich als Berater für unterschiedliche Agrarprojekte auf. Beide sehen ein großes Problem für die heutige Landwirtschaft weltweit in der fortschreitenden Verödung der Böden. Sie entwickelten die Idee einer nachhaltigen Saatgutbeschichtung, die dem einzelnen Saatkorn möglichst all das mitgibt, was es für einen gesunden Start auf dem Acker benötigt, die Pflanzen von Anfang an widerstandsfähiger macht, den Befall von Pilzen und Krankheitserregern hemmt und gleichzeitig den Boden verbessert.

Erste Versuche in Südafrika verliefen erfolgversprechend. Zurück in Deutschland, vertiefte Ritter die Forschung, Bussmann suchte Wege zur Finanzierung und baute ein Netzwerk mit Forschern, Hochschulen, Instituten und Unternehmen auf. Anfang 2017 wurde „SeedForward“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Exist-Gründerstipendium gewährt. Weitere Mittel kamen aus dem europäischen „Climate-KIC Accelerator Programm“ und dem Preisgeld für den vom Bundesumweltministerium geförderten „StartGreen Award“.

Unterstützung durch die Coppenrath-Stiftung

Den finanziellen Durchbruch für die Entwicklung ihres Start-up-Projekts erlebten die Gründer allerdings mit der Unterstützung durch die Aloys & Brigitte Coppenrath-Stiftung. Sie wählte „SeedForward“ als ihren ersten Fördergeldempfänger. Die Höhe der Fördersumme wurde nicht genannt, bewegt sich aber im sechsstelligen Bereich. Sie hat wesentlich zur erfolgreichen und recht zügigen Entwicklung des jungen Unternehmens beigetragen.

Schwarze Zahlen schon 2020?

Für die Startphase sind Ritter und Bussmann mit der Auftragslage zufrieden. Relevante Umsätze und schwarze Zahlen erwarten sie bereits für 2020, insbesondere, wenn es zu einem positiven Feedback der Landwirte kommt, die schon in diesem Jahr Saatgut mit ihrer Beize verwenden. Mit dem Start der Produktion ist der Personalbestand von zwei im Dezember auf jetzt 12 aufgestockt worden. Neben der Beize entwickelte „SeedForward“ organische Dünger in unterschiedlicher Zusammensetzung, abgestimmt auf Pflanzenart und Bodenverhältnisse.

„Danke, dass ihr an uns und unsere Idee geglaubt habt, auch wenn uns selbst manchmal Zweifel kamen“, bedankten sich Jacob Bussmann und Jan Ritter bei Freunden Weggefährten, Geschäftspartnern und Unterstützern im Rahmen einer kleinen Feier aus Anlass des Produktionsstarts in Balkum.


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