Heinrichs in der Thomaskapelle Lesehäppchen mit kabarettistischen Plaudereien in Lappenstuhl

Wusste ihr Publikum gekonnt zu unterhalten: Kathrin Heinrichs in der Thomaskapelle. Foto: Holger SchulzeWusste ihr Publikum gekonnt zu unterhalten: Kathrin Heinrichs in der Thomaskapelle. Foto: Holger Schulze

Lappenstuhl. Seit rund 20 Jahren publiziert Kathrin Heinrichs nicht nur Krimis, sondern auch Kurzgeschichten und Theaterstücke. Am Wochenende las die Sauerländerin nun in der Thomaskapelle in Lappenstuhl.

Es war eine Veranstaltung der Reihe „Nimm' dir ein Buch“, an diesem Abend angeboten vom Ortsrat und dem Kirchenvorstand der St. Johannis Kirchengemeinde Engter. Kathrin Heinrichs benötigt dabei in Lappenstuhl keinen Tisch mit Stuhl und Wasser- oder Weinglas. Die Autorin liest im Stehen, und sie tut dies, „als würde man einem Hörspiel lauschen“, so die Vorankündigung.  

Lesehäppchen durchsetzt mit kabarettistischen Plaudereien, das durfte das Publikum erwarten. Rund 50 Interessierte waren zu dieser Veranstaltung in der Kapelle gekommen. Ralf Hörnschemeyer begrüßte die Zuhörer im Namen des Teams Thomaskapelle und schilderte vorab kurz die Entstehungsgeschichte des kleinen Gotteshauses. Es sei beantragt, so Hörnschemeyer, die Kapelle zum Unesco-Weltkulturerbe erklären zu lassen, ließ er das Publikum wissen. Die Antwort auf den Antrag steht aus. Als “erste Ikea-Kapelle Deutschlands, Modell Lappe”, bezeichnete unterdessen Kathrin Heinrichs das Gotteshaus, weil dessen Bretter bei der Einlagerung vor dem Wiederaufbau in Lappenstuhl nummeriert worden waren. 

„Kinder aus Franken werden nicht abgestillt, sondern angewurstet“, mit solch kernigen Sprüchen hatte Kathrin Heinrichs das Publikum anschließend sehr schnell auf ihrer Seite. Und: Der König geht tot. Im Schützen-Milieu angesiedelt war das erste Werk, aus dem die Krimiautorin danach vorlas.  

Kathrin Heinrichs selbst war als jüngstes Kind unter sechs älteren Geschwistern aufgewachsen, nahm sich – nach eigenen Aussagen – John-Boy von den Waltons zum schriftstellerischen Vorbild und als erste große Liebe, „noch vor Reinhard Mey“. Auch damit brachte die Autorin das Publikum zum Lachen.

Sie steht übrigens nicht nur für die Verwertung alltäglicher Ereignisse in ihren Werken, sondern auch für kurzweilige Vorträge.  "Aufgepeppt" durch leicht verdauliche, aber witzige Zweizeiler und gekonnt gemixt mit Selbstironie. Heinrichs Texte sind so unterhaltsam und reich an Bildern wie ihre freie Rede. Die Art der Lesung ließ die Zuhörerschaft gelegentlich mucksmäuschenstill lauschen und dann wieder unisono lachen.  

Die zweite Hälfte des Leseabends gehörte schließlich den Kurzwerken von Kathrin Heinrichs. Aber auch Alltagssatire ist in ihrem Repertoire zu finden. Drei Bände gibt es mittlerweile von dieser Art  Kurzgeschichten. Mit dem „Tagebuch einer Diät“ verabschiedete sich Heinrichs schließlich und ließ ein wahrlich kurzweilig unterhaltenes Publikum zurück.  


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