Sonderausstellung offiziell eröffnet Tausende Miniatur-Römer wollen in Kalkriese für Geschichte begeistern

Originalgetreu nachgebaut ist dieses römische Lager. Foto: Hermann PentermannOriginalgetreu nachgebaut ist dieses römische Lager. Foto: Hermann Pentermann

Kalkriese. Die diesjährige Sonderschau im Museum und Park Kalkriese, "Roms Legionen", ist nun auch offiziell durch Landrat Dr. Michael Lübbersmann eröffnet worden. Die Besucher der Ausstellung begeben sich auf die Spur römischer Legionäre und lernen deren Alltag kennen.


„Auf spielerische wie authentische Weise werden die verschiedenen Facetten des Lebens im römischen Heer dargestellt. Dazu gehörten repräsentative Reiterübungen, aber auch anstrengende kilometerlange Märsche und kämpferische Auseinandersetzungen. Die Besucher erwarten zahlreiche kleine Details, die es zu entdecken gibt“, so Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht GmbH in Kalkriese.

Diese Besucherinnen tauchten sofort interessiert in die Welt der ca. 10000 Zinnfiguren und der insgesamt 15 Modelllandschaften ein. Foto: Marcus Alwes


Die Ausstellung veranschaulicht bis zum 3. November in verschiedenen Themenbereichen (Legion, Training, Auxilia, Marsch, Marschlager, Versorgung, Belohnung u. Bestrafung, Bewaffnung und Distanzwaffen) die Struktur und die Organisation der römischen Armee. Erstmals schließt die Schau mit einem "Making-Of"-Film ab, in dem die Entstehung der Sammlung und das Thema Modellbau näher beleuchtet werden. Die Modelle werden von lebensgroßen Illustrationen des Briten Graham Sumner begleitet. Er hat die individuellen Legionäre nach realen Personen aus der Gegenwart gezeichnet. Sie zeigen eindrucksvoll die verschiedenen Funktionsträger der römischen Legion.

Sowohl die Modellfiguren, die lebensnahen Illustrationen römischer Legionäre als auch die Repliken römischer Ausrüstung beruhen auf historischen Quellen und archäologischen Funden. An verschiedenen Mitmachstationen können Besucher zudem selbst in die Rolle eines Legionärs schlüpfen und erleben, was es hieß 20 kg Marschgepäck zu schultern oder eine Tagesration Getreide zu mahlen.

Originalgetreue Repliken verdeutlichen das Leben als Soldat in der römischen Armee, die einst in der Antike als (nahezu) unbesiegbar galt.

Die Ausstellung ist inszeniert, um für Geschichte zu begeistern, ganz gleich ob Schüler der 1. Klasse, Abiturienten oder Wissenschaftler. Einerseits ist die Ausstellung sehr verspielt: Bunte Illustrationen von lebensgroßen Figuren, Dioramen mit tausenden von Figuren, und viele Interaktionen zum Ausprobieren", erklärt der Leihgeber der Ausstellung Thomas Kurtz (München). "Auf der anderen Seite erfüllt sie einen hohen wissenschaftlichen Anspruch. Die Figuren sind bunt, denn die Kleidung in der Antike war bunt. Die Massenszenen in den Dioramen sind aufwändig recherchiert. Und die Gegenstände zum Anfassen sind Repliken, die dem aktuellen Wissen der Forschung entsprechen“,  so Kurtz weiter. Vor Ort haben die Ausstellung Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks und die wissenschaftliche Volontärin Nathalie Boes kuratiert. Kurator der Ausstellung ist Dr. Christian Koepfer, der als Historiker an der Universität Augsburg lehrt.

Kleine und große Besucher können beim Rundgang durch die Ausstellung auch Römer-Kleidung – hier beispielsweise ein schweres Netzhemd – anziehen und ausprobieren. Foto: Marcus Alwes


„Seit 30 Jahren wird hier im Osnabrücker Land systematisch geforscht. Bei Ausgrabungen und Geländebegehungen wurden mittlerweile mehr als 7000 römische Funde geborgen. Jedes Jahr kommen neue Hinweise auf die Ereignisse zwischen Römern und Germanen hinzu", ergänzt Landrat Dr. Lübbersmann anlässlich der Ausstellungseröffnung. "Die Eroberungszüge der römischen Armee hinterließen ihre Spuren. Dort, wo dem römischen Heer einst eine verheerende Niederlage zugefügt wurde, erfahren Besucher nun, was ‚Roms Legionen‘ auf dem Höhepunkt ihrer Macht dennoch fast unbesiegbar machte“, so Lübbersmann.

Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks (l.) und Landrat Dr. Michael Lübbersmann beim Rundgang durch die Ausstellung. Foto: Marcus Alwes


Das Römische Reich erstreckte sich übrigens vor etwa 2000 Jahren vom Atlantik bis nach Kleinasien und von der afrikanischen Nordküste bis zur Nordsee. Innerhalb kürzester Zeit wurden riesige Gebiete erobert und kontrolliert, sodass ein beispielloses Herrschaftsgebiet entstand. Zu verdanken war diese erfolgreiche Expansionsgeschichte vor allem den kaiserlichen Legionen. Deren Organisationsstruktur, professionelle Ausrüstung und eiserne Disziplin sorgten dafür, dass die römische Armee auf ihren Eroberungszügen kaum aufzuhalten war.

Auch die Modellfiguren fußen auf fundierten historischen Quellen. Foto: Marcus Alwes



Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN