Vortrag von Bezirksförsterin Forstbesitzer in Engter wollen gegen Borkenkäferplage vorgehen

Von Holger Schulze

Borkenkäfer haben im vergangenen Jahr in vielen deutschen Wäldern enorme Schäden angerichtet. Foto: Matthias Hiekel/ZB/dpaBorkenkäfer haben im vergangenen Jahr in vielen deutschen Wäldern enorme Schäden angerichtet. Foto: Matthias Hiekel/ZB/dpa

Engter. Zu einem Informationsabend mit dem Titel „Borkenkäferkalamität 2019“ hatte die Forstbetriebsgemeinschaft Engter am Montagabend in die Gaststätte Bei der Becke eingeladen.

Das Orkantief Friederike und der trockene Sommer 2018 boten dem Borkenkäfer ideale Bedingungen für seine Vermehrung. Wie mit dieser Bedrohung für den Wald umzugehen ist, dazu gab Helga Scholz mit ihrem Fachwissen als Bezirksförsterin den eingeladenen Waldbesitzern wertvolle Tipps.  

Klein, aber oho sei der Borkenkäfer, beschrieb Scholz den Schädling. Für dessen Bekämpfung hat das Land Niedersachsen 1,5 Millionen Euro für Fangsysteme und Lockstoffe bereitgestellt. Auch der Landkreis Osnabrück stellt mindestens 50000 Euro für das Borkenkäfer-Monitoring mit dem Ziel zur Verfügung, den Befall frühzeitig zu erkennen. Wichtig sei die rechtzeitige Bekämpfung mit einem ersten „entscheidenden Schlag“. Auch eine App zur Erfassung der Waldschäden ist in Arbeit.

Mit detailreichen Steckbriefen erläuterte Scholz zunächst die Borkenkäferarten Buchdrucker, Kupferstecher und den Lärchenborkenkäfer. Allen gemein ist ihre unglaubliche Vermehrungspotenz und Zerstörungskraft. Die Schädlinge durchtrennen die Versorgungsleitungen des Baumes unter der Rinde. Befallen werden Bäume wenn sie geschwächt sind. Diese senden dann selbstständig Duftstoffe aus, die die Käfer anlocken, die anschließend wiederum mit weiteren Duftstoffen noch mehr Schädlingen signalisieren, wo die Vermehrungsbedingungen günstig sind. 

Christian Maßmann Galabauer der Forstbetriebsgemeinschaft Engter, Bezirksförsterin Helga Scholz, Reno Furmannek Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Engter und dessen Vorsitzender Heinrich Ballmann (von links) hatten die hiesigen Waldbesitzer zu einem Informationsabend über Borkenkäfer eingeladen. Foto: Holger Schulze


Große Bereiche betroffen

„Es betrifft große Bereiche unseres Bezirkes. Der über Generationen angelegte Wald kann nur geschützt werden, wenn wir jetzt alle gemeinsam uns um diesen Wald kümmern. Jeder muss aus seinem Wald jeden beschädigten Baum herausnehmen und entsprechend behandeln. Ein extrem hohes Befallrisiko besteht ab April“, machte Scholz den Waldwirten den Ernst der Lage mit Nachdruck deutlich. Keine bruttauglichen Baumreste, wie beispielsweise einzelne Windwurfbäume, dürfen im Wald zurückbleiben. Außerdem muss ein massenhaftes Abschöpfen der Schädling erfolgen. 

Die ersten befallenen Bäume können mit dem Fernglas ausgemacht werden. Spechteinschläge, Harztrichter und Bohrmehl weisen hier den Weg zu den angegriffenen Bäumen, die sofort gefällt und aus dem Wald gerückt werden müssen, sobald sich ein Käfer eingebohrt hat. Weitere Maßnahmen sind im Larvenstadium der Käferentwicklung das Schälen der Stämme und Liegenlassen der Rinde in der Sonne. Bei größeren Mengen und als absolut letztes Mittel ist der Einsatz von Insektiziden erforderlich.

Wichtige Mittel zur Käferbekämpfung sind ferner das rechtzeitige Aufstellen von Fangsystemen, vor allem Fangholzhaufen und Fangnetze, die sogenannten “Trienet P-Systeme”.

Diese mit Lock- und Vernichtungsmitteln präparierten Fallen funktionieren aber nur dort, wo keine bereits befallenen Bäume vorhanden sind, weil die natürlichen Lockstoffe die Käfer intensiver anlocken, als die in den Fangfallen verwendeten künstlichen Lockstoffe. Die bekannten schwarzen Schlitzfallen werden zum Monitoring der Käfer eingesetzt. 

Viel Arbeit kommt somit in den nächsten Wochen auf die Waldbesitzer zu. Denn „ein einzelner voll besiedelter Käferbaum, der nicht rechtzeitig entfernt wird, kann im Herbst für den Verlust von bis zu 400 Bäumen ursächlich sein“, verdeutlichte Helga Scholz nochmals das Risiko, dem die Bäume unmittelbar bevorstehend ausgesetzt sind.


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