Runder Tisch Natur Veranstalter Lichtverschmutzung Thema bei Vortrag in Bramsche

Von Judith Perez

Warum auch Menschen unter der zunehmenden Lichtverschmutzung leiden, erklärte Dr. Andreas Hänel bei einem Vortrag im Bramscher Rathaus. Eingeladen hatte der Runde Tisch Natur. Foto: Andreas HänelWarum auch Menschen unter der zunehmenden Lichtverschmutzung leiden, erklärte Dr. Andreas Hänel bei einem Vortrag im Bramscher Rathaus. Eingeladen hatte der Runde Tisch Natur. Foto: Andreas Hänel

Bramsche. Über das Thema „Lichtverschmutzung und die Konsequenzen für Mensch und Natur“ referierte Dr. Andreas Hänel im Bramscher Rathaus.

Gut schlafen möchte jeder, leider gelingt es nicht immer. Stress, spätes Essen, Alkohol oder einfach eine schlechte Matratze sind als Ursachen bekannt. Dass uns aber auch zu viel Licht in der eigentlich dunklen Nacht daran hindert, tief und fest zu schlummern, wissen nur die wenigsten. „Straßenlaternen, die viel helles Licht in die Gegend streuen, oder Scheinwerfer, die Gebäude anstrahlen, haben oft hohe Blau-Anteile, und das verhindert die Produktion unseres Schlafhormons Melatonin, wenn es durch unsere Fenster scheint“, erklärte Dr. Andreas Hänel bei seinem Fachvortrag zum Thema „Lichtverschmutzung“ im Bramscher Rathaus. Eingeladen dazu hatte der Runde Tisch Natur, ein Zusammenschluss verschiedener Naturschutzverbände in Bramsche. Die Gruppe veranstaltet regelmäßig Fachvorträge rund um das Thema Klimawandel und Biodiversität und möchte praktische Tipps zum Handeln vor Ort geben.  

Vögel kollidieren mit angestrahlten Gebäuden

Aber worum geht es genau? Durch immer effizientere Leuchtmittel erhellen Straßenlaternen und Strahler, die zum Beispiel den „Gockel auf dem Kirchturm“ anleuchten, immer mehr den öffentlichen Raum. Man spricht hier von Lichtverschmutzung. Hänel ist Mitbegründer der Initiative „Dark Sky“, die gegen diese Entwicklung kämpft. In Privatgärten gehören Solarleuchten, die tagsüber einen Akku aufladen und nachts hell strahlen, fast schon zum Inventar. Das aber stört Flora, Fauna und eben auch uns Menschen, wie der Physiker von der Uni Osnabrück erklärte. Viele Tiere brauchen einen Tag-Nacht Rhythmus, der durch die helle Beleuchtung gestört wird. Das beeinflusse dann negativ ihr Brutverhalten. Auch die Orientierung von Vögeln und Fledermäusen werde durch die zunehmende Lichtverschmutzung negativ beeinträchtigt. Vögel werden durch illuminierte Gebäude oder Werbelogos angezogen, kollidieren mit dem Gebäude und sterben, so Hänel, der auch einzelne Untersuchungen dazu zitierte. Pflanzen seien ebenfalls auf einen Hell-Dunkel-Rhythmus angewiesen, um Photosynthese zu betreiben. So komme es zu verfrühter Blüte und verfrühtem Wachstum. Hierdurch werde letztendlich die Biodiversität, also die Artenvielfalt, weiter gefährdet.

Dr. Andreas Hänel bei seinem Vortrag im Bramscher Rathaus. Foto: Judith Perez


Gesetz gegen Lichtverschmutzung in Frankreich

Deshalb appellierte Hänel, der Politik, Gemeinden und sogar Leuchtmittelhersteller berät, zu einem nachhaltigen Umgang mit künstlichem Licht. Zunächst solle man genau überlegen, wo Licht überhaupt nötig ist. Straßenlaternen sollten bestenfalls voll abgeschirmt nur nach unten leuchten und nicht zur Seite oder nach oben, wie es zum Beispiel bei Pilzleuchten immer noch der Fall sei, so der Astronom. Die Lichtstärke sollte 3000 Kelvin nicht übersteigen und gelb-rote Anteile sollen statt den blauen überwiegen. Strahler, die Kirchen oder andere Gebäude in Szene setzen sollen, sollten ganz vermieden werden. Außerdem könne überlegt werden, ob Beleuchtung von Straßen, Bürogebäuden oder Schaufenstern nachts nicht ganz ausgeschaltet werden könne. So gelte in Frankreich ab 2020 ein Gesetz, das Bürobeleuchtung eine Stunde, nachdem der letzte Mitarbeiter gegangen ist, und Schaufensterbeleuchtung zwischen ein und sieben Uhr nachts verbietet. Dadurch werde die Nacht wieder dunkler und Kommunen und Betriebe können richtig sparen bei den Energiekosten, konstatierte Hänel.

Der Physiker, der seit 1986 das Osnabrücker Planetarium leitet, empfahl außerdem Städten und Gemeinden, Leuchtmittel zunächst zu testen, bevor flächendeckend Straßenlaternen ausgetauscht würden. Und zwar solle dabei die Bevölkerung miteingebunden werden.

„Solarleuchten sind Sondermüll!“

Im privaten Bereich gab Hänel folgende Tipps: LED-Fluter sollten flach, also horizontal, montiert werden, damit sie nach unten strahlen und maximal 3000 Kelvin in warmweißer Lichtfarbe haben. „Solarleuchten sind mit ihren kurzlebigen Akkus Sondermüll – lassen Sie den Quatsch“, forderte Hänel. Um Hauseingänge oder Einfahrten zu erhellen empfahl er Bewegungsmelder so einzustellen, dass sie wirklich erst dann reagierten, wenn jemand das Gelände auch tatsächlich betritt und nicht bei jedem Flügelschlag.

Die nächste Veranstaltung des runden Tisches Natur ist am 13. März 2019. Dann heißt es „Heimliche Nachbarn: Fledermäuse“ mit dem Regionalbetreuer Fledermausschutz Gerhard Mäscher.


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