Erstes Kornmühlenkozert 2019 Glinka-Trio überzeugt das Publikum in Bramsche

Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Peter Amann, Seif El Din Sherif und Meriam Dercksen bedanken sich mit einer Zugabe beim Publikum. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannPeter Amann, Seif El Din Sherif und Meriam Dercksen bedanken sich mit einer Zugabe beim Publikum. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

Bramsche. Das Glinka-Trio hat in der Kornmühle des Tuchmacher-Museums Bramsche für einen überaus gelungenen Start in die neue Konzert-Saison gesorgt.

Ungewöhnlich und ungemein reizvoll begann die neue Saison der Kornmühlenkonzerte im Tuchmacher Museum. Klarinette, Fagott und Klavier, das ist eine unübliche Besetzung. Meriam Dercksen, Peter Amann und Seif El Din Sherif, das ist das Glinka-Trio, benannt nach dem russischen Komponisten Michail Glinka. Keine Frage, dass ein Trio des Namensgebers auf dem Programm stehen musste. Mit dem Trio Pathétique eröffnete das Ensemble den Abend. Ein sehr melodisches und klangvolles Werk mit Anklängen an italienische Oper war ausgewählt worden. Perlend und leicht gelang vor allem die Klavierstimme im Eröffnungssatz. Zu einer äußerst temperamentvollen Dramatik fand das Trio im Schlusssatz, dem Allegro con spirito, zusammen.

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Das „Kegelstatt“-Trio aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts erfreute die Zuhörer im ersten Satz mit einem herrlichen Duett zwischen Klavier und Klarinette. Seif El Din Sherif nutzte wenig Pedal, was den Klang einerseits durchsichtig, andererseits auch etwas trocken werden ließ. Im Finalsatz durfte jeder Instrumentalist sich über sein Solo freuen und entsprechend führen.

Viel Lebensfreude brachte das Ensemble in Ludwig van Beethovens „Gassenhauer“-Trio zum Ausdruck. Die Themen wanderten von einem Spieler zum anderen und es war, als würfen sie sich den Staffelstab zu, immer mit der Aufforderung: Du bist dran. Gib alles!

Der zarte und einfühlsame Beginn von Amann auf seinem Fagott im Adagio erinnerte spontan an die berühmte Arie „Una furtiva lagrima“ aus Gaetano Donizettis „Liebestrank“. Da die Oper erst fünf Jahre nach Beethovens Tod uraufgeführt wurde, besteht nicht die Gefahr eines Plagiats. Anders das Thema des letzten Satzes, das der Oper „Der Kosar aus Liebe“ entstammt und das Beethoven auf Wunsch des Klarinettisten, für den er das Trio komponierte, in einem Variationensatz verarbeitete.

Weder Mozart noch Beethoven hatten für ihre Trios eine Fagottstimme vorgesehen. Im Original spielen hier Celli bzw. Bratsche. Die Bearbeitungen schrieb das Glinka-Trio selbst.

Manche Kammermusikensembles haben bereits beim ersten gemeinsamen Ton Schwierigkeiten zusammenzufinden. Der „gemeinsame Geist“ scheint nicht vorhanden zu sein. Ganz anders beim Glinka-Trio. Vom ersten bis zum letzten Ton harmonierten die drei Musiker wunderbar zusammen. Man gibt sich Raum (musikalisch gesprochen), man unterstützt sich musikalisch, man konkurriert nicht, sondern agiert gemeinsam. Gelingt mal ein Ton nicht wie gewünscht, geht jeder mit Ruhe und souveräner Geste völlig unauffällig darüber hinweg.

Das ungewöhnlichste Stück und – je nach eigener Hörgewohnheit- das sprödeste hatte sich das Trio als Schlusspunkt aufgehoben. Der Schweizer Komponist des 20. Jahrhunderts, Daniel Schnyder, komponierte „Worlds Beyond“, eine Art Programmmusik. Man hörte eine Mischung aus Jazz, Tango, Pop und Klassik. Rechnete man bei „Blues for Schubert“ mit Schubertscher Sanglichkeit, wurde man enttäuscht. Dissonant und gar nicht kantabel war dieser gleichwohl hervorragend vorgetragene Satz. Überhaupt wiesen die Sätze große Gegensätze auf von temperamentvollem Fortissimo über klanglich difuse Melodien bis zum rhythmisch pointierten Schlusssatz. All das gelang dem Trio, das mit viel Spielspaß agierte, bestens.


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