Sexueller Missbrauch Katholische Kirche stellt Schutzkonzept in Bramsche vor

Präsentiert das Institutionelle Schutzkonzept (ISK) für das Bistum Osnabrück: Hermann Mecklenfeld.Präsentiert das Institutionelle Schutzkonzept (ISK) für das Bistum Osnabrück: Hermann Mecklenfeld.

Bramsche. Das Thema sexueller Missbrauch lässt die katholische Kirche nicht los. Nach etlichen Skandalen geht es jetzt um Prävention. Bei St. Martinus in Bramsche wurde nun ein Konzept vorgestellt.

Hermann Mecklenfeld ist Präventionsbeauftragter im Bistum Osnabrück und hat am Mittwochabend die St. Martinus besucht, um dort über das anstehende Instiutionelle Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch aufzuklären. Neben Pater Merlu, Pastoralrefernt Klaus-Heinrich Rahe und Kita Leiterin Marion Riehemann hatte sich gerade einmal eine Handvoll Interessenten im Pfarrzentrum eingefunden. Riehemann setzt sich schon länger mit dem Thema auseinander und begrüßt vor allem, dass dieses Konzept konkrete Handlungsanleitungen bietet.

Schutzkonzept

Doch bis es soweit ist, muss auch Mecklenfeld zugeben, kostet es einige Mühe: „Ja, es ist Arbeit, aber es ist Arbeit die Frucht bringt“, ermunterte er seine Zuhörer. Beispiele wie die Pfarrei Christus König in Osnabrück zeigten, dass rund drei Monate Zeit für das Erstellen eines solchen Konzepts zu veranschlagen sind. Zwar gebe es mittlerweile Vorlagen und Handlungsanleitungen, aber keine Blaupausen. Das Institutionelle Schutzkonzept basiert darauf, dass jede Institution wie eine Pfarrgemeinde, diesen Prozess von der Gefahrenanalyse bis hin zum Qualitätsmanagement eigenständig durchlaufen muss.

 Am Ende soll dann ein Konzept stehen, das „nicht für uns ist“, wie Mecklenfeld betont. Bei tiefer gehendem Interesse verweist Mecklenfeld immer wieder auf die Seite Bistum.net. Hier gebe es unter „Prävention“ eine Fülle von Informationen. Dort befindet sich auch eine Stellungnahme von Katharina Abeln, der Vorsitzenden des Katholikenrates. Die schreibt: „Kinder und Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte müssen sicher sein können, dass ihnen in kirchlichen Einrichtungen und Zusammenhängen kein Leid geschieht.“

Querschnittsthema

Laut Mecklenfeld stimmen Kriminalstatistik und Studien darin überein, dass sexueller Missbrauch ein gesellschaftliches Querschnittsthema darstellt. Unabhängig von den Skandalen in den eigenen Reihen könne sich die katholische Kirche dem Thema nicht verschließen und müsse offensiv damit umgehen. Wichtig sei es deshalb, haupt- wie ehrenamtliche Mitarbeiter auf ihre Eignung hin zu überprüfen und für das Thema zu sensibilisieren. Die Institutionen müssten im Notfall aber auch darauf vorbereitet sein, mit Verdachtsfällen umzugehen und dann wissen, welche Schritte im Einzelnen zu unternehmen sind.

Die katholischen Einrichtungen sind aufgerufen, solche Konzepte bis Ende des Jahres zu entwickeln. Damit ist es aber nicht getan, warnt Mecklenfeld, denn es bleibe ein kontinuierlicher Prozess, immer wieder zu überprüfen, ob das Konzept auch gelebt wird. Ziel sei es, dass die Kirche beim Thema sexueller Gewalt ebenso einen Schutzraum wie einen Kompetenzraum bietet, insbesondere weil viele Übergriffe im heimischen Bereich passierten.


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