Veranstaltung "Wirtschaft 4.0" Autonomes Fahren bei Vortrag in Bramsche kritisch betrachtet

Noch steckt Autonomes Fahren im Versuchsstadium: Unser Foto zeigt ein Testfahrzeug im Südwesten Deutschlands.  Foto: Sebastian Gollnow/dpaNoch steckt Autonomes Fahren im Versuchsstadium: Unser Foto zeigt ein Testfahrzeug im Südwesten Deutschlands. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Bramsche. So schnell wird es noch nichts mit dem fahrerlosen Auto: Bei einem Vortrag in Bramsche meinte Professor Andreas Lübke von der Hochschule Osnabrück, bedarf es noch rund 30 Jahre Forschung und Entwicklung.

Lübkes Vortrag war Teil einer Veranstaltungsreihe „Wirtschaft 4.0“ der Wirtschaftsförderer im nördlichen Landkreis. Mit seinem detailreichen Vortrag „Autonomes Fahren und wie die Kommunikation dabei helfen kann“ goss Lübke im Bramscher Rathaus etwas Essig in die Träume mancher Utopisten. Das Thema ist offenbar alles andere als ein Selbstläufer. Trotz aller Fortschritte bei Sensoren und Computerberechnungen betrage die Fehlerquote bislang noch zehn Prozent. Wenn es darum geht, Hindernisse zu erkennen und darauf entsprechend zu regieren, stelle die Schwelle von 90 Prozent zutreffender Ergebnisse eine immer wieder kaum zu durchbrechende Schallmauer da. Am ehesten sieht Lübke eine Lösung im Überlandverkehr mit Lkw in Sicht, nicht zuletzt, weil die aufwendige Technik in diesem Bereich besonders lukrativ sei. Durch das Koppeln von im Konvoi fahrenden Lastzügen sei mit einer Diesel-Ersparnis pro Jahr und Fahrzeug von 4.000 Litern zu rechnen.

Probleme sieht Lübke nicht zuletzt in der Marktdurchdringung. Bis die nach der Zulassung und Einführung erreicht sei, gehen Lübkes Einschätzung zufolge zehn Jahre ins Land. Erst dann stelle sich ein spürbarer Vorteil der vernetzten Computertechnik ein. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Zumindest VW habe inzwischen für 2019 angekündigt, eine erste Modellreihe mit der für die Kommunikation zwischen Pkw, anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur notwendigen Kommunikationsbasis auf pWlan-Standard „IEEE 802.11p“ auszustatten.


„Autonomes Fahren“ ist für Prof. Dr. Andreas Lübke kein Selbstläufer. Weder LKW noch PKW werden in naher Zukunft ohne Fahrer auskommen. Der Teufel liegt nach Lübkes Einschätzung im Detail. Foto: Andreas Wenk


Um die Schwächen einzelner Sensorentypen zu kompensieren, müssten etwa radarbasierte Systeme mit Lasertechnik kombiniert oder dadurch ersetzt werden. Zudem gilt laut Lübke die Überschrift der Computerzeitschrift „ct“ in Bezug auf Künstliche Intelligenz. Die lautete „KI: Dümmer als man denkt.“ Auch wenn sich die Trefferquote maßgeblich steigern lasse, blieben im Extremfall die Fragen nach dem Umgang mit Dilemma-Situationen offen. Für einen Überblick über die Komplexität solcher Themen verwies Lübke auf einen Bericht der Ethik-Kommission aus 2017. Für den Fall, dass ein Unfall nicht mehr zu vermeiden sei, dürfe das System nicht nach persönlichen Merkmalen wie Alter und Geschlecht unterscheiden, heißt es dort. Schließlich bleibe aber auch die Frage, ob das Leben der Fahrzeuginsassen oder anderer Verkehrsteilnehmern Priorität genießen soll. Solche Entscheidungen müssten in die Systeme einfließen. Programmieren ließe sich das alles, sagt Lübke. „Die Frage ist, was soll der Programmierer programmieren?“

Bürgermeister Heiner Pahlmann hatte in seiner Begrüßung kritisch hinterfragt, ob das Telekommunikationsgesetz die Hoffnungen darauf, dass der Markt auch Probleme der Infrastruktur etwa beim Mobilfunk oder beim schnellen Internet, lösen werde. In der anschließenden Diskussion spielte das jedoch keine Rolle. Im Mittelpunkt standen vielmehr Fragen nach dem aktuellen Stand der Technik und der Position deutscher Hersteller beim Thema Autonomes Fahren im internationalen Vergleich. Obwohl Tesla in diesem Bereich immer wieder für Schlagzeilen sorgt, zeigte ein Überblick, dass Daimler, BMW und Volkswagen durchaus im Bereich der Spitzengruppe anzusiedeln sind. 

 Die Veranstaltungsreihe "Wirtschaft 4.0" wird am 14. Februar 2019 im Rathaus Wallenhorst mit einem Vortrag über „Neue Vertriebswege im Internet“ fortgeführt. Weitere Infos auf www.wirtschaft-nol.de.


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