Erste Führung nach neuem Konzept Auf Zeitreise mit der Römerin „Laetitia“ in Kalkriese

Von Bettina Mundt

Museumspädagogin Andrea Lachermund-Lahmann als Laetitia ließ einen Besucher in die Nachbildung eines römischen Schienenpanzers schlüpfen. Foto: Bettina MundtMuseumspädagogin Andrea Lachermund-Lahmann als Laetitia ließ einen Besucher in die Nachbildung eines römischen Schienenpanzers schlüpfen. Foto: Bettina Mundt

Kalkriese. In der neuen Rollenführung „Unterwegs mit der Römerin Laetitia“ nimmt der Geist einer Zeitzeugin Besucher mit auf eine ebenso kurzweilige wie lehrreiche Reise zurück in die Zeit der Varusschlacht. Unsere Redaktion hat die Premieren-Führung besucht – und berichtet.

Ihr Geist findet einfach keine Ruhe: Weil die römische Händlerin Laetitia keine Münze für den Fährmann hatte, geistert sie seit über 2000 Jahren am Ort ihres Dahinscheidens umher. Laetitia gehörte zum Tross des Feldherrn Varus, dessen Legionen im Jahr 9 nach Christus in der Varusschlacht eine vernichtende Niederlage gegen die Germanen erlitten. Ihr Schicksal nimmt Laetitia gemäß ihres Namens, der „die Fröhliche“ bedeutet, recht gelassen hin. Nachdem ihr Geist schon so lange auf Erden wandelt, freut sie sich über die Abwechslung, die sich ihr seit der Entdeckung des antiken Schlachtfeldes bietet. Sie beobachtet die Archäologen bei ihren Ausgrabungen und berichtet nun Besuchern anhand von Ausstellungsstücken von ihren damaligen Erlebnissen.

„Wir wollten mal etwas Neues anbieten, was nicht dieses klassische Führungsformat hat, sondern etwas, das Spaß macht und auf unterhaltsame Weise Wissen vermittelt“, erläutert Museumspädagoge Ingo Petri das Konzept. Ihm selbst habe es großen Spaß gemacht, das Skript zu verfassen. „Ich musste dann natürlich intensiv recherchieren zum Leben einer römischen Händlerin, zum Leben in einem römischen Tross, um kleine Details einbauen zu können, die normalerweise überhaupt nicht interessieren, wenn man über die Varusschlacht redet.“

Damals in Germanien

Laetitia schlägt in ihren Schilderungen einen weiten Bogen von den Geschehnissen auf dem Schlachtfeld, vom Kriegsgeheul „zotteliger, langhaariger Germanen“, die „mit wutverzerrtem Gesicht“ auf sie zukamen, hin zu konkreten und persönlichen Details. Als Schmied reparierte ihr Mann Teile der Ausstattung der Legionäre, er stellte Handwerksgeräte her und sogar Schmuck. In einer Vitrine entdeckt sie eine Haarnadel, die einst ihr Mann für sie anfertigte: „Und das hier, das war mal meine! Eine Haarnadel. Gucken Sie mal, wie schön die gearbeitet ist.“

Beim Anblick eines Hausmodells schweifen ihre Gedanken zurück an die Zeit in der Heimat: „In so einem ähnlichen Haus haben mein Mann und ich auch gewohnt.“ Die Werkstatt hätten sie direkt im Haus gehabt, im Eingangsbereich einen Altar für die Hausgeister. Sie vermisst die entspannten Nachmittage in der Therme und lässt sich bei dieser Gelegenheit über die Waschgewohnheiten der Germanen aus – oder eher über deren Mangel. „Manchmal habe ich mich sogar gefragt, ob die überhaupt baden!“ Im Handel mit den Germanen konnte sie nur Naturprodukte erwerben, etwas anderes hatten die Germanen nicht zu bieten. Ihre wertvollsten Güter tauschte sie gegen blondes Haar, das sie nach Rom weiterverkaufte, wo sich reiche Römerinnen Perücken daraus machen ließen.

Bravouröse Vorstellung

So entführt Laetitia, dargestellt von der Museumspädagogin Andrea Lachermund-Lahmann, die Besucher über 90 Minuten in ihre Welt – anschaulich, eindrücklich und sehr lebendig. Da sie den Gästeführerinnen gut zugehört hat, kennt Laetitia auch den aktuellen Stand der Forschung und zeigt sich beeindruckt, was die Wissenschaftler in ausdauernder, sorgfältiger Arbeit zusammentragen und rekonstruieren konnten. „Vieles scheint denen aber auch noch rätselhaft zu sein“, bemerkt sie amüsiert. Lachermund-Lahmann bietet eine bravouröse Vorstellung als Laetitia und wirkt derart überzeugend, dass eine Besucherin sie anschließend fragte, ob sie vom Theater komme. Nicht nur Geschichte, auch Wissenschaft als Prozess, wird so lebendig.

Weitere öffentliche Führungen von „Unterwegs mit der Römerin Laetitia“ finden am 9. Februar und am 9. März statt, jeweils um 16.30 Uhr. Zusätzlich können einzelne Gruppenführungen gebucht werden.


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