In St. Martin Bramsche Bramscher Küster Johannes Wasmuth "der Mann für alle Fälle"

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Küster Johannes Wasmuth trägt den großen Weihnachtsbaum von St. Martin aus der Kirche. Foto: Matthias BenzKüster Johannes Wasmuth trägt den großen Weihnachtsbaum von St. Martin aus der Kirche. Foto: Matthias Benz

Bramsche. Die zentrale Aufgabe im Beruf des Küsters ist es, den Gottesdienst vorzubereiten. In der evangelischen Gemeinde von St. Martin in Bramsche zeigt Johannes Wasmuth aber, dass er noch für etliche weitere Tätigkeiten zuständig ist. Wir haben ihn bei seiner Arbeit begleitet.

 Im Zweifel wird in St. Martin nämlich erst einmal „Hannes“ gerufen, wenn es irgendwo brennt. „Er ist der Mann für alle Fälle“, bringt es Renate Menkhaus auf den Punkt. Die Pfarrsekretärin arbeitet eng mit dem Küster zusammen, schließlich sorgen beide im Hintergrund für die vielen kleinen Dinge, die die Gemeinde am Laufen halten. 

Johannes Wasmuths Arbeitstag beginnt in der Regel um 8 Uhr. Heute repariert er das Varus-Friedenszeichen vor der Superintendentur an der Kirchhofstraße: Mit ein paar Schrauben hat Wasmuth das Holzschild im Handumdrehen wieder angebaut. „Irgendwas ist immer kaputt“, schmunzelt der 50-jährige. Diese kleinen Reparaturaufgaben sind regelmäßiger Bestandteil seines Jobs als Küster und Hausmeister von St. Martin. Für den gelernten Tischler und Orgelbauer keine große Herausforderung.


Als Orgelbauer hat Johannes Wasmuth die Janke-Orgel in St. Martin mitgebaut. Er kennt jedes Einzelteil. Foto: Matthias Benz


Küster ist kein Ausbildungsberuf, doch handwerkliche Fähigkeiten sind wünschenswert. Johannes Wasmuth hat somit den richtigen beruflichen Hintergrund. Allerdings gibt es für ihn in St. Martin mit Kirche, Gemeindehaus, Kita, Suptur und Haus der Kirche auch deutlich mehr zu tun als für seine Kolleginnen in anderen Gemeinden. Im gesamten Kirchenkreis Bramsche ist er mittlerweile der einzige männliche Küster.

Vor neun Jahren trat Wasmuth diese Stelle an. Verantwortlichkeiten und Stundenzuteilung haben sich in dieser Zeit immer mal wieder geändert. Derzeit leistet er 28 Wochenstunden für Gemeinde und Kirchenkreis am Standort in der Bramscher Innenstadt. Bewusst wechselte er damals von einem kleinen Tischlereibetrieb zum Teilzeitjob in St. Martin: So konnte er sich um die Kinder kümmern, während seine Frau in Vollzeit bei einer Bank arbeitet.


Dieses Kreuz im Altarraum von St. Martin wurde von Johannes Wasmuth hergestellt; die drei Kerzen darauf werden zu Beginn der Gottesdienste angezündet. Foto: Matthias Benz


Trotzdem gibt es kaum einen Tag, an dem der Küster nicht im Einsatz ist. An Sonntagen schließt er die Kirche zum Gottesdienst auf, bereitet den Innenraum vor und sorgt für ein insgesamt gutes Erscheinungsbild. „Ich sehe mich zwar nicht so sehr als Dienstleister, aber es ist mir wichtig, dass die Leute beim Gottesdienst nicht denken, dass die Kirche vergammelt“, sagt Wasmuth. Auf seiner Küsterbank in der hintersten Sitzreihe reguliert er während des Gottesdienstes die Mikrofone, sodass auch schüchtern flüsternde Redner für alle gut zu hören sind.

Lieber im Hintergrund

Anders als Pastoren oder Kirchenvorsteher, die qua Amt die Gemeinde öffentlich repräsentieren, bleibt Johannes Wasmuth eigentlich lieber im Hintergrund. Dennoch gehört er wohl zu den bekanntesten Gesichtern von St. Martin. Schon als Kind war er hier ständig präsent, als sein Vater als Kantor arbeitete. Seit 46 Jahren singt er im Chor. Dass es ihn auch beruflich zur Kirche ziehen würde, scheint mit einem Blick auf seinen Stammbaum wenig überraschend: Auch seine Mutter und seine Tante arbeiteten als Kantorinnen, sein Opa war langjähriger Pastor in Engter und auch sonst finden sich einige Pastoren oder Diakone in der Verwandtschaft. „Das zieht sich komplett durch die Familie“, lacht der Küster.

Schon im Alter von 13 Jahren übernahm er für einige Jahre Aufgaben des Küsterdienstes, als diese Stelle Anfang der 80er vakant war. Viele Jahre später wurde er dann als frischgebackener Familienvater und immer noch aktives Gemeindemitglied gefragt, ob er den Job übernehmen wolle. Johannes Wasmuth und St. Martin: das scheint perfekt zu passen. „Ich bin hier in der Kirche groß geworden, da hat man dann eine ganz andere Beziehung zu dem Job.“ Keiner kennt wohl die Kirche und das Gemeindehaus so gut wie er. Beim Rundgang nennt er in jedem Raum und jeder Ecke, wie sich was verändert hat, wo er Dinge repariert und erneuert hat.

Auch bei größeren Baumaßnahmen ist er zuständig. Die Koordinierung mit Handwerkern, Absprachen mit dem Amt für Bau- und Kunstpflege sowie die Beratung des Kirchenvorstands liegen in seinen Händen. Wasmuth pflegt die Kontakte und ist gut vernetzt. Derzeit werden im Dachstuhl der Kirche marode Holzteile ausgetauscht, als nächste größere Maßnahme wird der Fußboden im Seitenschiff erneuert. Die Baustellen zu organisieren gehöre zu seinen Lieblingsaufgaben.


„Es ist mein Job, Dinge zu sehen, die angegangen werden müssen.“Küster Johannes Wasmuth


„Es ist mein Job, Dinge zu sehen, die angegangen werden müssen“, erklärt er. Er erinnert sich an ein Erlebnis im Kammerchor. Eine Sängerin fiel plötzlich rücklings vom Podest auf den Altar. Glücklicherweise ging der Unfall glimpflich aus. Wasmuth baute kurzerhand ein Geländer, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Als gelernter Handwerker geht er die Probleme pragmatisch an. Beim Abbau des großen Weihnachtsbaums hat er im Altarraum keine Hemmungen auch die Kettensäge anzuwerfen. Dass er aber keineswegs nur rustikal zu Werke geht, bezeugt auf der anderen Seite des Kirchenschiffs die Janke-Orgel. Vor knapp 30 Jahren arbeitete Wasmuth als Orgelbauer für die Göttinger Firma und half beim Aufbau des gewaltigen Instruments mit. „Da habe ich jedes Einzelteil in der Hand gehabt“, sagt Wasmuth nicht ohne Stolz. Kleine Reparaturen oder das Stimmen der Zungen übernimmt er auch heute noch.

Dass er sich seine Zeit selbst einteilen kann, davon profitiert auch seine Familie. „Wenn die Kinder krank zu Hause sind, wird der Rasen halt einen Tag später gemäht“, verdeutlicht er. An die Termine und Veranstaltungen des Kirchenkalenders ist aber auch er gebunden. In der Adventszeit gibt es viel zu tun, 50 Überstunden hat er so ins neue Jahr mitgenommen. Nun wird es aber wieder ruhiger. Auch der milde Winter hat ihm bisher einiges an Arbeit erspart. Doch sobald es schneit, muss er zur Stelle sein: „Wenn ich den Schnee nicht wegfege, macht es keiner“, weiß er.


Typische Arbeit: Im Kindergarten ist eine Sitzbank kaputt gegangen. Wasmuth muss diese nun reparieren. Foto: Matthias Benz


Vom Heckeschneiden über Software-Updates bis zum Wechseln der Glühbirnen, ob Unkraut jäten, Bilder aufhängen oder Internetseiten programmieren: Johannes Wasmuth ist irgendwie überall zuständig. Schnell schaut er noch nebenan im Kindergarten vorbei. Ein Scharnier an einer Sitzbank ist abgerissen und der Küster und Hausmeister holt sie zur Reparatur ab. Da steckt ihm ein Mitarbeiter schon einen Zettel mit dem nächsten Auftrag zu: Die Weide im hinteren Teil des Gartens muss gestutzt werden. „Wir freuen uns immer, wenn Hannes da ist“, betont Kita-Mitarbeiterin Irmtraud Marks. „Hallo, Herr Wasmuth!“, rufen die Kinder auf dem Rückweg in die Kirche zu.

Dort ist der schon reichlich gestutzte Weihnachtsbaum mittlerweile von drei Frauen des Seniorenkreises vollständig von Strohsternen und Lichterketten befreit worden. Der Küster schnappt sich die Tanne und bringt sie vor die Tür. „Hallo, Herr Wasmuth!“, schallt es ihm auch hier entgegen. Ein Ehepaar kommt heran: Schade, dass der Baum nun weg sei. Ob der Stern denn noch hängt? „Der bleibt bis zum letzten Sonntag nach Epiphanias“, versichert Wasmuth. Egal worum es geht, in St. Martin ist der Küster immer ein guter Ansprechpartner.


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