E-Mail aus Namibia Bramscherin passt sich an die Sicherheitslage an

Von Franziska Rulhof

In den Townships, hier ein Archivfoto aus Südafrika, ist auch in Namibia die Armut groß. In der Folge kommt es häufig zu Diebstählen. Archivfoto: Andrea Lindner/dpaIn den Townships, hier ein Archivfoto aus Südafrika, ist auch in Namibia die Armut groß. In der Folge kommt es häufig zu Diebstählen. Archivfoto: Andrea Lindner/dpa

Bramsche. Junge Bramscherinnen und Bramscher sind in aller Welt als Freiwilligendienstleistende unterwegs. Bei aller Verschiedenheit der Träger und der jeweiligen Anforderungen: Sie alle reizt es, neue Welten kennenzulernen. In unserer Reihe „E-Mail aus....“ berichten sie über ihre Erfahrungen. Heute schreibt Franziska Rulhof aus Namibia.

Wer sich in ein „Dritte-Welt-Land“ – oder überhaupt irgendeine fremde Gegend - wagt, bekommt diese Frage häufig zu hören: „Ist es da nicht total gefährlich?“ Bevor ich nach Namibia gegangen bin, habe ich nicht besonders viel über die Sicherheitslage in dem Land nachgedacht, jetzt wo ich hier bin, muss ich mich zwangsweise damit auseinandersetzen.

Ein sehr armes Land

Natürlich ist Namibia, im Vergleich zu Deutschland, ein sehr armes Land mit einer überwiegend sehr armen Bevölkerung und Kriminalität ist allgegenwärtig. Trotzdem fühle ich mich 95 Prozent der Zeit hier absolut sicher. Und das nicht nur wegen des bewaffneten Wachmanns, der 24 Stunden, jeden Tag in der Woche, über das Schulgelände patrouilliert. Sondern auch ganz einfach, weil ich bestimmte Vorsichtsmaßnahmen treffe. Nachts zum Beispiel bin ich nie alleine oder zu Fuß unterwegs. Ich winke nicht einfach so ein Taxi von der Straße heran, sondern rufe Nummern von verlässlichen Taxifahrern oder -Unternehmen an. Ich trage nicht viel Bargeld mit mir herum. Wenn ich in der Stadt bin, achte ich darauf, dass meine Wertsachen nicht sichtbar sind. Oder ich lasse sie gleich zuhause. Im Auto verriegele ich die Türen von innen und stelle sicher, dass meine Taschen außer Reichweite für durchs Fenster greifende Hände sind. Trinkgeld für Parkwächter krame ich nicht erst aus dem Portemonnaie, wenn sie schon neben mir stehen, sondern ich hole es rechtzeitig vorher heraus. All diese kleinen Sicherheitsvorkehrungen haben mich in den ersten drei Monaten hier vor Diebstahl bewahrt.

Vor allem in den Townships

Trotzdem gab es auch schon die eine oder andere Situation, in der ich etwas Herzklopfen bekam. So wie vor einigen Tagen, als ich mit einer Freundin abends vom Kino nach Hause gefahren bin und wir kurz vor der Schule von einem Auto überholt wurden, dass 100 Meter weiter plötzlich quer auf der Straße stand und uns den Weg versperrte. Zum Glück konnten wir rechts in eine Wohnsiedlung abbiegen – keine Ahnung, was sonst passiert wäre. Ich bin mir bewusst, dass ich als Weiße ein potenzielles Ziel für all jene bin, die auf der Suche nach Geld und anderen teuren Gegenständen sind. Trotzdem ist es in den Gegenden der Stadt, in denen ich mich die meiste Zeit aufhalte, vergleichsweise sicher. Denn, wie uns ein netter Taxifahrer vor kurzem erklärt hat: meistens beklauen sich die Ärmsten der namibischen Gesellschaft gegenseitig. Und die halten sich vor allem in den Townships am Stadtrand auf, in die wir nur selten kommen.

Diebstähle unter Schülern

Deshalb bedrückt und beschäftigt mich eigentlich viel mehr, dass selbst unter den Schülern so viel geklaut wird. Ein Kind aus der zweiten Klasse war vorige Woche für ein paar Tage suspendiert, weil es einem anderen Mädchen Geld gestohlen hatte. Immer wieder verschwinden hier Dinge von den Schülern und tauchen einfach nicht mehr auf. Stifte, Kleber, Schuhe – das sind nur die kleineren Sachen, die aus Neid oder vielleicht auch echtem Bedarf eben mal so eingesteckt werden. So etwas zu beurteilen ist meist gar nicht leicht und erinnert mich trotz allem immer wieder daran, dass ich an einer Schule arbeite, in der Kinder lernen, deren Familien unter der Armutsgrenze leben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN