Interview mit Heiner Pahlmann Bramsches Bürgermeister über die Themen 2018 und einen Wunsch für 2019

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Im Interview mit unserer Redaktion nimmt Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann Stellung zu den Themen des Jahres 2018. Und er äußert einen Wunsch für das kommende Jahr. Foto: Björn DieckmannIm Interview mit unserer Redaktion nimmt Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann Stellung zu den Themen des Jahres 2018. Und er äußert einen Wunsch für das kommende Jahr. Foto: Björn Dieckmann

Bramsche. Bramsches Bürgermeister Heiner Pahlmann geht es nicht anders als den meisten Bramschern: Er ist froh, dass das Ueffelner Freibad erhalten bleibt, betont Pahlmann im Interview.

Neben dem "Thema des Jahres" – der Zukunft des Freibads Ueffeln – nimmt Pahlmann auch zu den Plänen der Stadt Bramsche im Bereich Gewerbeflächen und Wohnraumbedarf Stellung sowie zur Entwicklung des Einzelhandels. Und er äußert einen Wunsch für das kommende Jahr 2019.

Wie genau das Freibad in Ueffeln saniert werden soll, entscheidet der Bramscher Stadtrat in seiner Sitzung am 6. Dezember. Die Auflage der Stadt, einen Förderverein zu gründen, hat der Freundeskreis Freibad nun erfüllt. Foto: Eva Voß/Archiv


Herr Pahlmann, die Diskussion über die Zukunft des Freibads Ueffeln hat dieses Jahr in Bramsche geprägt. Mal Hand auf's Herz: Wenn dieser Sommer verregnet gewesen wäre und es keinen Besucherrekord in Ueffeln gegeben hätte, müssten wir uns heute dann doch über eine Schließung des Freibads unterhalten?

Das ist zum Glück eine theoretische Frage. Es ist aber sicherlich richtig, dass der große Zuspruch für das Freibad die Entscheidung leichter gemacht hat, es weiter zu betreiben und die Sanierung in Angriff zu nehmen. Die Ueffelner, das ganze Kirchdorf, aber auch viele Bramscher haben sich bewusst gemacht, was sie an dem Freibad haben und was es ihnen bedeutet. Dieser Einsatz, dieses Eintreten für das Freibad, das ja letztlich auch in die Gründung des Fördervereins mündete, war auf jeden Fall sehr wichtig. Und manch einer hat manch einer hat in diesem Jahr dank des guten Sommers vielleicht auch das Freibad Ueffeln ganz neu für sich entdeckt. Das wäre dann ein positiver Effekt, der in die Zukunft wirkt.

In der Rückschau kann man den Eindruck haben, das Freibad habe nie wirklich auf der Kippe gestanden.

Das kann man so nicht sagen. Der Wille, das Freibad zu erhalten, war sicherlich von Beginn an vorhanden. Als aber die Stadtwerke auf uns zugekommen sind und die ersten Schätzungen über die Sanierungskosten bekannt waren, da war schon klar, dass wir es abwägen und diskutieren müssen. Dass es also einer Grundsatzentscheidung bedarf. Dafür haben wir dann einen Fahrplan aufgestellt und, wie ich finde, sehr offen diskutiert und gut umgesetzt – mit den Stadtwerken, der Verwaltung, der Politik und auch den Bürgern. Dass es dann so eine große Mehrheit für den Erhalt und die dringend notwendige Sanierung des Freibads gegeben hat, freut natürlich auch mich. Denn im Sinne eines nachhaltigen Handelns, für das ich als Bürgermeister auch stehen möchte, ist der Blick allein auf die Finanzen zu kurz gegriffen.


Die Firmen Amazone und Elos haben 2018 ihre Betriebe im Industrie- und Gewerbegebiet Schleptrup eröffnet. Foto: Marcus Alwes


In Schleptrup haben Amazone und Elos in diesem Jahr den Betrieb aufgenommen. Wie geht es weiter bei der Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen?

Mit Amazone und Elos haben wir Arbeitsplätze nach Bramsche geholt und neue geschaffen, das ist wirklich sehr erfreulich. Eine weitere, kleinere Fläche dort haben wir verkauft. Da wird also auch relativ bald etwas sichtbar werden. Im benachbarten neuen Gewerbe- und Industriegebiet „Eiker Esch“ sollen im Frühjahr die Erschließungsarbeiten beginnen und wir gehen dann in Person unseres Wirtschaftsförderers Klaus Sandhaus daran, die Flächen zu vermarkten.

Gibt es denn schon konkrete Interessenten?

Nein, noch nicht. Einige lose Anfragen gab es bereits. Konkreter wird es aber üblicherweise immer erst, wenn alle Rahmenbedingungen feststehen, darunter auch die Flächenpreise. So weit sind wir jetzt bald, und deshalb werden die künftigen Gespräche mit Interessenten dann sicherlich konkreter werden.

Das Eiker Esch ist aktuell das letzte schon geplante Gewerbe- und Industriegebiet. Oder gibt es bereits weitere Vorhaben, die bald in den politischen Gremien beraten werden?

Soweit ist es noch nicht. Bekannt ist, dass wir Interesse haben an Flächen entlang der Osnabrücker Straße und uns auch einen neuen Anlauf für ein Interkommunales Gewerbegebiet mit Wallenhorst vorstellen können. Das sind aber beides Projekte, die mittel- bis langfristig angegangen werden. Wenn überhaupt, denn Stand heute kann man nur sagen, dass wir es uns grundsätzlich vorstellen können, da etwas zu entwickeln. Mehr aber noch nicht. Wir sprechen da schließlich auch über Flächen, die uns gar nicht gehören. Da gilt es behutsam mit umzugehen, um die Eigentümer nicht vor den Kopf zu stoßen.

Immer breiteren Raum hat in diesem Jahr die Diskussion um den Wohnungsbau eingenommen – Stichwort bezahlbarer Wohnraum. Wie will die Stadt hier weiter vorgehen?

Wir haben derzeit zwei Gebiete, in denen in größerem Umfang Wohnraum entstehen soll: Zu einen an der Breslauer Straße in der Gartenstadt. Dafür werden wir schon bald im neuen Jahr einen Wettbewerb ausloben, um dadurch Vorschläge für die künftige Bebauung zu bekommen und einen Investor zu finden. Der zweite Standort ist das Bahnhofsumfeld, wo wirklich in erheblichem Maß neue Wohnungen entstehen werden, wenn auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Da wurden in diesem Jahr die Ideen aus dem Architektenwettbewerb vorgestellt, wir befinden uns in Gesprächen mit den Flächeneigentümern. Das ist hauptsächlich die Deutsche Bahn. Ohne mich da schon festlegen zu können, würde ich mir wünschen, dass wir bis 2021 so weit kommen, dass dort zu bauen begonnen werden kann.


Weiterlesen: Bramsche braucht 1600 zusätzliche Wohnungen bis 2035

An der Breslauer Straße in der Bramscher Gartenstadt soll neuer Wohnraum geschaffen werden. Foto: Björn Dieckmann


Was kann die Stadt konkret dafür tun, dass der neu zu schaffende Wohnraum bezahlbar sein wird?

Die Stadt ist an der Breslauer Straße Eigentümer. Insofern können wir da über die Quadratmeterpreise Einfluss nehmen und auch über die Auslobungsbedingungen für den bereits angesprochenen Wettbewerb. Auch das Land Niedersachsen will Wohnungsbau fördern. Welchen Weg der Landkreis einschlägt, ist noch nicht ganz deutlich. Ich persönlich glaube nicht, dass wir auf kommunaler Ebene Wohnungsbaugesellschaften brauchen.

Der Bedarf an Wohnraum wird über das hinausgehen, was Breslauer Straße und Bahnhofsumfeld ermöglichen. Wie geht es dann also weiter?

Ganz neue Baugebiete über die Ortsteile verteilt halte ich nicht für sinnvoll, es wird weiterhin mehr um das Thema Nachverdichtung gehen. Für die Zukunft werden wir im Zuge der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans erarbeiten, wo wir weitere Wohnbau-, aber auch Gewerbeflächen vorsehen können. Mit den Vorbereitungen für den neuen Flächennutzungsplan haben wir in diesem Jahr verwaltungsintern begonnen, das Thema wird dann in den kommenden Jahren auch die politischen Gremien beschäftigen und natürlich wollen wir auch hier die Bürger mit einbeziehen.

Wie wichtig war es für Sie, dass in diesem Jahr der Leerstand im ehemaligen Telepoint-Gebäude beendet wurde und Euronics XXL und Action dort eröffnet haben?

Natürlich ist es gut, dass beide Firmen nach Bramsche gekommen sind. Denn sie haben ganz sicher Zugkraft für die Innenstadt. Und wie wichtig der Einzelhandel auch als Arbeitgeber für Bramsche ist, hat die IHK gerade erst in einer Studie dargestellt. Diese Analyse hat auch aufgezeigt, dass die Frequenz in der Innenstadt nachlässt, so wie es auch an anderen Standorten der Fall ist. Aber wir wirken dem mit der City-Offensive gut entgegen und haben übrigens auch sehr wenige Leerstände in der Fußgängerzone. Zudem soll das neue Beleuchtungskonzept ab dem kommenden Jahr durch die Stadtwerke umgesetzt werden. Es wird also einiges getan, um die Bramscher Innenstadt attraktiv zu halten, auch mit Veranstaltungen wie dem Sommerkulturprogramm, den verkaufsoffenen Sonntagen, Stadtfest und Kirmes – oder auch dem neuen „Eisvergnügen“, der Kunsteisbahn, wo sich die Einzelhändler auch sehr stark für engagiert haben.

Die Eisbahn ist nach Heiner Pahlmanns Meinung ein Beispiel dafür, dass es immer neue Ansätze gibt, die Bramscher Innenstadt attraktiver zu machen. Foto: Heiner Beinke


Wir haben zu Beginn dieses Gesprächs über das Thema des Jahres 2018 – Freibad Ueffeln – gesprochen. Was könnte Ihrer Meinung nach denn das beherrschende Thema im kommenden Jahr werden?

Oh, wenn ich das wüsste… (lacht). Es gibt immer eine ganze Reihe an Themen, die man vorhersehen kann oder bei denen man sich vornimmt, Diskussionen anzustoßen. Aber immer auch viele, die einfach von selbst aufkommen. Ich habe aber in diesem Jahr schon eine Entwicklung wahrgenommen, von der ich mir sehr wünschen würde, dass sie auch im neuen Jahr weiter anhält.

Was genau meinen Sie damit?

Nach meinem Eindruck wächst das bürgerschaftliche Engagement in Bramsche immer mehr. Kommen wir nochmal auf das Freibad zurück, wie sich da die Menschen für eingesetzt haben zum Beispiel. Rat und Tat und das Freiwilligen-Forum in Engter fallen mir ein: Die sind zwar schon länger aktiv, finden jetzt aber auch Nachahmer in anderen Ortsteilen, wo ähnliche Initiativen geplant sind. Auch auf Anregung von Ehrenamtlichen hat im Oktober der erste Senioren-Info-Tag stattgefunden. Oder nehmen Sie die Naturschutzgruppen wie „Vielfalt ist Mehrwert“ oder die Natur-AG Sögeln, die leisten richtig gute Arbeit, genauso der Amal-Verein und unsere tollen Kinderbürgermeister. Viele Aktionen gab und gibt es auch rund um die Fair Trade-Initiative. Ich kann da gar nicht alle nennen. Es ist richtig Bewegung in der Stadt, darüber freue ich mich sehr und es wäre schön, wenn das so anhält.

Erstmals hat in Bramsche im Oktober 2018 ein Senioren-Info-Tag im Rathaus stattgefunden. Die Veranstaltung entstand auf ehrenamtliche Initiative hin und war gut besucht. Foto: Holger Schulze



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