Bramsche einst und jetzt Abriss an der Münsterstraße Bramsches größte Bausünde

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Abgerissen worden ist nach dem Krieg dieses Fachwerkensemble an der Münsterstraße. Foto: Alfred GottliebAbgerissen worden ist nach dem Krieg dieses Fachwerkensemble an der Münsterstraße. Foto: Alfred Gottlieb

Bramsche. In der Reihe Bramsche einst und jetzt beleuchten wir die bauliche Entwicklung im Stadtgebiet. An der Münsterstraße wird dabei Bramsches schlimmste Bausünde deutlich.

Münsterstraße

Die Münsterstraße heute.Foto: Heiner Beinke

Fotos aus der Nachkriegszeit zeigen eine wunderschöne Reihe alter Fachwerkhäuser, die komplett verschwunden ist. "Die Münsterstraße, ein wertvolles Ensemble von Fachwerkhäusern, die leider nach dem Krieg der Spitzhacke um Opfer fielen", heißt es dazu in Alfred Gottliebs Bildband "Bramsche zwischen Moderne und Vergangenheit" aus dem Jahr 2002. Heute präsentiert sich die Straße auch nach der Sanierung noch recht schmucklos.

Zeitzeuge Heinz Aulfes, der in den 30er Jahren in Bramsche aufgewachsen ist, kann sich an die Fachwerkhäuser noch gut erinnern. Er versteht auch die Beweggründe, die nach dem Krieg zum Abriss führten. "Das war damals einfach so, da waren sich eigentlich alle einig. Die Leute hatten andere Sorgen, als alte und baufällige Häuser zu erhalten." Dennoch: Ein Jammer ist es schon".

Münsterplatz

Abgerissen: Das Deutsche Haus am Münsterplatz, der damals noch am Platz hieß. Foto: Sammlung Gottlieb


Der Münsterplatz heute. Foto: Heiner Beinke

Eine Bausünde ist für Aulfes und viele andere auch der Abriss des Deutschen Hauses Am Platz, wie früher die Einmündung der Münsterstraße in die Große Straße hieß. Erst lange nach dem Abriss der alten Gastwirtschaft bürgerte sich der Name Münsterplatz für diesen Bereich ein. "Das Deutsche Haus war ein beliebter Gasthof. In seinem Saal fanden Jahrzehnte Versammlungen der Bramscher Vereine und Tanzschulen statt", schreibt Alfred Gottlieb. Sein heutiges Gesicht erhielt der Münsterplatz im Zuge der Stadtsanierung. Davor fristete er ein kümmerliches Dasein als Parkplatz zwischen zwei vielbefahrenen Straßen.

Marktplatz


Der Marktplatz 1930. Postkarte: Sammlung Gottlieb



Der Marktplatz heute. Foto: Heiner Beinke

Lebhafte Erinnerungen hat Heinz Aulfes an das alte Marktgelände in Bramsche. "Das war ein weiter, Platz mit großen und schönem Baumbestand", berichtet er. Hier bauten die Bauern aus der Gegend damals schon für den Wochenmarkt  ihre Verkaufsstände aus, hier fand 1930 die Kreistierschau statt. "Der ganze schöne Baumbestand fiel in den 70er Jahren", bedauert Aulfes. Durch die Bäume etwas verdeckt ist auf dem alten Foto das Spritzenhaus der Feuerwehr, das heute noch erhalten ist und die Wiedererkennung ermöglicht.

Das denkmalsgeschützte Gebäude diente in den 1930er Jahren tatsächlich als Feuerwehr-Gerätehaus und zeitweise auch als Gefängnis. Hier wurde in einer Arrestzelle der SA-Mann Peter Schmidt festgehalten, der den Sozialdemokraten Wilhelm Kropp erstochen hatte. Eine aufgebrachte Menschenmenge wollte den in einer Arrestzelle im ersten Stock des Feuerwehr-Spritzenhauses am Markt untergebrachten Schmidt lynchen. „Ich sehe ihn noch heute vor mir, wie er mit bleichem Gesicht dort oben am Fenster steht“, erzählt Aulfes.




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