BN-Serie Angekommen Für Tam Quebbemann spielt die Musik in Achmer

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Zur Entspannung spielt Tam Quebbemann gern Klavier. Foto: Heiner BeinkeZur Entspannung spielt Tam Quebbemann gern Klavier. Foto: Heiner Beinke

Achmer. Sie leben in Bramsche, Neuenkirchen-Vörden, Rieste. Manche seit Jahrzehnten, andere erst seit ein paar Monaten. In unserer Serie „Angekommen“ stellen wir Menschen vor, die in unserer Region ihre zweite Heimat gefunden haben. Heute: Tam Quebbemann aus Achmer.

An ihre alte Heimat Vietnam hat Tam Quebbemann keine Erinnerung. Die neue hat sie sich ebenso wenig bewusst ausgesucht wie ihre Geschwister, die 1977 aus Saigon flohen und Jahre später den Rest der Familie samt Nesthäkchen Tam im Wege der Familienzusammenführung nachholten. "Das Ziel war einfach raus aus Vietnam", weiß sie aus Gesprächen mit ihren sieben Geschwistern. Dass es Deutschland, und dort zunächst Georgsmarienhütte und dann Achmer wurde, war Zufall. Ändern möchte Tam Quebbemann daran gar nichts: "Wir fühlen uns total wohl hier".

Zu Hause in Achmer: Tam, Andreas und Aaron Quebbemann. Archivfoto: Hildegard Wekenborg-Placke


Wir, das sind sie, ihr Ehemann Andreas und Sohn Aaron. Hier, das ist der Fasanenweg in Achmer.Da gibt es eine WhatsApp-Gruppe der Nachbarschaft zum Austausch und zur Planung gemeinsamer Aktivitäten. "Wir machen sehr viel zusammen, da ist immer etwas los," freut sich Tam Quebbemann über die intakte Nachbarschaft. Und auch die Familie ist dabei: Eine ihrer Schwestern wohnt gleich nebenan, mit denen auch Aaron chinesisch redet. 

Abi in GMHütte

Für Tam Tran, Vietnamesin mit chinesischen Wurzeln, ist das eher Fremd- als Muttersprache, schließlich ist sie in Deutschland aufgewachsen. Ihr Abitur hat sie in Georgsmarienhütte gemacht. Danach hat sie Betriebswirtschaft in Osnabrück studiert. Die erste Station im Berufsleben führte sie nach Achmer, wo sie in der Finanzbuchhaltung der Duni arbeitete."Das ist eine richtige Gemeinschaft geworden, wo treffen uns noch immer regelmäßig zum Kaffeetrinken", schwärmt sie.

Maßarbeit

Heute betreut sie bei der Maßarbeit des Landkreises Osnabrück Jugendliche auf ihrem Weg in die Berufstätigkeit. "Das ist eine sehr dankbare Tätigkeit. Wir haben so viele Möglichkeiten zu helfen", sagt sie. Der Kontakt auch zu den Eltern, die Unterstützung und die Nachbetreuung sind Dinge, die ihr an ihrer Tätigkeit  besonders gefallen. Nach der Geburt ihres Sohnes arbeitet sie dort jetzt halbtags. Für ihr Hobby, das Klavierspielen, bleibt da eigentlich nur noch wenig Zeit, die ihr allerdings wichtig ist: "Wenn möglich spiele ich nach der Arbeit eine halbe Stunde, um runterzukommen." verrät sie.

Politik

Bei der Maßarbeit arbeitet arbeitet auch ihr Mann Andreas Quebbemann als Volljurist. Doch den Achmeraner hat sie nicht dort kennengelernt, sondern privat auf der Geburtstagsparty eines gemeinsamen Freundes in Georgsmarienhütte.Über ihn kam Tam Quebbemann auch in Kontakt zur Politik: Vor ein paar Jahren waren sie  bei einem Auftritt von Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Seitdem ist die junge Asiatin mit deutscher Staatsbürgerschaft auch politisch von der Union überzeugt.Das hilft im Privatleben, wenn der Ehemann engagierter Kommunalpolitiker ist. 

In Saigon gab es überall Kontrollen, sogar die Kinder wurden ausspioniert."Tam Quebbemann


Zu ihrer Familie hält Tam Quebbemann engen Kontakt, nicht nur zur Schwester nebenan. Die übrigen Geschwister leben verstreut in Deutschland, etwa in Georgsmarienhütte oder Hamburg. eine Schwester ist nach Kanada ausgewandert. Bei den Zusammenkünften spielt oft auch die alte Heimat eine Rolle, wo die Eltern in Saigon eine Kaffeerösterei hatten. "Aber da gab es überall Kontrollen, sogar die Kinder wurden ausspioniert", hat Tam Quebbemann erfahren. Sie kennt auch die Geschichten über die Flucht als Boat People, die an der malaisischen Küste zurückgewiesen wurden, bis sie schließlich nach einer Odyssee in Friedland in Deutschland landeten. Einem Land, von dem sie zu Hause nur wenig erfahren hatten und das doch nicht nur für Tam Tran zur Heimat geworden ist. 

Eine Rückkehr nach Vietnam kann Tam Quebbemann sich vorstellen. Aber nur als Touristin: "Wir reisen gerne und Vietnam ist ein schönes Land". Das kennen zu lernen würde sie durchaus reizen, aber nur wenn es danach zurück nach Hause geht, nach Achmer.


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