Serie: Leben im Denkmal Warum das Bramscher Kino nur als Denkmal überleben konnte

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Der Saal des Universums in voller Pracht. Mit "Dinner for One" in Schwarz-Weiß werden die Fünfziger glatt wieder lebendig. Foto: Tim LissDer Saal des Universums in voller Pracht. Mit "Dinner for One" in Schwarz-Weiß werden die Fünfziger glatt wieder lebendig. Foto: Tim Liss

Bramsche. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir das Kino Universum in Bramsche.

Den Charme der 50er Jahre versprüht das Bramscher Kino an der Großen Straße, Zumindest der Saal und das Kassenhäuschen davor. Genau diese Teile stehen unter Denkmalschutz. Deshalb ist der Saal auch heute noch so, wie er zu seinen besten Zeiten war. Und wegen des Denkmalschutzes ist er überhaupt noch da.

Unter Denkmalschutz stehen der Eingangsbereich und der Saal des Universums, erklären Jessica Mack und Uli Holstein.


Der Kinoverein hatte gerade das Lichtspieltheater "Universum" übernommen, da drohte das Aus: Der Verein hatte den Pachtvertrag mit dem letzten Betreiber des Kinos, Hugo Bender,  ausgehandelt der verstarb, bevor der Verein seine Tätigkeit aufnahm. Seine Witwe verkaufte das Kin an einen Unternehmer, der Eigenbedarf anmeldete und den Pachtvertrag aufkündigen wollte: Aus dem Kino sollte ein Modehaus werden. 

Blick in den Saal von der Bühne. Foto: Tim Liss


Es gab öffentliche Proteste und Demonstrationen, doch die Rettung brachte ein Idee von Dieter Schöne: Der Kassenwart des jungen Vereins regte an, die Denkmalschutzbehörde einzuschalten. Letztlich entschied die Bezirksregierung, dass der Saal aus den 50er Jahren in seinem Aussehen und seiner Funktion als Einzelbaudenkmal geschützt wird.

Künstler loben den Saal

So blieb der Kinosaal mit seiner Bühne und dem Orchestergraben den Bramschern erhalten. Der Verein sorgte von Anfang an dafür, dass nicht nur Filme gezeigt wurden, sondern auch die Bühne genutzt wurde.Nicht nur einheimische Musiker und Theatergruppen wissen das zu schätzen, sondern auch namhafte Künstler von Richard Rogler bis Katja Ebstein. Als letzter lobte Stoppok den "geilen Saal" mit seinem ganz besonderen Charme.

Denkmalsgeschützt ist auch das alte Kassenhäuschen mit dem Abdach. Foto: Tim Liss


Den zu erhalten ist für Jessica Mack als Geschäftsführerin des Vereins Universum und dem Kino-Mitarbeiter Uli Holstein eine Verpflichtung nicht nur wegen der Denkmalschutzauflage."So etwas wie diesen Saal gibt es ja weit und breit nicht", sagt Uli Holstein. Der gesteppte Wandbehang, der Vorhang, die Akustikdecke, die mit Papier bespannten Leuchten, die Asphaltnfliesen, die direkt in den Sand unter dem Kino verlegt worden sind: Die 50er Jahre sind lebendig in diesem Saal. Bild und Ton allerdings sind ganz auf heutigem Niveau  wie Holstein betont.

Doch der nostalgische Charme will gepflegt sein. Gerade erst hat der Verein den Kinosaal mit großem Aufwand renoviert. "Dabei wollen wir immer so nah wie möglich am Originalzustand bleiben",betont Jessica Mack,. Dazu gebe es auch eine enge Absprache mit der Denkmalsbehörde. 

Aus den 50er Jahren sind noch einige Schalttafeln erhalten. Foto: Heiner Beinke


Die Handwerker stellt das manchmal vor Herausforderungen. Holstein schildert, dass insbesondere die Elektriker viel Einfallsreichtum zeigen mussten, um die Installation auf heutiges Niveau zu bringen. "Die wissen ja nie, was sie da so finden", meint Holstein. Auch bei der energetischen Dämmung machen sich die Besonderheiten des Saales bemerkbar. 

Mit Papier bespannt sind die Wandleuchten im Universum. Foto: Heiner Beinke


Etwas Sorgen bereitet die Saalbeleuchtung, die das Lichtspieltheater prägt. "Wir finden niemanden, der die restaurieren kann", erklärt Jessica Mack. Einfach austauschen lassen sie sich nicht: "Es gibt keine Lampen mit dieser Papierbespannung mehr." 

Dass sich der ganze Aufwand lohnt bestätigen die Besucher des "Universums" den Betreibern immer weder. Erst kurz vor Weihnachten hatte Holstein wieder so ein Erlebnis. Die Grundschule Vörden war nach Bramsche gekommen, um im Kino die Neuverfilmung von "Jim Knopf" zu sehen. "Nach dem Film haben die Kinder geklatscht, und das war nicht nur wegen des Films", meint Holstein. "Das ist hier ein ganz besonderes Kinoerlebnis, das auch in Zukunft beliebt sein wird", ist sich Jessica Mack sicher.


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