E-Mail aus....Namibia Bramscherin grillt gegen das Heimweh an Heiligabend

Ein Christgeburtsspiel auf Afrikaans wird an Franziska Rulhofs Schule aufgeführt. Foto: Franziska RulhofEin Christgeburtsspiel auf Afrikaans wird an Franziska Rulhofs Schule aufgeführt. Foto: Franziska Rulhof

Windhoek. Junge Bramscher sind in aller Welt als Freiwilligendienstleistende unterwegs. Bei aller Verschiedenheit der Träger und der jeweiligen Anforderungen: Sie alle reizt es, neue Welten kennenzulernen. In unserer Reihe „E-Mail aus....“ berichten sie über ihre Erfahrungen. Heute schreibt Franziska Rulhof aus Namibia.

"Liebe Bramscher, passend zur Adventszeit möchte ich in meiner heutigen Mail aus Namibia über das Weihnachtsfest schreiben, das hier verblüffend ähnlich und doch irgendwie ganz anders gefeiert wird. Aber das liegt auch in der Natur der Dinge, denn die Weihnachtszeit fällt hier, auf der anderen Seite des Globus, in den Hochsommer. 

In einem Kinderhort in Windhuk arbeitet die Bramscherin Franziska Rulhof (links).


Temperaturen bis 40°C sind momentan keine Seltenheit, die Luft steht zwischen den Hochhäusern in der Stadt und wir sind froh um jede kleine Wolke am Himmel, die etwas Schatten spendet. Deshalb verspürt hier keiner große Lust sich mit Glühwein oder Punsch ins Haus zu setzen, Kerzen anzuzünden und Weihnachtslieder zu singen. 

Lametta ist angesagt

Stattdessen verbringen die Namibier ihre Zeit am Pool, grillen oder fahren auf die Farm. Vor allem der weiße Bevölkerungsanteil feiert Weihnachten gerne an der Küste, wo es das ganze Jahr über deutlich kühler und angenehmer ist. Das Wetter hält allerdings niemanden davon ab, „Jingle Bells“ oder „Leise rieselt der Schnee“ zu singen. Lieder von Schnee, Eis und Schlittenfahren wirken zwar etwas fehl am Platz, aber die Namibier scheint das nicht zu stören. Und genau wie in Deutschland sind die Supermärkte schon seit Anfang Oktober mit Lametta und Girlanden geschmückt. Sogar Lebkuchen, Christstollen, Marzipankartoffeln, Weihnachtsmänner und Adventskalender bieten die Läden an – allerdings zu hohen Preisen, da alles aus Deutschland importiert wird.

Dornbusch statt Tannenbaum

Besonders lustig finde ich den namibischen Weihnachtsbaum: Nordmanntannen findet man hier nur schwer, dafür nimmt man Dornbüsche als Ersatz. Die werden dann mit Kugeln, Sternen und anderem Glitzerkram geschmückt. Fast wie in Deutschland also. Abgesehen vielleicht von den auf Löwen und Nashörnern reitenden Weihnachtsmännern, die hier ebenfalls am Dornbusch hängen. Und dass man die Kerzen im Kühlschrank lagern muss, ist auch eher gewöhnungsbedürftig.

Weihnachtsspiel auf Afrikaans

Trotz Weihnachtsdeko und –liedern fällt es mir schwer zu glauben, dass in wenigen Tagen schon Weihnachten ist. Denn obwohl wir schon im November mit den Kindern im Hort Sterne gebastelt und Kekse gebacken haben, wurde es bei uns an der Schule erst so richtig weihnachtlich, als am vorletzten Schultag das „Christgeburtsspiel“ aufgeführt wurde. Das kenne ich noch von meiner Waldorfschule in Evinghausen. Allerdings auf einem altdeutschen Dialekt, nicht auf Afrikaans, wie es hier gezeigt wurde.

Weihnachten ohne Familie

Für viele von uns ist es das erste Weihnachten, das wir nicht mit der Familie verbringen werden. Um dem großen Heimweh an Heiligabend vorzubeugen, wollen wir alle zusammen feiern. Wir werden etwas grillen, wichteln und vielleicht sogar ein paar Weihnachtslieder singen, auch wenn sie von Schnee und Kälte handeln. Und dann hoffen wir natürlich, dass unsere Familien uns Lebkuchen aus Deutschland geschickt haben. Auf eine weiße Weihnacht dürfen wir in diesem Jahr wohl vergeblich hoffen, aber vielleicht regnet es ja wenigstens. Das wäre jedenfalls eine schöne Bescherung!

Frohe Weihnachten wünsche ich aus Namibia! "


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