2019 letzte Klosterkonzerte? IAM entrüstet über Nein der Stadt Bramsche zur Unterstützung

Werden solche Konzerte in der Konzertscheune, wie hier mit Franziska Hölscher, bald der Vergangenheit angehören? Foto: Thomas OsterfeldWerden solche Konzerte in der Konzertscheune, wie hier mit Franziska Hölscher, bald der Vergangenheit angehören? Foto: Thomas Osterfeld
Thomas Osterfeld

Malgarten. Mit Unverständnis hat der Internationale Arbeitskreis für Musik mit Sitz in Malgarten, auf das Votum des Ratsausschuss für Schule und Kultur reagiert, erneut den IAM-Antrag auf Förderung der renommierten Malgartener Klosterkonzerte abzulehnen.

Nach dem Ausscheiden der Sparkassenstiftung aus der Finanzierung der Klosterkonzerte, die Jahr für Jahr junge und häufig bereits mehrfach ausgezeichnete Musiker in den Bramscher Ortsteile brachte und bringt, sucht der bundesweit tätige Verein  nun dringend nach Sponsoren, um den Fortbestand dauerhaft abzusichern. "Wenn das nicht klappt, wissen wir nicht, ob die Reihe über 2019 hinaus Bestand haben wird", blickt IAM-Geschäftsführer Peter Koch skeptisch in die Zukunft. Zwar hätten sich nach Bekanntwerden der Entscheidung der Sparkassenstiftung sogar Konzertbesucher bereit erklärt, sich finanziell zu engagieren und auch die Finanzierung einzelner Konzerte sei durchaus einmal möglich. Was aber fehle, sei die Kontinuität. Allerdings schrecke es private Förderer auf die Dauer ab, wenn Kommunen sich nicht hinter ein kulturelles Angebot stellten.

Außerdem , so Koch weiter, "ist die Frage, ob wir das so wollen". Auf der Internetseite der Stadt Bramsche sei das Kloster Malgarten als eine der Sehenswürdigkeiten der Tuchmacherstadt genannt, neben dem Tuchmacher-Museum,  der Varusschlacht, oder der Martinskirche. Außerdem dem Gartentraumsonntag und dem Tag des offenen Denkmals finde hier allerdings nichts von der Stadt Unterstütztes statt. Durch die Klosterkonzerte und die regelmäßigen Kurse für Laienmusiker  "beleben wir doch dauerhaft und nicht nur punktuell das Klostergelände". Malgarten finde für die Stadt offenbar nicht statt, kritisierte Koch. 

Über 50 Prozent der Besucher aus Bramsche

Zu der "immer wieder kolportierten" Annahme, die auch Anette Staas-Niemeyer im Ausschuss vorgebracht hatte, die Klosterkonzerte würden kaum Bramscher anziehen, meinte der IAM-Geschäftsführer, Untersuchungen hätte mittlerweile ergeben, dass gut 50 Prozent der Besucher aus Bramsche direkt stammten, die übrigen schwerpunktmäßig aus den Umlandgemeinden oder der Stadt Osnabrück. Namhafte Künstler zögen allerdings auch ein bundesweites Stammpublikum nach Bramsche, die im Anschluss an die Konzertbesuche auch die ortsansässige Gastronomie nutzten. Zudem könne der IAM dadurch, dass er Auftrittsmöglichkeiten biete, namhafte Dozenten für seine Kurse gewinnen. "Wir sind schließlich ein Verein, dessen Mitglieder zum größten Teil nicht aus der Region kommen, wo seine Geschäftsstelle sitzt. Durch die Konzerte machen wir Bramsche bundesweit bekannt."

Die Klosterkonzerte stellten auch nicht, wie von manchen  vor Ort angenommen, eine Konkurrenz für die Kornmühlenkonzerte dar, die obwohl seinerzeit vom IAM mit angeschoben, doch einen ganz anderen Anspruch und eine ganz andere Ausrichtung hätten.  

Zeichen für "künstlerische Qualität"

Die Malgartener Klosterkonzerte sind auf Initiative des Internationalen Arbeitskreises für Musik e. V. im Jahr 2004 entstanden. Koch erläuterte, der Verein habe seither aus Eigenmitteln mehr als 35.000 Euro investiert, um das Geplante realisieren zu können. . Koch weiter: "Mehr als 450.000 Euro sind seit Beginn der Konzertreihe nach Bramsche geflossen, um unsere Ideen und Konzepte umsetzen zu können. Für uns ist diese enorme Summe auch eine Bestätigung der Drittmittelgeber für die künstlerische Qualität, die unsere Konzertreihe auszeichnet. Der Großteil dieser Fördergelder wäre ohne die Malgartener Klosterkonzerte nicht nach Bramsche geflossen!" 

Vor Koch hatte der IAM-Vorsitzende Prof. Dr. Hans Jakulsky in Köln bereits sein Unverständnis über das Nein aus Bramsche geäußert. In seiner Erklärung heißt es unter anderem :  "Offensichtlich wollen oder können große Teil der Bramscher Lokalpolitik nicht wahrhaben, welche Bedeutung die Malgartener Klosterkonzerte für Bramsche und den nördlichen Landkreis haben". 

Es dürfte "unbestritten sein", so Jakulsky, dass die Malgartener Klosterkonzerte die Veranstaltungsreihe mit der größten Strahlkraft im Bereich der klassischen Musik in Bramsche sei. 

Für den Vereinsvorstand stelle sich auch die Frage nach Fairness und Gleichb



ehandlung von Initiativen dieser Art in Bramsche, erhielten andere Vereine und Konzertreihen doch "mit schöner Regelmäßigkeit ihre jährliche Zuwendung". In der Mitteilung wird der stellvetretende Vereinsvorsitzende Manfred Harras mit den Worten zitiert:  "Ist es Inkompetenz oder Ignoranz, die da weite Teile der Bramscher Lokalpolitik mit diesem Beschluss unter Beweis stellen?"

Angesichts der Ausschussentscheidung wird sich der Vereinsvorstand in seiner nächsten Sitzung Mitte Februar in Aschaffenburg intensiv mit der Zukunft der Konzertreihe auseinandersetzen. "Es täte mir unendlich leid für die vielen regelmäßigen Konzertbesucher, wenn Ende Februar 2020 das letzte der Malgartener Klosterkonzerte stattfinden müsste. Als Vereinsvorstand sind wir gleichwohl verpflichtet, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln sparsam zu wirtschaften. Das gilt umso mehr, da Verluste der Konzertreihe nur aus Mitgliedsbeiträgen aufgefangen werden können," so abschließend Prof.  Jaskulsky.



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