Ernteeinbußen durch Trockenheit Landwirte aus Engter klagen gegen Grundwasserförderung

Wir im Raum Engter zuviel Grundwasser gefördert? Landwirte jedenfalls beklagen schon lange, dass Bäche und Brunnen austrocknen und es zu Ernteeinbußen komme. Symbolfoto: Oliver Berg/dpaWir im Raum Engter zuviel Grundwasser gefördert? Landwirte jedenfalls beklagen schon lange, dass Bäche und Brunnen austrocknen und es zu Ernteeinbußen komme. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Engter. Landwirte aus dem Kirchspiel Engter machen weiter auf die nach ihrer Meinung zu hohe Förderung von Grundwasser aufmerksam. Gegen den neuen Bewilligungsbescheid für die Stadtwerke Osnabrück für das Wasserwerk Wittefeld werde sogar geklagt.

„Es kann nicht länger angehen, dass wir hinnehmen müssen, dass unsere Pflanzen absterben, weil ihre Wurzeln nicht mehr an das immer weiter sinkende Grundwasser herankommen“, betonte der Sprecher der Landwirte, Heinrich Schomborg, eingangs eines Gesprächs mit Vertretern der Grünen auf dem Hof Brüggemann in Engter. Selbst der Roggen mit seinen bis zu 170 Zentimeter langen Wurzeln erreiche das auf zwei bis vier Meter abgesenkte Grundwasser nicht mehr. Die Folge seien Ernteeinbußen zwischen 20 und 80 Prozent. Weidebrunnen, die früher das Vieh im Sommer versorgten, würden seit Jahren trocken fallen.

Die dafür gezahlten Entschädigungen reichten bei weitem nicht aus, um erforderliche Beregnungsanlagen zu finanzieren, kritisierte Walter Zur Heide. „Nicht einmal zehn Prozent des Wassergroschens wird vom Land an die betroffenen Landwirte weitergeleitet“, so der Landwirt. Viel Geld gehe für Bürokratie und Personal drauf. Solange die Wasserförderung in der Region nicht "um eine Million Kubikmeter auf das Umweltverträgliche zurückgefahren" werde, müssten die angerichteten Schäden voll ausgeglichen werden. „Die 50 Euro pro Hektar und Jahr, die nicht einmal für alle Flächen gezahlt werden, sind ein schlechter Witz“, bekräftigte Schomborg. Der Landwirtschaft gehe es aber in erster Linie nicht um Entschädigung, sondern um ausreichend Wasser für die Pflanzen.


Landwirte aus dem Kirchspiel Engter trafen sich auf dem Hof Brüggemann mit Vertretern der Grünen. Foto: Grüne


Während dem Wasserverband Bersenbrück für das Wasserwerk Engter 400.000 Kubikmeter jährlich aus vier Brunnen – zwei in Engter, einer in Schleptrup, einer in Kalkriese - vom Landkreis genehmigt worden seien, halte ein von den Landwirten beauftragter Hydrogeologe maximal 273.000 Kubikmeter für verträglich, berichtete Jörg Brüggemann. Dass der verringerte Grundwasserzustrom zur Beeinträchtigung der Bäche in Engter, Kalkriese und Schleptrup führe, sei unübersehbar, ebenso Trockenschäden im Wald.

Klage wegen Wasserwerk Wittefeld

Klage eingereicht wurde nun indes gegen die Bewilligung für die Stadtwerke Osnabrück, im Wasserwerk Wittefeld in Vörden 3,5 Millionen Kubikmeter jährlich für die Trinkwasserversorgung in Osnabrück zu fördern. Dies verschärfe die Problematik im Raum Engter noch, da es nach Ansicht der Landwirte Überschneidungen zum Einzugsgebiet des Wasserverbands Bersenbrück gebe. 

Dass in Kalkriese in diesem Jahr auch infolge der Dürre das Grundwasser auf 2,25 Meter Tiefe abgesunken sei, berichtete Ortsratsmitglied Matthias Krause. „Bei Verschärfung der Klimakrise mit weniger Regen sind gravierende Folgen nicht nur für den Pflanzenbau absehbar“, erklärte der Biobauer. Umso mehr müsse die Wasserförderung angepasst werden. Nicht hinnehmbar sei aus Grünen-Sicht, so heißt es in einer Pressemitteilung, "dass über den hiesigen Bedarf und das Naturverträgliche hinaus getätigte Wasserförderung Wasserverbänden dazu dient, mit dem Wasser Geschäfte zu machen."

Mehr denn je sei die Einsparung beim Wasserverbrauch erforderlich, betonte Dieter Sieksmeyer. „Aber es reicht nicht aus, bei lang anhaltenden Trockenperioden nur die Privathaushalte zur Reduktion bei der Gartenbewässerung aufzurufen,“ so der Fraktionsvorsitzende im Bramscher Stadtrat. Vor allem große Industriebetriebe müssten Brauchwasser und Wiederverwertung nutzen. 

Bei der Ausweisung von Gewerbegebieten wie Eiker Esch in Schleptrup müsse zukünftig vorher geklärt werden, ob der Wasserbedarf überhaupt gedeckt werden könne, forderte Grünen-Ratsherr Michael Kruse.


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