Serie: Leben im Baudenkmal Hasemanns erhalten Hof und Sögelner Geschichte

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Gretel und Franz-Hermann Hasemann mit Hund vor ihrem Hof. Foto: Heiner BeinkeGretel und Franz-Hermann Hasemann mit Hund vor ihrem Hof. Foto: Heiner Beinke

Bramsche. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir Gretel und Franz-Hermann in Sögeln.

Das Ensemble des Hofes Kamlage/Hasemann steht unter Denkmalschutz. Foto: Heiner Beinke


Schon der Straßenname verweist auf die alte Hofstelle: Kamlagen Allee in Sögeln führt direkt zu dem Anwesen von Gretel und Franz-Hermann Hasemann. Der stellvertretende Ortsbürgermeister von Sögeln ist direkter Nachfahr der Familie Kamlage, deren Nachname die Giebelinschrift vom 9. Juni 1744 ziert. 

Giebelinschrift auf dem Hof Kamlage/Hasemann. Foto: Heiner Beinke


Durch Heirat der einzigen Tochter im Jahr 1867 wird aus Kamlage Hasemann. Seitdem ist die Hofstelle in Familienbesitz, auch wenn weder Hermann Hasemann noch sein Vater Wilhelm etwas mit Landwirtschaft zu tun gehabt haben.

Hasemanns Vater war Beamter und hatte den Erbhof  verpachtet. Erst nach dem Tod des Vaters im Jahr 1950 entscheidet sich die Witwe Emma, nach Sögeln zurückzukehren und den Hof selbst zusammen mit Heuerleuten  zu bewirtschaften. Dazu ist ein Anbau nötig. Anders als bei vielen anderen Höfen wird aber nicht einfach das bestehende abgerissen oder verändert. Vielmehr entsteht ein Anbau hinter der alten Front, die unberührt bleibt. Deshalb steht heute das gesamte Anwesen unter Denkmalschutz.

Ein kleiner Versprung zeigt an, wo Alt- und Neubau von 1950 aneinander stoßen. Foto: Heiner Beinke


"Man steht da schon manchmal ehrfürchtig davor", sagt Hasemann. Die alten Fachwerke sind noch mit einem Lehmgemisch befüllt und nicht ausgemauert. Die alten Eichensparren auf dem Boden sind nicht gesägt, sondern behauen. Vieles stamme noch aus dem Jahr 1744, als das Haus errichtet wurde, berichtet Hasemann. Seine Mutter hatte sich 1950 beim Anbau von Experten des Museumsdorfes Cloppenburg beraten lassen. Das dabei benötigte Holz stammt von Eichen auf hofeigenen Flächen.

Mit einem Lehmgemisch sind die obersten Fachwerke der alten Scheune gefüllt. Foto: Heiner Beinke


Die besondere Beziehung zum Hof bleibt bestehen, obwohl Hermann Hasemann sich 1962 gegen die Landwirtschaft entscheidet und Lehrer wird. Die zum Hof gehörigen Flächen werden zunächst verpachtet, seit einigen Jahren liegt die Bewirtschaftung aber wieder in der Familie: Sohn Jochen lebt zwar in Renslage,wirtschaftet aber auch auf den Sögelner Flächen. 

"Früher war der Hoferbe der King, heute ist er das arme Schwein".Gretel Hasemann


Jochen wird auch den Hof erben, darauf haben sich die vier Kinder der Hasemanns verständigt, ohne Zutun der Eltern, wie die betonen. "Das sollten die ganz unter sich ausmachen", betontHermann Hasemann. Wobei sich die Bedeutung des Erbteils erheblich gewandelt hat, wie Gretel Hasemann betont: "Früher war der Hoferbe der King, heute ist er das arme Schwein".

Gretel und Hermann Hasemann in ihrer Bibliothek.Foto: Heiner Beinke


Zurzeit leben die Altenteile allein auf dem Hof. Platz haben sie mehr als genug: Rund 300 Quadratmeter stehen zur Verfügung. "Wir waren hier ja auch mal bis zu zehn Leute, da war immer schwer Trubel", erinnert sich Gretel Hasemann. Mit ihrem Mann kümmert sie sich um die Instandhaltung des Hofes. "Meine oberste Sorge ist natürlich, dasss das Dach dicht ist, da achte ich sehr drauf", erzählt Hasemann. Aber auch sonst achtet er darauf, dass alles in Schuss bleibt. "Das ist schon einiges an Aufwand", betont der Pensionär.

Als Partyraum hat es Hasemanns Diele zu einiger Berühmtheit gebracht.


Nur als Lager genutzt wird heute die Diele im ältesten Teil des Gebäudes. "Hier fanden alle Familienfeiern statt", erinnert sich Hasemann. Er zeigt, wo früher das Buffett aufgebaut wurde und wo es Getränke gab. Gläser und Windlichter für die Tische stehen noch bereit, die nächste Feier kann kommen. Doch die ist noch nicht in Sicht. "Es ist ja unser Problem im ländlichen Raum, dass wir älter werden und hier allein sitzen auf dem Hof", sagt Hermann Hasemann, "Aber wir hängen sehr an Sögeln und an Niedersögeln im Besonderen". Und an dem Hof mit seiner jahrhundertelangen Geschichte.

Die Giebelfront des Anbaus von 1950. Foto: Heiner Beinke




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