„Not 2 Late“ Bramscher VHS-Band seit 20 Jahren mit Liebe zur Musik

Von Matthias Benz

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Bramsche. Es ist nie zu spät und man ist nie zu alt: Das beweisen die Musiker von „Not 2 Late“, einer Band die sich an der Bramscher Volkshochschule gebildet hat und seit mittlerweile 20 Jahren gemeinsam musiziert.

Vor über 40 Jahren gehörten Peter Krutzki und Dietmar König zu den ersten Dozenten der VHS in Bramsche. Über Jahre gehörten ihre Gitarrenkurse, mit denen sie sich am Anfang noch das Studium finanzierten, zu den beliebtesten Angeboten. „Neben dem Beruf hatte man irgendwann aber nicht mehr viel Zeit für die Unterrichtsvorbereitung“, erzählt Krutzki. So sei dann die Band entstanden, eigentlich eine Musik-Hobbygruppe, die zunächst nur aus Gitarristen bestand und sich seit zwei Jahrzehnten einmal wöchentlich trifft.

„Das hat einen gewissen Clubcharakter“, meint Dietmar König, der erst vor Kurzem dazugestoßen ist, nachdem er einige Jahre aus beruflichen Gründen nicht mitmachen konnte. Ungefähr acht bis zehn Männer gehören zum Stamm der Gruppe, mal kommen weitere dazu. Dass Not 2 Late selbst eine reine Männerrunde ist, sei eigentlich gar nicht gewollt, erklärt Carsten Bräutigam. Es stört aber auch niemanden. „Die Besetzung verändert sich, es ist ein Kommen und Gehen“, sagt Peter Krutzki. Alle seien musikbegeistert, Konzerte und Auftritte vor großem Publikum seien aber gar nicht das Ziel.

Kleine private Runden

Carsten Bräutigam sitzt am Schlagzeug. „Mich haben sie umerzogen. Mit der Gitarre war ich wohl nicht so gut“, lacht er. „Einen Fetensamstag, eine große Party, das können wir gar nicht leisten“, meint er. Bisher hat Not 2 Late lediglich bei der Verabschiedung des langjährigen VHS-Leiters Franz Langelage vor einigen Jahren einen kleinen öffentlichen Auftritt gehabt. Ansonsten belassen die Hobbymusiker es bei kleinen privaten Runden. „Bei unseren Weihnachtsfeiern, da laden wir auch unsere Frauen ein und zeigen unser Können. Sonst fragen die sich irgendwann, was wir bei den Proben eigentlich immer machen“, schmunzelt Peter Krutzki.

Die Musiker üben ständig neue Lieder ein und sind bei ihren Proben durchaus ehrgeizig. „Wir pflegen das offene Wort“, sagt Heinz Hugenschütt. Konstruktive Kritik und klare Ansagen seien da notwendig. „Wer am schlechtesten spielt, sollte nicht am lautesten spielen“, bringt es Bassist Achim Barth auf den Punkt.

Bandbreite der Gruppe

Kürzlich spielte die Gruppe ein kleines internes Konzert für Freunde, Familie und Mitarbeiter der Volkshochschule Osnabrück. Die Stücke, die die Musiker für diesen Anlass einstudierten, zeigen die Bandbreite der Gruppe. „Suspicious Minds“, „Knockin‘ on Heaven’s Door“ und „Wind of Change“ gehören ebenso dazu wie „Feliz Navidad“ oder das plattdeutsche „Fresenhof“. Nach und nach hat sich das Repertoire von Not 2 Late erweitert, jedes Mitglied darf neue Stücke vorschlagen. „Es dauert eine Zeit, bis man das dann auch spielen kann. Es muss ja harmonieren“, betont Peter Krutzki.

Bei den Proben geht es gewissenhaft zu. Nachdem die Instrumente gestimmt und das technische Equipment eingestellt ist, geht es los. Dominik Comtesse singt „The River“ von Bruce Springsteen. Die Männer blicken beim Spielen konzentriert auf die Noten in ihren dicken Liederordnern. Es klingt nicht zu glatt, nicht perfekt, aber man sieht ihnen an, dass sie das gemeinsame Musizieren genießen. Erst als der letzte Ton verklingt, blicken sie wieder auf, mit einem zufriedenem Lächeln und dem gewissen Funkeln in den Augen, dass man immer dort sieht, wo Menschen mit Leidenschaft zu Werke gehen.

Ein blutiger Anfänger

Am Rand wippt Anita Sutthoff mit den Füßen. Die Leiterin der Bramscher Außenstelle der Volkshochschule Osnabrück hört gerne zu, wenn die Gruppe probt. Sie freut sich, dass die Männer jede Woche da sind. „Es ist ein bisschen schade für die Jungs, dass sie die Anlage nicht voll aufdrehen können.“ An Dienstagabenden fänden eben auch noch andere Kurse im Gebäude an der Jägerstraße statt, die man nicht stören wolle. Die VHS selbst bietet allerdings keine Kurse zum Erlernen von Instrumenten mehr an, diese sind mittlerweile an die Kreismusikschule ausgelagert worden.

Viele Mitglieder von Not 2 Late spielen schon seit Jahrzehnten Gitarre, teils seit Jugendtagen. Ein blutiger Anfänger ist daran gemessen der 65-jährige Karl-Heinz Schumann, der erst vor fünf Jahren angefangen hat. „Ich hab mir damals jedes Liederbuch gekauft, das ich kriegen konnte. Zu Hause habe ich dann stundenlang geübt, teilweise bis zwei Uhr nachts.“ Mittlerweile kann er mit seinen erfahrenen Bandkollegen mithalten. Er ist der Beweis: Für ein neues Instrument ist es nie zu spät.


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