Im Tuchmacher-Museum Erstklassige Darbietung bei Kornmühlenkonzert in Bramsche

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Nach einem gelungenen Konzertabend strahlen Eugenio Catone und Emily Anine Wittbrodt zufrieden in der Kornmühle des Bramscher Tuchmacher-Museums. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannNach einem gelungenen Konzertabend strahlen Eugenio Catone und Emily Anine Wittbrodt zufrieden in der Kornmühle des Bramscher Tuchmacher-Museums. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

Bramsche. Die Cellistin Emily Anine Wittbrodt und ihr Klavierpartner Eugenio Catone waren die Gäste beim letzten Kornmühlenkonzert der Saison 2018 im Bramscher Tuchmacher-Museum.

Die Kornmühlenkonzerte im Tuchmacher-Museum haben es sich zur Aufgabe gemacht, Nachwuchstalenten ein Podium zu bieten. Das ist sehr lobenswert, denn so bekommen die Stars von morgen in einem kleinen Saal die Gelegenheit, ihr Programm zu präsentieren.

Möchte man im kommenden Jahr 2019 kein Konzert verpassen, empfiehlt es sich, ein Abonnement zu erwerben. Doch ist Eile geboten, der Großteil ist bereits verkauft.

Emily Anine Wittbrodt und Eugenio Catone, beide noch jung an Jahren, weisen bereits diverse nationale und internationale Erfolge auf. Es war keine leichte Kost, die sie dem Publikum darboten.

Eröffnet werden sollte der Abend mit einer Sonate für Cello und Klavier von Alfred Schnittke. Die Solisten taten gut daran, dass sie dieses Stück erst nach der Pause spielten. Es war sicher das interessanteste des Abends, aber auch das sprödeste. Über weite Strecken blieb die Cellistin unbegleitet und hatte dann nicht etwa schöne Kantilenen zu spielen, sondern schmerzhafte große Septimen, Ausdruck höchster Qual. Die einsetzenden hämmernden Akkorde vom Klavier machten das Hörerlebnis nicht einfacher und das, was sich nach pianistischen Fingerübungen à la Karl Czerny anhörte, verlangte Catone höchste Konzentration ab. 

Spannungsvoll und hoch emotional

Immer wieder boten sich „tonale Inseln“, die wie ein Irrtum des Komponisten klangen. Auch bei tonaler Musik bedarf es der Konzentration der Interpreten, jedoch gibt es vielfach musikalisch logische Folgen und Fortsetzungen, die Hörern wie Interpreten Haltepunkte liefern. Nicht so in Musik jenseits der Tonalität, wie eben bei Schnittke. Umso bewundernswerter gelang dem Duo, diese Sonate morbide, spannungsvoll und hoch emotional zu interpretieren.

Fast ein bisschen amüsant erscheint es, dass die beiden Sonaten op. 102, Nr. 1 und 2 von Ludwig van Beethoven von seinen Zeitgenossen mit Befremden aufgenommen wurden. Sie erschienen ihnen zu eigenwillig und zu schwer zu verstehen. Die heutige Hörerfahrung ermöglicht ein anderes Urteil über Beethovens Spätwerk. Es klingt – speziell nach Schnittke und auch nach Claude Debussys Sonate für Cello und Klavier – lieblich und versöhnlich.

Besonders einfühlsam begleitete Catone seine Partnerin am Cello, nahm sich sehr zurück, vermochte aber im virtuosen Schlusssatz von op. 102, 1 durchaus zu glänzen. Ebenso spielte er Robert Schumanns Fantasiestück op. 73 leicht und perlig, ohne banal zu klingen. Ausdrucksvolle Cello-Kantilenen standen dem gegenüber, die Cantone – nicht immer zu Recht – in den Hintergrund drängten.

Von musikalisch lieblich über versöhnlich bis spröde und schroff konnte man alles erleben an diesem Abend in der Kornmühle. All das stets in erstklassiger Darbietung zweier beachtenswerter, aufstrebender Talente.


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