Bilanz der Varusschlacht-Forschung 2018 Grabungsleiter stellt „exzellente Funde“ in Kalkriese heraus

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Kalkriese. „Wir haben exzellente Funde“, verkündete Marc Rappe in seiner Jahresbilanz 2018. Viel länger als zunächst geplant, habe deshalb auch die diesjährige Grabungssaison gedauert. Das „Fenster zur Archäologie“ im Varusschlacht-Museum wusste der Grabungsleiter folglich mit viel Leben zu füllen.

Der Schlüssel an einem römischen Fingerring beispielsweise, eine Distelfibel mit Spiralhülse, offenbar Teile eines Schienenpanzers oder auch die Schwertscheide eines Dolches. Dazu eine halbe Sandale, ein Pilum, Münzen sowie Knoten und Kugelfibeln – alles römisch. Marc Rappe hatte dem Publikum während seines Vortrages eine lange Liste an Fundstücken zu verkünden, die auf dem mutmaßlichen Schlachtgelände im Osten von Bramsche erst unlängst entdeckt worden waren. „Wohl doppelt so lange“ als anfänglich gedacht, hätten die Arbeiten auf dem Gelände bei Kalkriese und Niewedde in Anspruch genommen. Von Mitte April bis Ende Juli. Spektakulär seien in 2018 auch einige Blockbergungen verlaufen, fügte er hinzu. Dabei seien Fundstücke („teilweise verkrustet bzw. verrostet“) samt Erdreich gesichert, zur Stabilisierung eingegipst, vorsichtig auf Metallplatten geschoben, in Holzkisten verpackt und per Kran gehoben worden. „Auf diese Weise werden komplexe Fundzusammenhänge geschützt und eine anschließende fachgerechte Freilegung ermöglicht“, stellte Rappe fest.

Noch einmal Computertomographie in Süddeutschland

Zusammen mit Varusschlacht-GmbH-Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann kündigte der Grabungsleiter an, diese Blockfunde – nach einem nur teilweise erfolgreichen ersten Durchgang am FMO in Greven (unserer Redaktion berichtete) – in Kürze noch einmal per Computertomographie in Süddeutschland röntgen und durchleuchten zu lassen. Rappe und seine Mitstreiter erhoffen sich dadurch weitere wichtige Erkenntnisse. Anschließend soll dann eine Restauratorin in Kalkriese für die präzise Freilegung der einzelnen Stücke sorgen. An den jeweils bis zu 300 Kilogramm schweren Blockbergungen sei bereits „soviel Erdreich wie möglich entfernt und soviel wie nötig gelassen worden“, erläuterte Rappe den etwa 150 Zuhörern.

Der Grabungsleiter bekräftigte zudem noch einmal die im Frühsommer vom Wissenschaftlichen Leiter des Grabungsprojektes, Prof. Dr. Salvatore Ortisi, geäußerte Hoffnung, bei den Geländeuntersuchungen im Park inzwischen jene Ebene im Erdreich entdeckt zu haben, auf der einst im Jahre 9 nach Christus die Varusschlacht oder ein anderes großes Kampfereignis zwischen Römer und Germanen stattgefunden habe.

Drei große Landschaftsschnitte in 2018

Drei große Landschaftsschnitte habe es insgesamt 2018 auf dem Schlachtfeldsektor in Kalkriese gegeben, bilanzierte Rappe. Vorangetrieben worden seien dabei auch die geoarchäologischen Untersuchungen. Das Team um Prof. Dr. Achim Härtling und das Institut für Geographie der Universität Osnabrück habe hier wertvolle Arbeit geleistet. Ein nahezu 1000 Quadratmeter großes Areal sei dabei allein in diesem Jahr eingehend untersucht worden. Ziel sei es, so Rappe, sich auch durch vertiefte Erkenntnisse der früheren Bodenstruktur dem einstigen Kampfgeschehen und dessen Abläufen zu nähern.

Grabungsleiter Marc Rappe stellt die Jahresbilanz 2018 im Museum und Park Kalkriese vor. Foto: Marcus Alwes

Im kommenden Jahr werden die Schnitte und Geländearbeiten übrigens erst nach den öffentlichen Römer- und Germanentagen (an Pfingsten) fortgesetzt, kündigte Varusschlacht-GmbH-Geschäftsführer Dr. Rottmann an. Bis dahin hoffen er und Grabungsleiter Rappe, ferner fundierte Erkenntnisse über die jüngsten Blockbergungen und deren Inhalt verkünden zu können. Der Gips um die Fundstücke jedenfalls ist spätestens dann ab.


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