Bramscher liebte Beruf schon als Kind Schornsteinfeger Jörg Bergmann: Viele Kunden zünden den Kamin falsch an

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Der Bramscher Schornsteinfeger Jörg Bergmann arbeitet seit 26 Jahren in seinem Beruf. Foto: Eva VoßDer Bramscher Schornsteinfeger Jörg Bergmann arbeitet seit 26 Jahren in seinem Beruf. Foto: Eva Voß

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 20: Jörg Bergmann, Schornsteinfeger.

Jörg Bergmann ist bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger in seinem Kehrbezirk in Mettingen. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, was viele beim Anzünden des Kamins falsch machen, warum er schon als Kind Schornsteinfeger werden wollte und warum Kunden ihn hin und wieder nicht ins Haus lassen.

Herr Bergmann, seit wann sind Sie Schornsteinfeger?

Ich habe die Ausbildung 1989 angefangen. 1992 habe ich die Gesellenprüfung gemacht. Also bin ich schon 26 Jahre Schornsteinfeger.

Sie haben einen Kehrbezirk in Mettingen. Wie kam es dazu?

Man muss sich darauf bewerben. Ich hatte vorher einen Kehrbezirk in Hannover-Seelze. Das war immer eine weite Strecke, bei der ich viel fahren musste. Das wollte ich irgendwann nicht mehr. Ich habe dann gelesen, dass in Mettingen und in Lengerich Kehrbezirke frei werden. Ich habe mich beworben und den Zuschlag für Mettingen bekommen.

Können Schornsteinfeger sofort nach der Meisterprüfung einen Kehrbezirk übernehmen, oder ist das mit einer Wartezeit verbunden?

Heute ist es möglich, sich direkt nach der Meisterprüfung für einen Kehrbezirk zu bewerben. Beim Auswahlverfahren werden allerdings Punkte für bestimmte Qualifikationen und Fortbildungen vergeben. Wenn man sich direkt nach der Meisterschule bewirbt, hat man natürlich noch nicht so viele Weiterbildungspunkte gesammelt. Da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es andere Bewerber gibt, die mehr Erfahrung haben und bevorzugt werden.

Die Aufgaben eines Schornsteinfegers sind sehr unterschiedlich. Beim klassischen Fegen fällt noch viel Dreck an, beim Heizungen messen dagegen gar nicht. Welche Arbeiten machen mehr Spaß?

Früher machte mir das Fegen am meisten Spaß. Wenn man aber bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger ist, hat man sehr viel mit den hoheitlichen Aufgaben wie Feuerstättenschau und Abnahmetätigkeiten zu tun. Das macht mir auch Spaß, aber ich freue mich auch, wenn ich ab und zu noch zum Fegen komme.

Freie oder hoheitliche Tätigkeiten?

Nach dem Schornsteinfegergesetz von 1969 wurden in Deutschland bestimmte Kehrbezirke festgesetzt und nur der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister und seine Gesellen durften Kehr- und Überprüfungsarbeiten in ihrem jeweiligen Bezirk durchführen. 
Dieses Gesetz wurde zum 1. Januar 2013 vollständig durch das Schornsteinfeger-Handwerksgesetz (SchfHwG) ersetzt. Es gibt zwar immer noch die Einteilung in Kehrbezirke, für die ein bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger zuständig ist. Doch seitdem wird zwischen hoheitlichen und nicht hoheitlichen Aufgaben unterschieden. 
Die hoheitlichen Tätigkeiten darf weiterhin nur der bevollmächtige Bezirksschornsteinfeger erledigen. Dazu zählen die Ausstellung oder Änderung des Feuerstättenbescheids, die Feuerstättenschau, das Führen eines Kehrbuchs und die Bauabnahme, wenn eine neue Feuerstätte neu errichtet oder wesentlich geändert wurde. Als Feuerstätte bezeichnet der Schornsteinfeger alle Heizungssysteme, die durch Verbrennung fester, flüssiger oder gasförmiger Energieträger Wärme erzeugt. 
Nicht-hoheitliche Tätigkeiten des Schornsteinfegers wie das Kehren des Schornsteins, die Abgasmessung der Heizung oder die Energieberatung, kann jeder entsprechend qualifizierte Schornsteinfegerbetrieb anbieten. 


Sind Sie deswegen Schornsteinfeger geworden?

Ich kann das gar nicht so genau sagen, wie ich auf den Berufswunsch gekommen bin. Ich wusste aber schon früh, dass ich Schornsteinfeger werden möchte. Ich war in der fünften Klasse und in der Schule tauchte die Frage auf, was man werden möchte. Ich habe da schon gesagt, dass ich Schornsteinfeger werden möchte. Vielleicht lag es daran, dass bei uns zu Hause der Schornsteinfeger immer mittags kam und bei uns mitessen durfte. Ich fand das wahrscheinlich einfach gut (lacht).

Wie ging es dann weiter?

Mein damaliger Lehrer Herr Wittemann hat den Kontakt zu Heinz Pehling hergestellt. Der war damals hier Bezirksschornsteinfegermeister. Herr Wittemann hat sich wohl gedacht, wenn einer so früh den Wunsch äußert, soll er sich das mal angucken. In den Osterferien durfte ich mit dem Gesellen von Herrn Pehling mitgehen. Nachher habe ich ein Schulpraktikum bei meinem späteren Lehrherrn Josef Schmidt aus Rulle gemacht. Herr Pehling stand damals nämlich schon kurz vor der Rente und hat mich deshalb an den Kollegen vermittelt. Herr Schmidt war nach dem Schulpraktikum offenbar zufrieden mit mir. Ich musste noch einen Eignungstest machen und konnte anschließend bei ihm anfangen.

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Wie ist das heute? Ist es schwierig Mitarbeiter zu bekommen?

Ja. Fachkräftemangel gibt es im Handwerk mittlerweile überall. In unserem Handwerk wurde immer bedarfsgerecht ausgebildet. Deshalb gibt es nicht so viele Schornsteinfeger, die auf Jobsuche sind. Wenn Sie also noch jemanden wissen, der Schornsteinfeger werden will, immer her damit (lacht). Es ist aber auch nicht jeder geeignet, Schornsteinfeger zu werden. Man muss mit Menschen umgehen können, man muss ein bisschen erzählen können und auch ein bisschen technisch versiert sein. Zwischendurch wird man auch richtig dreckig. Das wollen heute viele nicht mehr.

Was ist denn besonders nervig oder anstrengend an Ihrem Beruf?

Anstrengend sind nervige Kunden (lacht). Die haben wir hier aber zum Glück nicht. Ansonsten ist es natürlich rein körperlich sehr anstrengend, wenn man im Sommer bei 38 Grad Celsius fegen muss. Gegen 13 Uhr sind es auf dem Dachboden schon einmal zwischen 45 und 60 Grad Celsius. Wenn man dann noch einen Schornstein fegen muss, läuft man weg. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Das war ja diesen Sommer wahrscheinlich besonders hart. Können Sie solche Arbeiten nicht auf Frühjahr oder Herbst verschieben?

Es gibt einen Feuerstättenbescheid und auf dem steht, in welchem Zeitraum der Schornstein zu kehren ist. Wenn der Bevollmächtigte festgelegt hat, es gibt eine Frist von zwei Monaten, dann kann man den Termin zwar ein paar Wochen verschieben. Aber wenn die Frist verstrichen ist, geht es nicht mehr. In diesem Sommer hätte es auch nichts gebracht, den Kehrtermin um vier Wochen zu verschieben, dann wäre es ja immer noch heiß gewesen. Glücklicherweise ist ja nicht jeder Sommer so wie dieser.

Hat Sie schon mal ein Kunde nicht ins Haus gelassen?

Ja, das kommt schon mal vor. Vor allem seitdem die Kunden heute bei den nicht hoheitlichen Arbeiten die freie Wahl haben. Da gibt es schon einige, die sagen, dass das ein anderer Schornsteinfeger macht. Das ist dann eben so. Um die hoheitlichen Tätigkeiten wie die Feuerstättenschau oder die Abnahmetätigkeiten kommt man als Kunde aber nicht herum. Das muss der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger weiterhin machen.

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Lohnt es sich denn, einen anderen Schornsteinfeger zu beauftragen? Sind die Preise so unterschiedlich?

Es gibt für die freien Tätigkeiten keine Gebührenordnung mehr, nur noch für die hoheitlichen Aufgaben. Alles andere kann theoretisch am freien Markt zum selbst festgelegten Preis vom Schornsteinfeger angeboten werden, wie auch Maurer oder Zimmerleute ihren Preis selbst festlegen können. Über den dicken Daumen sprechen wir hier beim Fegen von etwa 30 Euro, beim Heizungmessen über etwa 50 Euro. Ich glaube nicht, dass es Betriebe gibt, die das plötzlich für 15 oder 20 Euro anbieten können. Das wird nicht funktionieren.

Kommen sie angemeldet oder unangemeldet zu Ihren Kunden?

Wir melden uns an, indem wir Karten an unsere Kunden mit dem Termin schicken. Ich finde das besser. Die Leute wissen Bescheid und können sich darauf einstellen. Steht man unangemeldet vor der Tür, finden manche Kunden das blöd. Nach dem Motto: „Oh nein, was will der denn jetzt?“ Wenn man schon lange in einem Kehrbezirk arbeitet, kennt man die Leute natürlich und da braucht man auch keine Karten mehr. Dann weiß ich genau, wer wann arbeiten ist. Es dauert ein bisschen, bis man das weiß, aber je länger man das macht, desto besser kennt man die Leute.

Können Sie feststellen, dass Sie mehr Arbeit haben, weil immer mehr Privatleute Kamine und Öfen im Haus haben?

Ja, die Kehrtätigkeiten haben wieder etwas zugenommen. Das merken wir schon. In den 1980er Jahren gab es einen Trend, dass viele offene Kamine eingebaut worden sind. Die wurden dann aber irgendwann nur noch sporadisch zu Ostern und Weihnachten angemacht. Später kamen dann immer mehr Kaminöfen und mittlerweile ist das ja ein absoluter Trend.

Was machen fast alle Ihre Kunden falsch?

Viele Kunden zünden den Kamin falsch an. Das liegt daran, dass sie häufig die Gebrauchsanweisung nicht gelesen haben. Sie kriegen ihn dann zwar irgendwie an, aber mehr schlecht als recht.

Was kann man denn da falsch machen? Man legt ein Holzstück rein, zündet es an, Tür zu und fertig. Oder nicht?

Die Größe des Holzstücks spielt eine große Rolle. Dann kommt es darauf ein, was für eine Feuerstätte es ist. Bei manchen zündet man den Haufen oben an, sodass es langsam herunterbrennt.

Sie können jetzt also nicht sagen, was generell richtig und falsch ist?

So pauschal leider nicht. Wenn ein Kaminbesitzer da unsicher ist, sollte er sich nochmal vom Schornsteinfeger beraten lassen. Bei den meisten Kaminöfen ist es aber so, dass man das Brenngut von oben wie eine Kerze herunterbrennen lässt. Früher hat man unten ein großes Stück Holz hineingelegt und kleinere Holzstücke wie ein Indianerzelt drumherum gestellt. Das macht man so eigentlich nicht mehr, denn so entsteht viel zu viel Rauch in der Anheizphase. Das kann dann auch für den Nachbarn unangenehm sein.

Apropos unangenehm: Wie häufig machen Sie Vogelnester weg?

Schwer zu sagen, mal häufiger, dann wieder ein paar Wochen gar nicht. Im Schnitt, würde ich sagen, ein Nest pro Woche. Dabei hat es nichts damit zu tun, ob die Häuser älter oder neuer sind. Früher hat man gesagt, dass jede Dohle, die in einem Schornstein groß geworden ist, sich auch selbst zum Nisten wieder einen sucht. Es gibt Gegenden, da sind mehr und Gegenden, da sind sie weniger. In Hannover-Seelze hatten wir weniger damit zu tun. In dem Kehrbezirk Bramsche-Achmer, in dem ich als Geselle war, habe ich es schon erlebt, dass ich am Vormittag ein Nest entfernt habe und kein Dohlengitter dabei hatte. Als ich am gleichen Tag nachmittags wiederkam, um das Gitter einzusetzen, war schon wieder der halbe Schornstein zu. Viele Häuser haben aber heute schon Dohlengitter montiert.

Gibt es in Ihrem Berufsleben irgendeinen Moment, der Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben ist?

Als ich noch den Kehrbezirk in Hannover hatte, rief mich die Redaktion der RTL2-Sendung „Zuhause im Glück“ an. Sie sanierten gerade ein Haus in meinem Kehrbezirk und fragten, ob ich mir das mal angucken könnte. Das war schon sehr interessant, wenn man da mal hinter die Kulissen gucken kann. Da wuseln eine ganze Menge Leute rum. Was man im Fernsehen sieht, entspricht schon der Realität. Ich hatte den Eindruck, dass es ein ganz nettes Team ist und auf der Baustelle gute Stimmung herrscht. Für die Abnahme der Heizung hatte ich dann aber einen Termin, nachdem die Dreharbeiten schon abgeschlossen waren.


Schornsteinfeger Jörg Bergmann sucht noch neue Mitarbeiter. Wer Interesse hat, kann sich bei ihm melden unter: 05461/7039424.


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