Am Thema vorbeigeplaudert Comedy statt politisches Kabarett im Bramscher Universum

Von Holger Schulze

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Das Programm von Sebastian Schnoy heißt „Dummikratie - Warum Deppen Idioten wählen“. Ein tolles Thema, dem sich der Kabarettist aber nur recht verschlüsselt annahm. Foto: Holger SchulzeDas Programm von Sebastian Schnoy heißt „Dummikratie - Warum Deppen Idioten wählen“. Ein tolles Thema, dem sich der Kabarettist aber nur recht verschlüsselt annahm. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Mehrere Kleinstkunstpreise, Fernsehauftritte und drei erfolgreiche Bücher sind die beruflichen Referenzen von Sebastian Schnoy. Am Mittwoch stand er im Rahmen des Kulturabos auf der Universumbühne. Sein Programm „Dummikratie - Warum Deppen Idioten wählen“ ließ vom Titel her politisches Kabarett erhoffen.

Zum Narrhallamarsch betrat Sebastian Schnoy die Bühne und legte mit einer Eröffnung los, die er im Anschluss als Populismus bezeichnen sollte. „Ein herzliches Willkommen in Bramsche, der schönsten Stadt in Niedersachsen“, fing er an und lobhudelte noch weiter mit der nicht zu übertreffenden Einkommensstruktur und dem absoluten Glücklichsein der Bewohner von Bramsche.

Versteht man unter Populismus ganz allgemein die Erzeugung bestimmter Stimmungen sowie die Verstärkung vorhandener Stimmungslagen für die eigenen Zwecke, so hatte Sebastian Schnoy den ganzen Abend Erfolg. Das Publikum war an nicht zu wenigen Stellen erheitert. Unterhaltsamkeit und gelegentlicher Tiefgang mit einer Prise Weltverbesserungsgedanken fehlten ebenfalls nicht.

Auch die Verbindung von Politischem mit Historischem gelang dem ehemaligen Studenten der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Politik und Psychologie. Die tagespolitischen Schlagzeilen des Brexits verband er ausführlich mit der Einheiratungshistorie deutscher Adeliger in das britische Königshaus, um danach wieder den Bogen in das Hier und Heute zu schlagen. Schnoys Überlegungen, was man nach dem Austritt der Briten aus der europäischen Gemeinschaft wohl boykottieren könnte, blieben mit Fish and Chips aber eher oberflächlich.

Sebastian Schnoy hatte zu Beginn seines Auftritts die Beschäftigung mit dem Rechts-, Links-, Liberal- und Konservativpopulismus versprochen. Natürlich fehlten da die erhobene Rechte in ostdeutschen Bundesländern und der christsoziale Heimatminister als politische Personifizierung der Fremdenabneigung nicht. Ferner schlug er die Integration von IS-Attentätern durch Arbeit, speziell als Zusteller bei DHL vor: „Paket vor die Tür legen und schnell weglaufen“ sei da die Jobbeschreibung. Und irgendwie schaffte es Sebastian Schnoy auch noch vor der Pause einen dänischen Kindergarten, die in Asien gefertigte Arbeitskleidung von Kellnern auf Sylt oder die in der Nordsee nicht mehr vorhandenen Schollen unterzubringen.

Nach der Pause ging es mit dem Linkspopulismus und weiteren politischen Strömungen weiter. Die Fortschrittsfeindlichkeit des Erstgenannten unterfütterte Sebastian Schnoy ausführlich mit witzigen Anekdoten aus der eigenen Kindheit. Dem Konservativpopulismus begegnete der Kabarettist mit der Aufforderung, doch mal das ewige Weiterso zu verlassen und nach 19 Uhr Weißglas in den Behälter für Buntglas zu werfen.

Wenig konturiert herausgearbeitet hatte Sebastian Schnoy die Wahl seines Programmtitels. Die daraus ableitbaren Hoffnungen auf ein wirklich politisches Kabarett wurden kaum erfüllt. Dies schmerzt, da die drei letzten Wahlen auf Bundes- oder Landesebene ebenso den Abend hätten füllen können, wie Fish and Chips, Heinrich Heines Wanderung auf dem Brocken oder die Frage, warum die Germanen immerzu nur betrunken sein konnten.

So war es eben mehr Comedy als politisches Kabarett, was dem Publikum serviert wurde. Dies zwar locker und gekonnt, doch auch recht deutlich an der erwarteten Thematik vorbeigeplaudert.


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