BN-Serie: Leben im Denkmal Ein kleines Museum im früheren Hof Klein Elhorn in Epe

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Epe. Traum und Lebensziel für die einen, teurer Horror für die anderen: Am Leben in einem denkmalgeschützten Haus scheiden sich die Geister. Was macht den Reiz alter Häuser aus? In der Serie „Leben im Denkmal“ wollen wir uns mit dieser Frage beschäftigen. Heute besuchen wir Ingberta und Gerhard Wirth in Epe.

Gerhard und Ingberta Wirth haben vor mehr als 20 Jahren den ehemaligen Hof Klein Elhorn am Bührener Esch 20 erworben und komplett renoviert. So weit zwar nicht alltäglich, aber auch nicht so ganz selten in der Region. Seltener ist schon, dass sich in einem ehemaligen Stallgebäude ein Hightech-Unternehmen befindet, die Firma Wikotec, die inzwischen Sohn Florian führt. Betritt man schließlich das liegevoll und detailgetreu renovierte Haupthaus oder eines der Nebengebäude, fühlt sich der Besucher in eine andere Welt versetzt. So muss der Sammlerhimmel aussehen oder das Paradies für Antiquitätenfreunde.

Faible für Fachwerkhäuser

Ingberta Wirth ist Mitglied im Bramscher Verein für bildende Kunst. Ihr Mann Gerhard hatte immer schon ein Faible für Fachwerkhäuser. Bis sich beide ihren Traum in Epe erfüllten, sollte allerdings einige Zeit ins Land gehen .Wirth war Betriebsleiter in einem Bramscher Unternehmen, das Ehepaar wohnte am Theodor-Heuss-Ring. Hier, in der Garage ihres Flachdachbungalows gründete Wirth die Firma Wikotec, die im Sommer 2018 die Netzwerktechnik für das Fernsehzentrum der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland lieferte. In der Garage hat das Unternehmen längst nicht mehr seinen Sitz und das hat viel mit der Liebe der Wirths zu alten Höfen zu tun.

1992 ergab sich für das Ehepaar die Gelegenheit, die Hofstelle an der Zufahrt zum Darnsee zu erwerben. Am heutigen Platz steht das Gebäudeensemble wohl seit dem Jahr 1841. Darauf deutet die Inschrift am Giebelbalken hin. Der Hof der Wirths hatte wohl mehrere Standorte. Allein der Name Elhorn (niederdeutsch „Ellern“ für Erlen und „Horn“ für Sumpf) deutet auf eine Lage in der morastigen Niederung am Darnsee hin. Auch der Name des 1512 genannten ersten Hofbewirtschafters Arnd by den Dyke (Deich) bezog sich wohl auf den nahen Darnsee. Dafür, dass das Gebäude mehrfach versetzt wurde, sprechen außerdem Kennzeichnungen im Holz der ehemaligen Durchfahrtscheune. „Man musste beim Umsetzen ja wissen, wo die Balken hingehören“, erklärt Gerhard Wirth.

Viele kleine Räume

Wirths fanden ein Haus vor mit zahlreichen kleinen Räumen, mit Zwischenwänden, die wohl eingezogen wurden, um nach dem Zweiten Weltkrieg Platz für Flüchtlingsfamilien zu schaffen. Innen waren noch die Scherwände erhalten, die den Wohnbereich des klassischen Zweiständerhauses vom Bereich für das Vieh abtrennten. Der alten Dame, die hier zuvor ein Wohnrecht hatte, war die Arbeit wohl zuviel geworden. „Auf der Diele stand noch ein Futterkessel“, erinnert sich Wirth. Die Neubesitzer entkernten das Wohngebäude komplett, nachdem die Firma bereits in einem ehemaligen Stall Quartier bezogen hatte. Die Scherwände wurden versetzt. Eine ist jetzt aus Glas, um ein wenig mehr Licht ins Gebäude zu lassen. Bis auf die moderne Küche und die Bäder ist das fast der einzige Kompromiss an modernes Wohnen. Im Großen und Ganzen befand sich das Gebäude in einem guten baulichen Zustand. Nur die Bodenschwellen mussten ersetzt werden und das Dach, dass mit Bitumen eingedeckt war. Die Fenster blieben an Ort und Stelle, sogar die knapp über dem Erdboden angebrachten „Mistfenster“ im früheren Stallbereich.

Suche nach Originalmaterialien

In den folgenden Monaten fuhr das Ehepaar Wirth durch die Lande auf der Suche noch originalgetreuen Materialien und wurde fündig. Von einem verfallenden Hof in Voltlage stammen die alten Dachpfannen, die Strohdocken, auf denen die Dachpfannen gelagert sind, aus Twistringen. In Achmer rettete Gerhard Wirth weitere alte Pfannen vor dem Container. Die Fliesen im großen, offenen Wohnbereich stammen von einem Bauernhof in Frankreich. Nicht so weit hatten es der Schneidertisch aus Rieste und die typischen Artländer Stühle. Auch auf dem Hof selbst wurde recycelt. Das Tor der Durchfahrtscheune wurde zur Haustür. Viel alte Handwerkskunst war während des Umbaus gefragt. Die Giebel mussten neu verschalt werden. „Dabei wurden erst die Bretter angebracht und dann die Fenster herausgeschnitten“, erzählt Ingberta Wirth. Aus diesen Platten wurden dann die Fensterläden gearbeitet. Die Kastenfenster blieben erhalten. Dünne Giebelzierleisten wurden angebracht und die Kacheln im Wohnbereich fugenlos angebracht.

Aus der Durchfahrtscheune wurde im Laufe der Renovierung das „Kinderhaus“, heute ist es Gerhard Wirth „Domizil“ und Übernachtungsmöglichkeit für Gäste. Dutzende Geweihe zeugen von seiner Jagdleidenschaft. Ingberta Wirth zeigt auf die unregelmäßig geformten Eichenbalken. „Die sind noch mit dem Beil bearbeitet“. Aus der ehemaligen Remise wurden überdachte Einstellplätze, im direkt daran anschließenden Gebäude richtete sich Sohn und Firmennachfolger Florian eine kleine, hochprofessionelle Brauerei ein. „Mein Sohn ist gelernter Braumeister“, klärt Ingberta auf. Altes handwerkliches Wissen war bei Restaurierung und Verlängerung der Bruchsteinmauer gefragt, die das Areal umschließt und ebenfalls unter Denkmalsschutz steht. Wirths waren begeistert vom Ergebnis. „Einmal im Leben“ seufzt Gerhard Wirth dennoch in Erinnerung an die Bauphase.

2000 Teddybären und eine Christbaumständersammlung

Die letzte Rose setzt einen Farbtupfer im November.

1995 waren die Arbeiten größtenteils abgeschlossen, Wirths zogen ein - und machten sich auf zu den Flohmärkten und Antiquitätenhändlern im Umland. Eine Hümmlinger Anrichte fand ihren Weg nach Epe, ein Doppelbett mit hoher Rückwand aus dem Nordkreis. Auf die obere Ablage legte man früher das Ersparte. „Daher kommt der Ausdruck ‚etwas auf der hohen Kante haben‘ “, erklärt Ingberta Wirth. Jeder Schrank, jeder Stuhl hat seine Geschichte. Jeder freie Balken, jeder Schrank zeugt von ihrer Sammelleidenschaft. Allein an die 2000 Teddys, gekauft oder selbst gemacht, dürften es mittlerweile sein, vermutet ihre Besitzerin, dazu Puppen, einige alt, andere neueren Datums. Traditionellem Geschirr gilt ebenfalls ihre Leidenschaft, besonders der Bunzlauer Keramik. „Und erst meine Christbaumständersammlung“, schmunzelt sie. Oder das „Lampenmuseum“, die geschwungenen, originalen Jugendstillampen, die als kunstvolles Arrangement über dem Essplatz ein sanftes Licht spenden. Oder die alten Küchen-Kleinmöbel. Oder die Schneebesen, Schöpfer, Rührlöffel, Steinguttöpfe, die alten Stoffe, die Bilder, darunter zwei des Bramscher Malers Gerhard Sperling, das Bauernleinen, aus denen sie die Vorhänge fertigte. „Ich kann schlecht etwas wegwerfen“, gibt sie zu. Für Gerhard Wirth könnte es manchmal etwas weniger sein, aber die Liebe zu schönen alten Dingen teilt er durchaus mit seiner Frau. „Es ist ein bisschen wie im Museum, aber das ist nun mal so“, sagt seine Frau.


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