Berufsorientierung mitgeprägt Hauptschule Bramsche verabschiedet Wilfried Gerke

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Bramsche. Er mag keine langen Reden. Das hatte Wilfried Gerke dem Team der Bramscher Hauptschule vor seinem letzten offiziellen Arbeitstag zu verstehen gegeben. Und so wurde der Sozialpädagoge mit kurzen Reden, einer Treckerfahrt und einem launigen „Rentner-Kompetenz-Feststellungsverfahren“ in den Ruhestand verabschiedet.

Da der Neu-Rentner in seiner Freizeit gern an alten Treckern herumschraubt, hatte die Schulgemeinschaft eine standesgemäße Abschiedsfahrt organisiert. Schulleiterin Hierse kutschierte Gerke, von La-Ola-Wellen der Schüler begleitet, höchstpersönlich über Masch- und Georgstraße. Für Sicherheit sorgte in neongelben Warnwesten „Gerkens R.B.P.-Team“ aus Hausmeister, Schulassistenten, Lehrern und Schulsozialarbeiterin.

„R.B.B. ist eine Anspielung auf Gerkes bekanntestes Projekt, den Berufsorientierungs-Parcours B.O.P.“, verriet Hierse später. In den letzten zwölf Jahren habe der Sozialpädagoge die Arbeit der Berufsorientierung an der Schule mitgeprägt. „Aber eigentlich sind diese Worte stark untertrieben“, so die Schulleiterin. „Herr Gerke hat mit den Kollegen der Hauptschule der Berufsorientierung ein Gesicht gegeben “. Gerke habe die Schülerfirma gegründet und den Kiosk geleitet. Dass er dabei durchaus Durchsetzungsvermögen auch den Lehrern gegenüber an den Tag gelegt habe, beschrieb Hierse mit einem Augenzwinkern wie folgt. „Wilfried klopft an die Klassentür, er kommt herein und fragt: ‚Stör ich?‘.Ob ja oder nein, ist ihm egal und er fragt weiter: ‚Habt ihr Leute für den Kiosk?‘. Zwei Schüler (oder mehr) stehen wortlos auf und folgen Wilfried in Richtung Kiosk. .. Und wieder sind zwei (oder mehr) dankbare Schüler weniger im Klassenraum. Und der Kiosk läuft‘“.

Fähigkeit zur Netzwerkarbeit

Eine weitere Stärke sei Gerkes Fähigkeit zur Netzwerkarbeit mit Betrieben, Berufsberatern und der Stadt gewesen. Er habe Stärkenanalysen und Kompetenzfeststellungsverfahren an der Schule etabliert und könne „zur Not innerhalb von 30 Minuten einen neuen Praktikumsplatz besorgen“. Gerkes „Stärke liegt auf jeden Fall darin, jeden Menschen so zu sehen und zu nehmen wie er ist und sich Zeit für seine Unterstützung zu nehmen“, lobte Hierse.“Von dieser Fähigkeit hätten viele Schüler profitiert.

Pahlmann: Der kann mit Leuten

Bürgermeister Heiner Pahlmann nahm ebenfalls Bezug auf die erwähnten Eigenschaften: „Schon vor Jahren habe ich gedacht: ‚Der kann mit den Leuten‘“. Gerke habe sich im Laufe der Jahre bei den Unternehmen vor Ort einen „Riesen-Vertrauensvorschuss“ erarbeitet, von dem alle Schüler profitiert hätten. Pahlmann deutete darüber hinaus an, Gerke werde wohl nicht gleich „Voll-Rentner“ werden. In Zusammenarbeit mit Stadtjugendpflegerin Stefanie Uhlenkamp ist ein Projekt an der Hauptschule geplant. Gerke organisiert weiter den Handwerkermarkt. Außerdem wisse man „beim Landespräventionsrat jetzt auch, wer ich bin“, deutete er an. Pahlmann nahm den Ball auf und verabschiedete den Sozialpädagogen mit den Worten „Ich freue mich auf weitere Zusammenarbeit“.

Nur mit zwei Reden kam Gerke allerdings nicht davon. Zunächst musste er beweisen, dass er auch zum Rentner taugt. Das „Rentner-Kompetenz-Feststellungsverfahren“ aus Rollatorparcours mit Ohrstöpseln und dicker Brille, dem Tänzchen mit der jungen Dame (Konrektorin Brigitte Cesar-Rothfeld), dem Nörgeltest und etlichen kleinen Gemeinheiten mehr, bestand er einigermaßen souverän. „An der Musik arbeiten wir noch“, grinste Dörte Hierse.

Gerke selbst meinte ein wenig nachdenklich: „Heute morgen hatte ich noch das Gefühl, es wäre ein ganz normaler Tag. Allmählich wird mir bewusst, dass es kein Tag ist wie jeder andere. Der Umgang mit den Jugendlichen wird mir sicher fehlen“.


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