Deutschlandfunk strahlt per Satellit aus 54 Minuten Gottesdienst in Malgarten auf 23 Seiten festgelegt

Von Holger Schulze

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Malgarten. Exakt 54 Minuten durfte der Gottesdienst der Weltmission in der Klosterkirche St. Johannes-Evangelist in Malgarten heute dauern. Grund hierfür war die Anwesenheit des Deutschlandfunks (DLF), der diesen Gottesdienst in einer Liveübertragung zwischen 10 und 11 Uhr per Satellit ausstrahlte.

Damit die vorgesehene Minutenvorgabe zuverlässig eingehalten wurde, war bereits im Vorfeld ein Zeitplan entworfen worden, der auf 23 Seiten festlegte, welcher Beitrag wie lange dauern darf. Ob diese Planungen in der Realität auch funktioniert, wurde am Samstagabend beim Vorabendgottesdienst schon einmal überprüft.

Ein Team vom Deutschlandfunk mit der Aufnahmeleiterin Caroline Michel und zwei weiteren Mitarbeitern hatte dazu am Samstag ab 15.30 Uhr mit dem Aufbau der Technik begonnen. Ab 18 Uhr saß Caroline Michel dann an der Stoppuhr im Übertragungswagen und überprüfte präzise alle Beträge auf ihre Übereinstimmung mit den angedachten Zeiten. Denn aufgezeichnet wurde der Gottesdienst nicht. Wie auch sonst stets live ging er am Sonntag in Echtzeit über den Sender.

„Absprach ist alles“, verrieten Caroline Michel und Ruth Beerbom, die als kirchliche Leitung und Rundfunkbeauftragte im Bistum Osnabrück ebenfalls vor Ort war, kurz vor dem Durchlauf am Samstagabend.

Dauert die Predigt länger als vorgesehen, können Liedstrophen oder Fürbitten weggelassen werden. Sprechen die Beteiligten während der Liveübertragung schneller als erwartet, dann kommt dem Organisten, am Sonntag war dies Michael Imsieke, zum Schluss die Schlüsselrolle hinsichtlich des passgenauen Endes zu. „Er muss dann eben so lange spielen, bis die rote Lampe angeht“, erklärte Caroline Michel. Denn Stille an den Radiogeräten der rund 300000 Zuhörerinnen und Zuhörern ist schlicht und einfach nicht vorgesehen.

Sieben Minuten und 20 Sekunden, diese Länge für seine Predigt hatte Pfarrer Tobias Kotte am Samstag bereits schon mal am Schreibtisch herausgefunden. Und damit blieben 20 Sekunden Luft gegenüber der Ausgangsplanung, die an anderen Stellen theoretisch überzogen werden durften.

Aufgeregter als sonst sei er aber nicht, schilderte Tobias Kotte seine Gefühlslage am Abend vor seinem Gottesdienst mit den bislang meisten Zuhörern, die er je als Einzelprediger gehabt hatte. „Ich bin positiv gespannt und freue mich, was jetzt kommt.“ Alles sei gut vorbereitet. „In der Probe ist man meistens zu lang“, wusste Caroline Michel aus Erfahrung zu berichten. Nicht so in Malgarten. Gut im Zeitplan sei es am Vorabend geblieben, hieß es am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst.

Dieser begann ungewohnt still. Das Glockengeläut wurde per Aufzeichnung vom Vorabend aus dem Rundfunkstudio eingespielt.

Nach einer kurzen Begrüßung der Hörer und Vorstellung der Klosterkirche durch Ruth Beerbom erklangen die Orgel und die beiden Chöre St. Cäcilia Malgarten und der Martinus-Chor Bramsche. Unter der Leitung von Tessa Witthans-Apel setzten sie gemeinsam mit der Gemeinde zum ersten Gesang an.

In seiner Predigt knüpfte Tobias Kotte an die Geschichte des blinden Bettlers Bartimäus an, der von Jesus wieder sehend gemacht wurde und ihm fortan folgte.

„Jeder Mensch braucht einen Zufluchtsort, an dem man sich sicher und geborgen fühlt und ruhig schlafen kann. In Sicherheit leben zu können und ein Dach über dem Kopf zu haben, ist ein menschliches Grundbedürfnis“, hielt Tobias Kotte fest. Auch andere Orte besäßen die Kraft, in der sich aufleben lässt. „Solch ein Zufluchtsort kann auch ein Mensch sein, der einem gut tut und der einen versteht.“ So einen Menschen traf Bartimäus in der Begegnung mit Jesus.

Jesus wird für Bartimäus zum Zufluchtsort, „wie für uns Gott Zuflucht und Stern ist“, setzte Kotte die Predigt fort und wies gegen Ende auf die vielen Menschen hin, die keinen Zufluchtsort hätten. Etwa „wenn ein ganzer Kontinent dicht macht und sich um das Schicksal schutzloser Menschen in seeuntüchtigen Booten auf dem Mittelmeer nicht kümmert“ – oder „weil Vertreter der Kirche den ihnen anvertrauten Menschen unsagbares Leid angetan haben“.

„Wenn Gott uns Zuflucht und Stärke ist, dann sind auch wir gerufen, geraden den Ungeborgenen und Leidenden Zufluchtsort und Stärkung zu sein, so gut wir nur können“, appellierte Kotte an die Zuhörer der Predigt.

Insgesamt verlief der Rundfunkgottesdienst wie geplant. Und Michael Imsieke legte an der Orgel zum Schluss eine absolute Punktlandung hin. Sein letzter Ton fiel präzise mit dem Aufleuchten der roten Lampe, die das Sendeende anzeigte, zusammen.


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