Beeindruckendes Konzert Meister des Pianissimo: Alexandre Tharaud in Malgarten

Von Jan Kampmeier

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Alexandre Tharaud in der Konzertscheune Malgarten. Foto: Thomas OsterfeldAlexandre Tharaud in der Konzertscheune Malgarten. Foto: Thomas Osterfeld

Bramsche. Alexandre Tharaud spielte in der Konzertscheune Malgarten Musik von Couperin, Beethoven und Debussy und beeindruckte dabei mit sensiblem Anschlag.

Eigentlich hat Francois Couperin diese Stücke ja für Cembalo komponiert, aber in der Malgartener Konzertscheune steht ein moderner Flügel. Der Künstler des Abends ist allerdings ohnehin bislang nicht als Cembalist aufgefallen, als Pianist hingegen sehr wohl: Mit Alexandre Tharaud hatte, wieder mal, ein großes Tier der Tastenszene den Weg nach Malgarten gefunden. Gerade mit der französischen Barockmusik, aus der die sechs Stücke Couperins stammen, mit denen Tharaud sein Konzert begann, feierte er Erfolge. Warum das so ist, wurde am Freitagabend auch schnell klar: Es ist sein Anschlag, extrem nuanciert, fein und sensibel.

Abgesehen von einem motorischen Finale wählte der Pianist solche Stücke von Couperin aus, mit denen er in getragenem Vortrag eine verträumte Stimmung schaffen konnte. Zwar gab es mitunter erstaunlich plötzliche Akzente, meist herrschte aber äußerstes Pianissimo. Das rechte Pedal wurde gar nicht wenig verwendet, aber dennoch blieb der Vortrag filigran. Alexandre Tharaud spielte außerdem so frei, dass die Stücke wie improvisiert wirkten – kein schlechtes Indiz für die Qualität seines Spiels.

Dabei spielte der Pianist, eher ungewöhnlich, sein gesamtes Programm nach Noten, auch die beiden Beethoven Sonaten, die er gerade auf CD herausgebracht hat, und Debussys „Prélude à l’après-midi d‘ un faune“, das er selbst für Klavier bearbeitet hat. Zwei der verklärten späten Sonaten Beethovens sind das, op. 109 und op. 111, die er nach Malgarten mitbrachte und die er im Tempo immer wieder überraschend frei interpretierte. Auch hier präsentierte er sich als Meister des Pianissimo, das Donnern und Stürmen hingegen lag ihm ziemlich fern. Jedenfalls zunächst, die Sonate op. 111, nach der Pause, klang schließlich doch zorniger, als nach dem bisher gehörten zu erwarten war. Freilich war das auch hier nur der Kontrast zu sehr sanften Stimmungen.

Teilweise war Alexandre Tharaud ausgesprochen eigenwillig: Warum nur hob er kurz vor Schluss das ständig wiederholte e in der linken Hand derart hervor, dass man die zarte Oberstimme nicht mehr hörte? Vor der Zugabe rief er: „Scarlatti!“ Vermutlich wäre da kaum jemand drauf gekommen, denn statt verspielter Motorik präsentierte er ein extrem ruhiges Stück – im Pianissimo natürlich. Erst der zweite Scarlatti erfüllte die Erwartungen. Eigenwillig spielte Alexandre Tharaud auch hier, aber brillant.


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