Rätselhafte Erkrankung Bramscher Fibromyalgie-Gruppe: Werben um Verständnis

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Schmerzen, Erschöpfung, nichts geht mehr - das ist ein Zustand, den Fibromyalgie-Patienten nur zu gut kennen. Symbolfoto: Abbott/obsSchmerzen, Erschöpfung, nichts geht mehr - das ist ein Zustand, den Fibromyalgie-Patienten nur zu gut kennen. Symbolfoto: Abbott/obs

Hesepe. Schmerzen am ganzen Körper, ohne dass sich bei Untersuchungen etwas findet. Die Betroffenen leiden, doch erst allmählich setzt die die Fibromyalgie als eigenständiger Krankheitsbegriff durch. Doris Fänger und Inge Kosanke leiten die Bramscher Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe, in der die Erkrankten Verständnis und Unterstützung finden.

Die Heseperin Fänger erinnert sich noch genau, wie alles anfing. Sie war noch eine junge Frau, hatte gerade eine Krebserkrankung überstanden, als sie beim Einkauf mit ihrer kleinen Tochter eine bleierne Müdigkeit überfiel„Ich habe gedacht, ich komme mit dem Kinderwagen nicht nach Hause“, erinnert sie sich. Im ganzen Körper schmerzten die Muskeln. „Es ist wie ein ganz schlimmer Muskelkater“, fügt Inge Pösse hinzu, die ebenfalls schon an die 40 Jahre unter den immer wiederkehrenden Schmerzen leidet. „Man funktioniert einfach nicht mehr“, sagt sie..

Fibromyalgie steht für „Faser-Muskel-Schmerz“. Heute zählen Ärzte diesen Zustand von tiefen Muskelschmerzen, Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafproblemen zu den Schmerzsyndromen. Oft kommen Depressionen und Angstzustände dazu. Ursachen sind letztlich nicht bekannt. Vermutet wird eine Störung in der Schmerzverarbeitung, auch genetische Faktoren werden nicht ausgeschlossen. Gängige Schmerzmittel schlagen häufig nicht an, was das Leiden der Betroffenen noch weiter verstärkt.

Früher wenig Verständnis

Bei Doris Fänger und Inge Pösse folgte der klassische Ärzte-Marathon. Früher gab es da wenig Verständnis. „Sie haben nichts“, mussten beide immer wieder hören. Aber die Schmerzen und die Erschöpfung blieben. In einem Krankenhaus hörte Fänger erstmals das Wort „Fibromyalgie“, verbunden mit dem Satz: „Sie sterben schon nicht daran“. Heute werde die Diagnose meist früher gestellt. Mehr Verständnis bedeute das allerdings nicht zwangsläufig. „Ach, Sie haben diese neumodische Krankheit, die es gar nicht gibt“, zitiert Fänger eine Psysiotherapeutin. Besonders lange ist das noch nicht her.

Erst ein Kuraufenthalt öffnete ihr damals Perspektiven im Umgang mit der Erkrankung. Ich habe mir einfach gesagt, ‚du hast jetzt den Krebs überstanden, dann wirst zu das auch schaffen‘“, sagt sie. Heute nimmt sie sich ihre Pausen, wenn nichts mehr geht, legt sich hin und gönnt sich die Ruhe, die der Körper fordert. Aber sie weiß auch: „Der Partner muss das schon mitmachen“.

Druck auf die „Tenderpunkte“

Inge Pösse nickt. Sie war erst Anfang 20, als sich die Fibromyalgie kurz nach dem Tod ihrer Mutter erstmals bemerkbar machte. Bei ihr stellte ein Rheumatologe die Diagnose, in dem er die für das Krankheitsbild typischen „Tenderpunkte“ drückte, Stellen am Körper, die bei Fibromyalgiepatienten ganz besonders schmerzempfindlich sind. An den Beschwerden selbst änderte sich nichts. Das Schlimmste sei, so berichten beide Frauen, dass die Schmerzschübe, die Erschöpfung und die Schweißausbrüche ganz plötzlich aufträten.“Dann fühle ich mich manchmal, als hätte mich ein Bus überrollt“, sagt Pösse. Auch sie musste einen Weg finden, mit der Krankheit umzugehen: „Ich habe gelernt, die Krankheit nicht zu bekämpfen, sondern das Beste daraus zu machen. Man muss für sich sorgen und sich gegebenenfalls von Menschen trennen, die einem nicht gut tun.“ Dann lacht Ingrid Pösse: „Für mich gibt‘s das Waldbaden‘, von dem jetzt so viele reden, schon lange. Wenn ich in den Wald gehe, dann geht‘s mir gut“.

Erfahrungen austauschen

Solche Erfahrungen sind es, die den Nutzen der Selbsthilfegruppe ausmachen. Die Mitglieder sind fast ausschließlich Frauen und „der einen hilft Bewegung, der anderen Entspannungsübungen, wieder anderen einfach Ruhe oder Wärme“. Manche sprechen gut auf Antidepressiva an, manche finden irgendwann doch ein Schmerzmittel, das ihnen hilft.

Etwa zehn Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren gehören derzeit dem „harten Kern“ der Gruppe an. Gern würden sie jüngere Mitglieder dazugewinnen. Allerdings erwies sich das meist als schwierig. Einige kamen und verabschiedeten sich bald wieder. „Die jungen Frauen, die im Beruf stehen und Kinder zu versorgen haben, haben vielleicht andere Probleme als wir“, überlegt Doris Fänger.

Die kleine Bramscher Gruppe arbeitet viel mit der Dammer Selbsthilfegruppe Fibromyalgie zusammen. „Wir haben schon eine ganzheitliche Schmerzklinik besucht. Wir informieren uns zum Beispiel über Ernährung. Die Dammer laden auch Ärzte und Therapeuten ein, die wir mit unserem kleinen Budget gar nicht bezahlen könnten. Daran können wir dann auch teilnehmen“, freuen sich Fänger und Pösse.

Fänger leitet die Gruppe gemeinsam mit Ingeborg Kosanke. Fänger ist telefonisch erreichbar unter 05461/2192. Kontakte vermittelt außerdem Claudia Rottmann vom Büro für Selbsthilfe und Ehrenamt beim Landkreis Osnabrück, Tel: 0541/5018317 oder per Email an claudia.rottmann@lkos.de.


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