Unterstützt durch Nyendo-Netzwerk Vortrag in Evinghausen über Slum-Schule in Kenia

Von Holger Schulze

In einem Vortrag an der Waldorfschule Evinghausen zeigte Charles Oduor auf, dass jeder die Möglichkeit besitzt, in seinem Rahmen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Foto: Holger SchulzeIn einem Vortrag an der Waldorfschule Evinghausen zeigte Charles Oduor auf, dass jeder die Möglichkeit besitzt, in seinem Rahmen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Foto: Holger Schulze

Evinghausen. Besuch aus Kenia in Evinghausen: Charles Oduor berichtete über die Five Star School, eine Selbsthilfeschule im Kangemi-Slum von Nairobi, die von der hiesigen Waldorfschule über das Nyendo-Netzwerk unterstützt wird.

„Dort tun Menschen eine absolut notwendige Arbeit, um diese Welt besser zu gestalten. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue zutiefst beeindruckt und überwältigt“, so begrüßte Alexander Piecha. Lehrer an der Waldorfschule und dort Organisator des Nyendo-Netzwerkes, das Publikum zu dem Vortrag von Charles Oduor. Der Leiter der Five Star School ist zurzeit Gast in Deutschland, um weitere Partnerschulen für die 14 Slumschulen in Nairobi zu gewinnen. Seit Anfang des Jahres wird die Schule von Charles Oduor durch Schülerinnen und Schüler aus Evinghausen unterstützt.

Kenai ein Land der Widersprüche

Rein auf die Sachebene abgestellt, erhielten die Zuhörer im Bauernhaus durch Charles Oduors lebhafte Schilderungen ein Bild von Kenia als einem Land im Widerspruch zwischen einer üppigen, artenreichen Natur und weltweit erfolgreichen Langstreckenläufern einerseits, sowie, im Kontrast hierzu, bitterarmen Menschen im Slum von Nairobi. Von den vier Millionen Einwohnern dieser Metropole leben drei Millionen in Wellblechhütten neben offenen Abwasserkloaken und Plastikhalden. Gerade mal zwei staatliche Schulen sind dort zu finden. Nicht die Frage, was aus stets bis an den Rand gefüllten Regalen und Tiefkühltruhen heute auf den Tisch kommt, sondern ob an diesem Tag überhaupt irgendetwas an Essen da sein wird, fokussiert in aller Regel das Denken und Handeln dieser drei Millionen Menschen.

„Ich bin der reichste Mensch auf diesem Planeten“, so hatte sich Oduor dem Publikum zu Beginn seines Vortrags vorgestellt. Und dies sollte keinesfalls der einzige Satz bleiben, mit dem der Schulleiter seine Zuhörer verblüffte und zum nachdenklichen Innehalten anregte. Bereits die Begründung für dieses Lebensgefühl setzte seinen Unterricht in der Kunst, ein glückliches Dasein unter schwierigsten Bedingungen zu führen, eindrucksvoll fort.

Das Können, mit Armut umzugehen und die Fähigkeit, hart zu arbeiten, würden ihn derart reich sein lassen, teilte Oduor dem Publikum mit. Als Kind eines Tagelöhners, der durch 12-stündige Arbeit an sieben Tagen in der Woche seinem Sohn den Schulabschluss ermöglichte, war er nach der Schulzeit nach Nairobi gezogen, in der Hoffnung, dort ausreichend Geld für ein besseres Leben zu verdienen, inklusive der Möglichkeit, nun seine Eltern unterstützen zu können. Doch er landete bei Verwandten im Slum.

„Wer du bist und was du hast, ist genug, um dein Leben zu verändern und anderen Menschen zu helfen“, mit dieser Motivation macht sich Oduor auf seinen Lebensweg als Lehrer. Mit 23 Jahren gründete er die Five Star Schule, in der heute 264 Kinder unterrichtet werden. Doch der Lehrerberuf an einer Slumschule bedeutet, im Monat nicht mehr als 50 Euro zu verdienen, bei einem ähnlichen Preisniveau in den Supermärkten wie in Deutschland. Ferner erhalten die Slumlehrer während der gesetzlich festgelegten Ferien von vier Monaten im Jahr gar kein Geld und unterrichten dennoch größtenteils Kinder, die kein Schulgeld bezahlen können. Der Tatsache, dass Kinder während des Unterrichts ohnmächtig werden, weil sie zu lange kein Essen hatten, begegnet Oduor mit einem kleinen Schulgarten auf dem Pausenhof. Seine Frau führt einen bescheidenen Krämerladen und spendet vom kargen Gewinn Mehl für die Schulkinder.

„Geld ist nicht das Problem, sondern das Problem ist im Kopf. Denn egal, wie wenig du hast, es ist immer noch genug, um damit anzufangen, das Leben zu verbessern. Die meisten Menschen scheitern im Leben, weil sie nicht starten. Mach, was du tun kannst. Meine Vision für die Zukunft ist die: Ich möchte meinen Beitrag im Slum leisten. Und weitermachen, was auch immer geschieht.“ All dies waren nicht nur wohlgesetzte Wort in einem durchdachten Vortrag. Charles Oduor strahlte dabei eine Energie aus, die das Gesagte ohne jeden Zweifel als vorgelebte Realität und unter noch so schwierigen Umständen umsetzbar erscheinen ließ.

Auf die Frage, was man denn in Deutschland den Kindern beibringen sollte, antwortete Charles Oduor schlicht: „An sich zu glauben. Den Ort, an dem sie leben, und die Gemeinschaft dort zu lieben und zu sehen, dass es in dem Land, in dem sie leben, auch von ihnen abhängt, ob es ein besserer Platz auf diesem Planeten wird.“

Weiterführende Informationen über das Nyendo-Netzwerk enthält die Internetseite www.nyendo-lernen.de. Der Kontakt zur hiesigen Nyendogruppe kann per E-Mail unter piecha@waldorfschule-evinghausen.de aufgenommen werden.


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