Nyendo-Projekt vertieft Besuch aus Nairobi an Waldorfschule Evinghausen

Von Holger Schulze

Die Mitarbeiter im Nyendo-Netz an der Waldorfschule Evinghausen erhielten Besuch vom Charles Oduor, (vorne in der Mitte) dem Schulleiter der Five Star School, der Partnerschule in Kenia. Foto: Holger SchulzeDie Mitarbeiter im Nyendo-Netz an der Waldorfschule Evinghausen erhielten Besuch vom Charles Oduor, (vorne in der Mitte) dem Schulleiter der Five Star School, der Partnerschule in Kenia. Foto: Holger Schulze

Evinghausen. Besuch aus Nairobi hat die Waldorfschule Evinghausen: Charles Oduor, Leiter einer Selbsthilfe-Schule in einem Slum der kenianischen Hauptstadt, festigt den Kontakt zur Nyendo-Gruppe der Waldorfschule. Am Samstag, 20. Oktober, berichtet er in einem Vortrag über seine Arbeit.

Seit Anfang des Jahres ist die Waldorfschule Evinghausen Mitglied im Nyendo-Netzwerk. Dies ist ein Zusammenschluss von 14 Schulen in Kenia und bislang vier Schulen in Deutschland. Konkret besteht eine Zusammenarbeit zwischen der hiesigen Waldorfschule und der Five Star School in Nairobi. Rund 20 der Evinghauser Schüler aus den Klassen neun bis 12 arbeiten derzeit aktiv im Netzwerk mit und haben bereits verschiedene Geschäftsideen entwickelt.

Kontakte knüpfen

Dieser Tage erhielt die Schule Besuch aus Nairobi. Charles Oduor, der Gründer und Leiter der Five Star School, einer Selbsthilfeschule im Kangemi Slum von Nairobi, ist momentan in Deutschland zu Gast, um persönliche Kontakte zu den Mitarbeitern der Nyendo-Gruppe in Evinghausen herzustellen und weitere Schule in der Region für das das Netzwerk zu gewinnen.

Nyendo ist ein Wort aus dem Suaheli. Es bedeutet „Bewegung“. Etwas in Bewegung zu bringen, darum geht es auch bei diesem Netzwerk.Das Engagement im Nyendo-Netzwerk ist freiwillig, aber verbindlich und findet außerhalb des Schulbetriebes statt . In den gegründeten Schülerfirmen wird jahrgangsübergreifend und im Team zusammengearbeitet. Die Netzwerker entwickeln eine nachhaltige Geschäftsidee mit dem konkreten Ziel, 5000 Euro im Jahr zu erwirtschaften. Dieser Erlös wird der jeweiligen Partnerschule im Entwicklungsland geschenkt.

Die teilnehmenden Schüler aus Evinghausen können auf Wunsch das in der 12. Klasse obligatorische Sozialpraktikum in ihrer Partnerschule ableisten, vorausgesetzt, sie haben davor zwei Jahre in der Schülerfirma mitgearbeitet und mindestens zwei Mal an den Klausurtagungen aller Mitgliedsschulen teilgenommen.

Den Besuch von Charles Oduor in Evinghausen eröffnete sein Vortrag mit Fotos vor den Klassen fünf bis 12. Anschließend stand der Kenianische Schulleiter nochmals den Jahrgängen acht bis 11 in Einzelbesuchen Rede und Antwort. Abgeschlossen wurde der Besuchstag durch einen Austausch mit den Mitgliedern des Nyendo-Netzwerkes von Evinghausen. Hier erhielte die Schüler Gelegenheit, ihre aktuellen Aktivitäten vorzustellen.

Pfandspenden

So bietet die Gruppe schulintern für Elternsprechtage, Klassenspiele und sonstige Veranstaltungen einen Catering-Service an. Dieses Angebot wurde bereits gut angenommen und hat für einen erfreulichen Gewinn gesorgt.Eine weitere Einnahmequelle ist die Pfandtonne auf dem Schulgelände, in der Pfandflaschen abgegeben werden können, die dann von den Nyendo-Schülern für die Partnerschule zu Geld gemacht werden.

Schülerfirma

Den aus einer Facharbeit vor zwei Jahren resultierenden Online-Shop für mit einem Schulslogan bedruckte Fairtrade-Kleidung aus Biobaumwolle wollen einige Zwölftklässler in eine Schülerfirma umwandeln und ausbauen.

Ferner beseht der Plan, in Zusammenarbeit mit CocoVita, einer kleinen Gemeinschaft von Kokosbauern aus Kaloleni, zwischen Mombasa und Kilifi an der Küste des Indischen Ozeans gelegen, hochwertiges Kokosöl zu importieren, um es hier in Deutschland zu vermarkten. Diese Idee ist besonders bestechend, weil sie armen Kenianern auf dem Land ein Einkommen verschafft und ihnen hilft, gegen die massive Abholzung zu kämpfen, während die Gewinne aus dem Verkauf auch wieder nach Kenia zurückfließen.

Erfolg mit Tombola

Bereits sehr erfolgreich ist die Idee, auf dem Basar der Waldorfschule eine Tombola zugunsten der Partnerschule zu veranstalten. 2017 konnten alleine damit schon 1000 Euro eingenommen werden. Es besteht die Hoffnung, auch in 2018 einen Betrag erwirtschaften zu können, der die Finanzierung einer Wasserversorgung für die Partnerschule in Kenia Realität werden lässt.

Einer der Zwölftklässler, der jetzt für Nyendo aktiv ist, hat im elften Schuljahr als Facharbeit ein kartenbasiertes Lernspiel zur Geografie entwickelt, das bei der Vorstellung vor dem Kollegium so eine positive Resonanz erfuhr, dass er mit Hilfe der anderen nun versuchen will, es drucken und vermarkten zu lassen. Noch in den Startlöchern steckt die Idee, alte Weinflaschen so abzuschneiden und die Schnittkanten zu glätten, dass daraus stylische Trinkgläser und Lampenfassungen entstehen.

Vortrag

Nyendo ist eine Win-Win-Geschichte. Und so bekamen die Schüler bei dem Gespräch mit Charles Oduor auch etwas zurück. Seine Biographie, aus der er in Auszügen berichtete, ist der lebendige Beweis dafür, dass man das, was man wirklich will, auch unter schwierigen Bedingungen schaffen kann. Aus ärmsten Verhältnissen stammend, gelang es ihm ohne entsprechende Ausbildung eine Anstellung als Lehrer zu erhalten. Mit nur 23 Jahren gründete er dann mit einem Startkapital von nicht einmal zehn Euro die Five Star School, die heute von über 200 Kindern und Jugendlichen besucht wird.

Am Samstag, 20. Oktober, ab 20 Uhr, wird Charles Oduor im Bauernhaus der Waldorfschule öffentlich von der Arbeit in den Slumschulen berichten.


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