Wenn die Seele leidet Psychisch Erkrankte in Bramsche suchen den Austausch

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Frank Wendland arbeitet bei „Impuls“ an der Hermann-Bohne-Straße im Elektrobereich und leitet die Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeFrank Wendland arbeitet bei „Impuls“ an der Hermann-Bohne-Straße im Elektrobereich und leitet die Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Ein freundliches Lächeln, ein fester Händedruck. Frank Wendland geht es gut hier bei „Impuls“ der an der Hermann-Bohne-Straße - so gut, dass er die Leitung der Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Erkrankungen übernommen hat und eine Ausbildung zum Genesungsbegleiter macht. Aber das war nicht immer so.

Menschen mit den verschiedensten psychischen Erkrankungen treffen sich im Begegnungs-Café in den Niels-Stensen-Kliniken, die Selbsthilfegruppe hat ihren Standort mittlerweile aus der Wohnanlage am Trentel ins Forum Martinum verlagert. Es sind Menschen dabei, die unter Psychosen leiden aber auch Burnout-Patienten, Menschen mit Depressionen, Ängsten oder Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). So wie Frank Wendland. Freimütig berichtet Wendland, der sich bis vor Kurzem noch auf dem ersten Arbeitsmarkt durchschlug, von seinem Leben, bevor ihm Körper und Psyche Halt geboten, weil der Druck einfach zu groß wurde. Mehrere Bandscheibenvorfälle hatte er damals schon hinter sich und einen Schlaganfall, nach dem er sich wieder ins Leben kämpfte.

Jahrelang geschlagen

Im Rückblick meint Wendland jetzt: „Eigentlich ist mir erst nach dem Schlaganfall vieles bewusst geworden.“ Mittlerweile fällt es ihm nicht mehr so schwer, von seiner Vergangenheit zu sprechen: Wie er immer wieder von seinem Vater, einem Boxer, geschlagen wurde. Wie er mit ansehen musste, wie der Vater auch die Mutter verprügelte. „Ich habe damals versucht, das irgendwie nicht an mich rankommen zu lassen. Ich habe mir vorgestellt, du sitzt jetzt auf einem Stuhl daneben und schaust nur zu“, erinnert er sich. Das funktionierte eine gewisse Zeit, dann meldeten Körper und Psyche sich mit Angstzuständen und Panikattacken. Ein mehrwöchiger Klinikaufenthalt schloss sich an, der zwar bis zu einem gewissen Grad Besserung brachte, das latente Gefühl, nichts wert zu sein und nichts zu schaffen, aber blieb.

Wendland arbeitete als LKW-Fahrer, begann eine Ausbildung als KFZ-Mechatroniker, brach sie aber ab. Auch eine zweite Ausbildung als Kommunikationselektroniker brach er ab. „Ich habe mir einfach nichts zugetraut“, meint er im Rückblick. Anschließend arbeitete er jahrelang als Fahrer, verdiente sein Geld, heiratete. „Aber ich bin nicht einen einzigen Tag gern zur Arbeit gegangen“, gibt er zu. Er fühlte sich unter Druck, hatte Angst, zu fahren, den Erwartungen des Chefs nicht zu genügen, wurde immer wieder krank. Schließlich kam die Kündigung, in der Folge gerichtliche Auseinandersetzungen, weitere Therapien.

„Durch das Café, das ich immer besucht habe, ist schließlich die Idee entstanden, es hier in der Werkstatt zu versuchen“, erzählt Wendland weiter. Silke Tiltmann-große Sextro von der HpH ist Ansprechpartnerin für die Menschen mit psychischen Problemen. Durch sie und durch seinen Vorgänger als Leiter der Selbsthilfegruppe, Florian Schumacher, entwickelte sich die Idee, zu „Impuls“ zu wechseln, einem Unternehmen der HpH. „Hier habe ich mehr Freiheiten, hier ist der Druck nicht so groß“, sagt Wendland. Er arbeitet im Elektrobereich, repariert auch schon mal Motoren, wenn an den Fahrzeugen Probleme auftreten. Es ist eine Erleichterung für ihn. Doch dann wirkt er nachdenklich: „Da hat man sein ganzes Leben gearbeitet und sitzt dann hier....“.

Die Stärken gesehen

Bei „Impuls“ sah man eher seine Stärken. Schon unmittelbar nach seinem Arbeitsbeginn ermunterte man ihn, die Leitung der Gruppe zu übernehmen und gleichzeitig eine Ausbildung zum Genesungsbegleiter zu absolvieren. „Genesungsbegleiter sind Menschen, die selbst Psychiatrieerfahrungen haben. Wir wissen, wie man sich fühlt, besser als jeder Arzt und Therapeut“, ist Wendland überzeugt. Die Ausbildung dauert ein Jahr. Seine Familie gibt ihm dabei großen Rückhalt. „Wir schaffen das schon“, zitiert Wendland seine Frau.

Die Selbsthilfegruppe besteht seit zwei Jahren und ist gerade dabei, sich neu aufzustellen. „Wir sprechen über unsere Erkrankungen, aber auch über Wege, die Betroffenen offen stehen“, sagt Wendland. Gemeinsame Unternehmungen stehen ebenfalls auf dem Plan. Am wichtigsten ist aber der Austausch. Dabei komme es nicht darauf an, wie viele Teilnehmer die Gruppenabende besuchen. „Auch wenn einmal nur zwei kommen, die brauchen uns“,ist er überzeugt und fügt hinzu: „Wenn danach jemand gut zufrieden ist oder lacht, dann geht‘s mir gut.


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