Restaurant ohne Strom Streit um Bramscher „Spritzenhaus“ eskaliert immer mehr

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Nach acht Jahren soll Ende 2018 Schluss sein im Spritzenhaus für Marion Wehrmann-Cook. Vorzeitig aufgeben will sie trotz der Streitigkeiten mit der Eigentümerin des Gebäudes „auf keinen Fall“. Foto: Eva VoßNach acht Jahren soll Ende 2018 Schluss sein im Spritzenhaus für Marion Wehrmann-Cook. Vorzeitig aufgeben will sie trotz der Streitigkeiten mit der Eigentümerin des Gebäudes „auf keinen Fall“. Foto: Eva Voß

Bramsche. Die Streitigkeiten um das Bramscher Restaurant „Spritzenhaus“ zwischen der Immobilien-Eigentümerin und der Pächterin eskalieren zusehends. Sogar die Polizei war mittlerweile schon beteiligt.

Eine Facebook-Nutzerin berichtete am Montagabend in der Gruppe „Bramsche…hier bin ich Zuhause“, was sie zuvor beim „Spritzenhaus“ erlebt hatte. Demnach habe sie dort weder telefonisch noch vor Ort etwas zu essen bestellen können, weil laut Wirtin der Strom abgestellt worden sei und auch der Technikraum für sie nicht zugänglich sei. Nach etwa einer Stunde sei „eine ältere Dame in Jogginghose“, offenbar Verpächterin vom Spritzenhaus „mit Polizei angerückt“. Kurz darauf war nach dieser Schilderung „der Strom da, die Wirtsleute voller Hoffnung, alle nun kommenden Gäste nicht mehr wegschicken zu müssen“. Doch plötzlich „ging der Trakt im Küchenbereich, wie Abzugshaube und Gasherd nicht“. In der ganzen Zeit ihres Verweilens, so schildert es die Facebook-Nutzerin weiter, „entschuldigte sich die Wirtin mit Tränen in den Augen bei den Gästen, die sie leider Gottes wieder nach Hause schicken musste.“

Anwalt: Stromleitungen überlastet

Dass der Strom durch die Eigentümerin der Spritzenhaus-Immobilie abgestellt worden sei, bezeichnet deren Rechtsanwalt Norbert Gieseke dagegen auf Anfrage unserer Redaktion als „schlicht und ergreifend Quatsch“. Es gebe eine Überlastung durch die zahlreichen Elektrogeräte, die das Restaurant betreibe. Dadurch sei es in der Vergangenheit „ungefähr ein Mal im Monat“ zum Stromausfall gekommen, mittlerweile sei das aber „alle paar Stunden. Und meine Mandantin muss dann jedes Mal dahin“. Zugang zum Technikraum habe die Pächterin des „Spritzenhaus“-Restaurants tatsächlich nicht, „weil da schon des Öfteren Anschlüsse unfachmännisch selbst gelegt wurden“, so Gieseke, der auch anfügt, dass die Miete seitens der Restaurantbetreiberin „vorgreiflich“ und ohne Grundlage halbiert worden sei.

Worte, die Marion Wehrmann-Cook – die Wirtin – fassungslos machen: „Das stimmt doch so alles gar nicht“, sagt sie. Die Miete habe sie gemindert nach der erfolglosen Aufforderung mit Fristsetzung, den Bauzaun und das Gerüst vor dem Spritzenhaus „endlich zu entfernen, weil sie den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen“. Zu Stromausfällen sei es nur sehr vereinzelt gekommen. Mal durch einen Defekt an der Spülmaschine; in der vergangenen Woche dann, „als wir ein defektes Kabel selbst reparieren wollten und versehentlich einen Kurzschluss verursacht haben“, so Wehrmann-Cook.

Am Montag hingegen sei der Strom bereits abgestellt gewesen, als sie gegen 15 Uhr im Restaurant angekommen sei. Erst nach Stunden sei dann die Eigentümerin aufgetaucht und habe im Technikraum den Sicherungsschalter wieder umgelegt – allerdings nur für den Gastraum, „nicht aber für die Küche, wie wir dann erst etwas später bemerkt haben“, berichtet Wehrmann-Cook. Die Folge: „Wir mussten alle Gäste nach Hause schicken“. So sei es auch am Feiertag 3. Oktober schon einmal gewesen. Stand Mittwoch war die Stromversorgung nach ihren Worten noch immer nicht vollständig wiederhergestellt. Gekocht werden konnte nicht, da der Gasherd mit der elektrisch betriebenen Dunstabzugshaube gekoppelt ist. „Und die Heizung geht auch nicht“, ergänzt Wehrmann-Cook, die deshalb am Mittwoch erneut vorzeitig schließen musste.

Wirtin „stinksauer

Die langjährige Wirtin ist mittlerweile „einfach nur noch stinksauer“, wie sie sagt. „Wir haben am 24. Dezember das letzte Mal geöffnet. Ich habe meinen Gästen versprochen, diese letzten Wochen auf jeden Fall noch durchzuziehen – dabei bleibt es auch, und ich werde mich mit allen juristischen Mitteln gegen weitere Schikanierungen wehren“, sagt Wehrmann-Cook.

Was aber hatte es nun eigentlich mit dem Polizei-Einsatz am Montagabend beim „Spritzenhaus“ auf sich? Die eingangs zitierte Facebook-Nutzerin schrieb: „Den Worten der Verpächterin war zu entnehmen, sie hätte die Polizei dabei, damit sie nicht nochmal geschlagen wird.“ Marion Wehrmann-Cook weist allerdings den Vorwurf weit von sich, sie selbst, ihr Lebensgefährte oder Gäste seien jemals handgreiflich gegen die Frau geworden. Auch liegt bei der Polizei keine Strafanzeige vor.

Eine Sprecherin der Polizei erklärt vielmehr auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Immobilieneigentümerin traf auf ihrem Weg zu dem Objekt zufällig auf eine Streifenwagenbesatzung und schilderte den Beamten, sie sorge sich vor einer möglichen Auseinandersetzung mit ihren Mietern“. Die Polizisten seien daraufhin, obwohl es sich laut der Sprecherin „offenkundig in erster Linie um eine zivilrechtliche Angelegenheit handelte“, vorsorglich zum „Spritzenhaus“ gefahren, „um sich im Fall der Fälle nicht vorwerfen lassen zu müssen, sie hätten sich nicht gekümmert“, erklärt die Polizei-Sprecherin weiter. Die Beamten hätten sich allerdings schon nach wenigen Minuten wieder bereit zu anderweitigen Einsätzen gemeldet.


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