Leben im Denkmal Hof Kiesekamp in Epe erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt

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Epe „Ja, wir leben hier in einem Museum“, sagt Annelie Kiesekamp, aber sie lächelt dabei. Das alte Bauernhaus, das im Jahr 1845 nach einem Brand wieder aufgebaut wurde, ist ihr ans Herz gewachsen. Der Hof Kiesekamp selbst ist viel älter. Im Jahr 1289 wurde er erstmals urkundlich erwähnt.

Schon die Zufahrt zu dem Hof in Epe ist etwas sehr Besonderes. Eine mehr als 100 Meter lange Lindenhecke zweigt kurz vor dem Zentrum Epes von der Malgartener Straße ab und führt seit 160 Jahren schnurgerade auf den Hof zu. Johann Heinrich Kiesekamp, ein Bruder des damaligen Hoferben, pflanzte sie seinerzeit. Er hatte eine kleine Gärtnerei in Hesepe, berichtete „Alt-Bäuerin“ Annelie Kiesekamp aus der Geschichte des Hofes, in den sie vor nunmehr 46 Jahren einheiratete. Ihr Mann Jürgen, lange Jahre Ortsbürgermeister und immer noch kommunalpolitisch aktiv, muss an diesem Morgen Sohn Steffen helfen, der den Betrieb inzwischen übernommen hat und hat eigentlich nur wenig Zeit. Aber eins wirft er dann doch ein: „Ich habe die Hecke schon dreimal geschnitten. Einmal mache ich‘s noch. Dann müssen die Jungen ran“. Annelie Kiesekamp hatte vorher schon verraten, was es damit auf sich hat. „So alle 15 bis 20 Jahre werden die Linden auf den Stock gesetzt (komplett zurückgeschnitten). Nur so behalten sie ihre Form und bleiben standfest“. Das Schneiden der Lindenallee scheint bei den männlichen Kiesekamps ziemlich beliebt zu sein. Jürgen Kiesekamp berichtet von „Onkel Ernst“, einem Bruder seines Großvaters, der, obwohl seines Zeichens Lehrer, eigens von Hannover angereist kam, um die Linden zu schneiden.

Am Haus selbst kündet ein Schild „No 1 Kiesekamp“ davon, wer hier seit hunderten von Jahren zuhause ist. In dem Haus, so wie es jetzt steht, lebt die Familie allerdings erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Inschrift am Giebel erzählt ein Stück der tragischen Ereignisse, die die Familie in den 1840er Jahren fast an den Abgrund trieb. Zweimal innerhalb kürzester Zeit wurde das Fachwerkhaus vom Blitz getroffen und brannte komplett nieder. Jedesmal halfen die Nachbarn mit Material und Arbeitsleistung. Allerdings war beim zweiten Mal „ das Holz knapp und das Geld auch“, erzählt Annelie Kiesekamp. Statt das Holzgefach neu zu errichten, wurde mit Bruchstein gemauert - uneben, mit dünnen Steinplatten - und verputzt. „In den 1990er Jahren haben wir bei der Sanierung überlegt, die Bruchsteine wieder freizulegen. Davon haben wir aber in Absprache mit dem Denkmalschutz Abstand genommen. Die Steine waren nicht besonders schön. Dann haben wir es wieder verputzt, so wie es war. Unsere Mitarbeiter haben den Putz dann mit Besen an die Wand geklatscht. Rau und uneben, wie es vorher war.“

Von der Diele aus geht es, ausnahmsweise mal, direkt in den beinahe hallenartigen Wohnraum. So war es früher, als Menschen und Tier noch unter einem Dach lebten. Jetzt leben hier nur noch im Sommer die Schwalben. Die Diele dient heute als großer Abstellraum. Als Jürgen Kiesekamp seinerzeit mit seiner jungen Frau den Hof übernahm, wurde umgebaut, der Wohnbereich abgetrennt, eine große Küche und ein großes Bad eingerichtet - und deshalb betreten Besucher, die nicht dem engsten Bekannten- oder Verwandtenkreis angehören, inzwischen das Haus durch den offiziellen Eingang. Hier haben Kiesekamps übrigens eine kleine Konzession an die Moderne gemacht und die ist Annelie Kiesekamps Lehrerin zu verdanken. „Ihr Besuch soll doch nicht immer durch die Diele kommen“, hatte Frau Hermann-Lejeune gesagt. Die künftigen Meisterinnen der ländlichen Hauswirtschaft sollten Wert auf einen gepflegten Hausstand legen. Und dazu gehörte ein gepflasterter Parkplatz vor der Haustür. Annelie Kiesekamp war begeistert, trug ihr Ansinnen ihrem Jürgen vor - und erntete zunächst nur Schweigen. „Aber dann ist er eines Morgens angefangen, die Hofmauer abzutragen und ein Stück zu versetzen. Annelie Kiesekamp hatte ihren Parkplatz und ihr Mann seither „Rücken“, wie er scherzhaft meint.

Licht in die Räume

An das Leben in dem dunklen Haus, in dem auch im Sommer eigentlich immer Licht brennen muss, musste sich Annelie Kiesekamp erst gewöhnen. Stück für Stück versuchte das junge Paar Licht in die Räume zu bringen, helle Wände, weiße Fensterrahmen, weiße Gardinen. Ganz behutsam. Was blieb, waren die alten, massiven und dunklen Eichenmöbel. „Mittlerweile liebe ich die alten Dinge und ich lebe gern damit“, sagt sie und fügt hinzu: „Mein Mann sowieso. Es ist ja sein Elternhaus.“ Möbel wurden vererbt, von Generation zu Generation, alle haben eine Geschichte. So der große Schrank im Wohnbereich. „Es hat mal ein Familienmitglied gegeben, das sehr viel alte Möbel weggegeben hat. Zum Glück wusste er nicht, dass man den Schrank auseinanderbauen kann. Er glaubte, das gute Stück passte nicht durch die Tür und hat ihn stehen lassen“. Kiesekamps freuen sich heute darüber.

Annelie Kiesekamps Lieblingsplatz ist allerdings die Veranda, deren Jugendstilfenster mit dem charakteristischen Muster aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert stammt. Auch die bunten Einfassungsfenster sind noch original. „Nur das Holz verrottet mit der Zeit. Das muss hin und wieder erneuert werden. „Durch die Verandafenster kommen Licht und frische Luft ins Haus“, freut sie sich. Allerdings, und da sind sich Annelie und Jürgen Kiesekamp einig, die Bauweise der Vorfahren hat schon ihre Vorzüge. Im Sommer bleibt das Haus durch die Ausrichtung und die großen Bäume angenehm kühl. Verlieren die Bäume im Winter das Laub, wird es relativ hell. So war es, und so ist es immer noch. Nur die Linde, der Hausbaum, der mit seinem Wurzelwerk dafür sorgte, dass das Gebäude trocken blieb, segnete irgendwann das Zeitliche. Just als Jürgen Kiesekamp mit einer Gruppe zur Jagd aufbrechen wollte, stürzte sie um. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt.

Ansonsten gibt es aber reichlich Grün rund um den alten Hof. Annelie Kiesekamp ist mit Leib und Seele Hobbygärtnerin und das wird sie auch bleiben. Genau wie Annelie und Jürgen Kiesekamp in den alten Gebäude wohnen bleiben werden. Eigentlich gebietet die Tradition, dass sie mit Überschreibung des Hofes aufs „Altenteil“, ein Haus hinten im weitläufigen Garten, ziehen. Aber die „jungen Leute“, Sohn Steffen, seine Frau Jessica , haben ein weiteres altes Gebäude auf dem Areal ausgebaut, das sie mit ihren drei Kindern Moritz, Nele und Bent bewohnen. „Es ist gut so. Wir sind alle zusammen und doch jeder für sich. Und ich liebe das alte Haus “.


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