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„Was ist Heimat?“ Erzähltheater zum Thema Migration in Bramsche

Die Protagonisten: Olga Fichmann, Alexandra Zachariasz, Natalia Gärtner (Verein Spektrum), Olga Ebert, Sabine Meyer (Erzähltheater Osnabrück), Ludmilla Wilhelm, Antonina Gärtner und Pianist Christoph Guddorf (v.r.). Foto: Sascha KnapekDie Protagonisten: Olga Fichmann, Alexandra Zachariasz, Natalia Gärtner (Verein Spektrum), Olga Ebert, Sabine Meyer (Erzähltheater Osnabrück), Ludmilla Wilhelm, Antonina Gärtner und Pianist Christoph Guddorf (v.r.). Foto: Sascha Knapek

knap Bramsche. Unter dem Motto „Märchenheimat – Frauen erzählen ihre Geschichten“ fand am Freitag im Tuchmacher-Museum ein Erzähltheaterabend statt. Sechs Frauen mit Migrationshintergrund erzählten selbst geschriebene Geschichten, die davon handelten, wie es ist, die eigene Heimat zu verlieren und dabei eine neue zu gewinnen.

Initiiert und begleitete wurde das Projekt vom Erzähltheater Osnabrück. Die Erzählerin Sabine Meyer fungierte dabei als Leiterin des im April 2011 ins Leben gerufenen Projekts, das sich die vielschichtige Frage „Was ist Heimat?“ zum zentralen Ausgangspunkt machte und in Kooperation mit der Frauenberatungsstelle Osnabrück und dem Verein Spektrum durchgeführt wurde. Frauen aus der Ukraine, Russland, Polen, Kenia, Usbekistan und Kasachstan thematisierten ihre ganz eigenen Gefühle und Erfahrungen, die sie beim Verlassen der alten und dem Ankommen und Eingewöhnen in der neuen Heimat bis heute umtreiben. Die fertigen Geschichten, die in sieben Monaten entstanden, präsentierten die Erzählerinnen nun auch im Bramscher Tuchmacher-Museum.

Die vielen unterschiedlichen Bilder, die die Autorinnen durch ihre Geschichten entstehen ließen, hatten bei aller Vielfalt besonders eines gemeinsam: die Verarbeitung einer durchweg langen und nie ganz einfachen Reise. Ob die gewählte Metapher nun eine heimatsuchende Katze, ein bunter Vogel, der einer Dame in die neue Heimat folgt, oder ein weit gereistes Heinzelmännchen war, alle Frauen erzählten davon, eine gewohnte Umgebung hinter sich zu lassen und in ein neues, oftmals unvorhersehbares Umfeld aufzubrechen. Untermalt wurden die erzählerischen Reisen von der alten in die neue Heimat durch den Pianisten Christoph Guddorf, der den Geschichten der Frauen eine Melodie verlieh und dadurch jede Episode musikalisch abrundete.

Eine der eindrucksvollsten Geschichten des Abends erzählte Ludmilla Wilhelm. „Ich bin von einer langen Reise zurückgekehrt“ betitelte die Deutsche ihr Werk, das die Ausgangsfrage „Was ist Heimat?“ am deutlichsten in den Mittelpunkt stellte. In Deutschland werde die in Russland geborene Taxifahrerin immer wieder gefragt, wo sie herkomme. „Ich bin Deutsche und habe das Glück, in Russland geboren zu sein“, lautet eine von Wilhelms Antworten darauf. Mit diesem Satz veranschaulichte sie einen der wichtigsten Punkte, den das Erzählprojekt aufgreifen und umsetzen konnte. Wer man ist, wo man herkommt und wo man hingehört sind Fragen, die oft nicht mit einem Wort beantwortet werden können. So etwas lässt sich besser in eine Geschichte verpacken.


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