Lebenswelt interaktiv dargestellt Forum Kalkriese zeigt die Kulturtechniken der Germanen

Von Holger Schulze

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Kalkriese. Wie lebten die Germanen? Wie kleideten sie sich, was aßen sie und wie klang ihre Musik? Antworten auf all diese Fragen gab es am Wochenende auf dem Gelände der Varusschlacht in Kalkriese.

„Leben unterm Götterhimmel“ hatten die Organisatoren das Programm des aktuellen „Forum Kalkriese“ genannt. Und die Wettergötter über dem Gelände des Museums meinten es gut mit der zweitägigen Veranstaltung. Die Entscheidung, in diesem Jahr das Forum Kalkriese nicht wie sonst um den 3. Oktober herum stattfinden zu lassen, wurde mit zwei wunderbaren Herbsttagen belohnt.

„Wir schaffen mit diesem Angebot eine Vertiefungsmöglichkeit zur Sonderausstellung ‚Götter, Glaube und Germanen‘. Das Thema Germanen wird über die drei Ms– Mode, Musik und Militär – interaktiv gezeigt“, fasste Joseph Rottmann, Geschäftsführer vom Museum und Park Kalkriese zusammen. „Töne aus Knochen und Kampfvorführungen der Germanen gehören ebenso dazu, wie der Kontakt zu den Darstellern und Anbietern, denen jederzeit Fragen gestellt werden können.“

Zu den weiteren Besonderheiten des Wochenendes zählte Joseph Rottmann die Erlebnisführungen „Zeitgeister“, in denen die germanischen Glaubenswelten über ein Jahrtausend, dem ersten nach Christi Geburt, abgebildet wurden, und zwar durch zwischen den Exponaten auftauchende Germanen aus Fleisch und Blut, die in ihren Kostümen den einzelnen Epochen zugeordnet waren.

Ein weiteres Angebot im Museumsgebäude bestand aus den musikwissenschaftlichen Vorträgen von Susanne Rühling und Ralf Gehler. Die beiden Referenten vermittelten den Stand der Wissenschaft im Bereich der Rekonstruktion alter Musikinstrumente von der Antike bis zum Mittelalter und brachten diese durch Nachbauten, unter anderem einer einfachen Leier oder einer Klarinette aus zwei Kuhhörnern, auch zu Gehör. „Töne sind zwar physikalisch durch den Nachbau rekonstruierbar, nur an die tatsächliche Musik aus diesen Zeiten werden wird dadurch nicht herankommen, da Aufzeichnungen fehlen. Nur wann und wie oft die Musik erklang ist uns noch über Seitenverweise überliefert“, gab Ralf Gehler die Grenzen der Forschung preis.

Konkret nachvollziehbar war hingegen das Leben der Germanen und Wikinger sowie deren Kulturtechniken. Im Außengelände des Museums schnitzte Franz Greife germanische Götzenbilder. Nicht weit davon entfernt, im kleinen Zeltdorf, ging es ebenfalls rege zu. Auf Tierfellen vor und in den germanischen Behausungen lagerten die Darsteller. Hier waren auch ganze Familien mit Kindern dabei.

Der Rauch von mehreren Feuern durchzog die Luft. Es wurde Metall geschmiedet und Wolle gefärbt. An anderer Stelle erläuterte ein langhaariger Germane die Nahrungsmittelproduktion: Mühsam war die Herstellung von Fladenbrot aus Dinkel-, Roggen- und Weizenkörnern, die in langwieriger Handarbeit zunächst zwischen Steinen zerrieben und dann über dem offenen Feuer in einer Metallpfanne gebacken wurden.

Gemüse-Fisch-Eintopf siedete in einem schwarzen Kessel vor sich hin. Wie zeitaufwendig es überhaupt war, zu Zeiten unserer Vorfahren das Feuer anzufachen, ließ sich ein paar Meter weiter beobachten, wo der Funke aus den Feuersteinen den Zunder in Brand stecken sollte. Und wenn es dann mal gelang, war der Schmied nebenan recht häufig gefordert, das Feuer mittels Blasebalg weiter auf Temperatur zu halten.

Besucher Ritchi Richard fand es bei diesem Anblick „interessant, wie früher gelebt wurde. Es war stressfreier, als in der heutigen Welt, wenn nicht gerade Krieg herrschte“. Andrea Mäscher aus Bremen hatte es zu den Germanen gezogen, „weil es hier so viele Mitmachaktionen für Kinder gibt. Sie können authentisch in die Zeit der Germanen sowie in ihre Kulturtechniken eintauchen. Und für mich als Lehrerin ist es ebenfalls interessant, weil man etliche Anregungen bekommt, die man hinterher selber umsetzen kann.“

Die Germanen-Darsteller standen den Besuchern auch als Ansprechpartner zur Verfügung. Foto: Holger Schulze

Auch Nahkampfszenen mit Schild und Schwert wurden am Ort der Varusschlacht nachgestellt. Friedlich ging es dagegen bei der Modenschau zu, in der die unterschiedlichen Kleidungsstile verschiedener Zeitabschnitte fundiert erläutert wurden.


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