Projektwoche 2018 Vielfalt und Nachhaltigkeit Thema für Bramscher Gymnasiasten

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Bramsche. In der letzten Woche vor den Herbstferien 2018 tauschen Lehrer und Schüler des Bramscher Greselius-Gymnasiums Tafel und Buch mit Sportschuhen oder Kochlöffel. Sie befragen Menschen in der Innenstadt, begeben sich auf Klassenfahrt oder setzen sich intensiv mit ernsten Themen wie Nachhaltigkeit oder Sucht auseinander. Es sind Projekttage und zwar für die ganze Schule.

Sabine Neudorf hat mit ihren Kollegen diese besonderen Tage organisiert, bei denen sich die Mitglieder der Schulgemeinschaft einmal von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Das bestätigt Birgit Selle, die mit Schülerinnen und Schülern aus dem siebten Jahrgang am Freitagmorgen die Küche der benachbarten IGS belegt. An diesem Morgen wird „multikulti“ gekocht, nach Rezepten, die aus den Familien der Jugendlichen stammen. Schon im Forum locken orientalische Düfte nach Curry, Kreuzkümmel und Knoblauch. Paula, Saamiya und Danae schmecken das indische Hähnchen-Curry ab und prüfen, wie weit der Reis ist. „Von mir aus könnte es ruhig noch schärfer sein“. Saamiya hat indische Wurzeln. Entsprechend wird auch zuhause gekocht. „Wir haben einen ganzen Schrank voll indischer Gewürze“, lacht sie und rührt weiter in der duftenden Mischung aus Gemüse, Hähnchenfleisch und vielerlei Gewürzen. Das Rezept hat eine Mutter von ihrer englischen Freundin aus Birmingham. Die indische Küche ist über den Commonwealth in Großbritannien weit verbreitet.

Internationale Kürbissuppe

Am anderen Herd haben die beiden Alinas, Klara und Lennart eine „internationale Kürbissuppe“ gezaubert. „Wir haben uns für die Kürbissuppe entschieden, weil es Rezepte dafür in ganz vielen Ländern gibt“, verrät Selle. In diesem Fall ist kein Curry dabei, weil eine Schülerin die Mischung nicht verträgt. Dann freuen sich alle auf das gemeinsame Mittagessen. „Das ist mal ganz anders als Schule“, freut sich Saamiya.

In der Sporthalle der Schule geht es lebhaft zu. Unter Anleitung von Schulsozialarbeiterin Sabrina Bendig versuchen jeweils zwei Schüler, sich von der Turnmatte zu schieben, ganz ohne Körperkontakt, nur mit einem Ball zwischen den Händen. Andere versuchen das Gleiche, Rücken an Rücken, die Arme untergehakt. „Wir üben hier faires Kämpfen“, sagt Bendig. Während der Projekttage werden hier aber nur die Ansätze vermitteln. Alle sind mal dran. Es geht um Selbstbehauptung, Selbstwertgefühl, aber auch darum, ein Gefühl für sich selbst und dafür zu entwickeln, wie weit man gehen kann, ohne dem Gegener ernsthaft zu schaden, erläutert Bendig.

Seit zehn Jahren

„Wir veranstalten diese Projektwochen seit etwa 10 Jahren und bemühen uns dabei, immer einige Punkte aus unserem Schulprogramm umzusetzen“, sagt Organisatorin Neudorf. „Den Anderen beachten „, In Konflikten fair handeln“, „Für Respekt und Würde eintreten“, „Sich engagieren“, „Gemeinsam handeln“ oder „Bewahren statt wegwerfen“ heißt es darin beispielsweise. Vieles findet sich in der Projektwoche wieder. Das Thema „Suchtprävention“ nimmt in diesen Tagen immer einen bedeutenden Umfang ein. „Die Programm werden kontinuierlich aktualisiert“, sagt Neudorf. Auch die angesprochene Altersgruppe hat sich im Lauf der Jahre geändert. „Alkohol war früher ein Thema für den elften Jahrgang, jetzt schon für den neunten oder in Ansätzen sogar für den siebten“, berichtet die Pädagogin. Längst geht es nicht mehr nur um stoffgebundene Süchte wie Alkohol oder Drogen, sondern um Essstörungen oder den Umgang mit digitalen Medien. Im geschützten Rahmen berichten ehemalige Betroffene und die Schüler können ihre Probleme ansprechen.

Thema Nachhaltigkeit

Ernsthaft ist auch das Thema Nachhaltigkeit, mit dem sich die 10. Klassen beschäftigen. Eine Gruppe besuchte das Flüchtlingshaus in Osnabrück, eine andere dort die Wärmestube oder den Verein Solwodi, der sich um Opfer von Menschenhandel kümmert. „Es geht darum, für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen, sagt Neudorf. Das könne auch vor Ort geschehen. Einige Schüler informierten sich deshalb über ehrenamtliches Engagement bei der DLRG in Bramsche.

Vielfalt zieht sich als Begriff durch die gesamte Projektwoche. Es ist auch Thema für die Schüler, die sich auf den Weg in die Innenstadt machen. Hier sollen sie möglichst viel Nationalitäten aufspüren, zum Beispiel den italöienischen Pizzabäcker, die Thai-Masseurin, den syrischen Friseur, den türkischen Grill, den polnischen Laden. „Man kann durchaus stolz darauf sein, wie vielfältig und bunt die Stadt ist“, findet Sabine Neudorf.


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