In der Gruppe nicht allein MS-Betroffene aus Bramsche und Wallenhorst treffen sich

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Zum Reibekuchenessen treffen sich Mitglieder der MS-Selbsthilfegruppe einmal im Jahr im Gasthof „Zur Post“ in Wallenhorst. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeZum Reibekuchenessen treffen sich Mitglieder der MS-Selbsthilfegruppe einmal im Jahr im Gasthof „Zur Post“ in Wallenhorst. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche/ Wallenhorst. „MS kann man nicht heilen, aber man kann damit leben“ lautet das Motto der MS-Kontaktgruppe Osnabrück Stadt und Land. Eine Untergruppe gibt es seit fast 40 Jahren auch für Bramsche und Wallenhorst. Die Bramscherin Anke Schwarzbich leitet sie seit vielen Jahren.

Vor 20 Jahren hat sich Schwarzbich der damaligen „jungen Gruppe“ angeschlossen. Der gelernten Krankenschwester waren die Symptome nicht ganz fremd, als sich die Multiple Sklerose 1993 zunächst mit Sehstörungen bemerkbar machte. Alles schien plötzlich wie von einen Schleier verhüllt. Dennoch standen die Ärzte zunächst vor einem Rätsel, die Untersuchungen brachten keine klaren Ergebnisse. Anke Schwarzbich bekam Kortison. Der Behandlungserfolg war allerdings nicht von Dauer. Ein Jahr später traten die Sehstörungen wieder auf, 1995 konnte sie ein Bein nicht mehr richtig bewegen. Im Krankenhaus diagnostizierte man zunächst eine Entzündung im Brustwirbelbereich. 1997 folgte ein weiterer Schub. Dann stand die Diagnose. Multiple Skerose. „Wir hatten noch gelernt, dass man mit Multipler Sklerose irgendwann im Rollstuhl landet“, berichtet sie.

Häufig, aber nicht heilbar

„MS ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen, und sie ist nicht heilbar. Ihr Verlauf kann jedoch durch verschiedene Maßnahmen zumeist günstig beeinflusst werden. Entgegen der landläufigen Meinung führt die multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre und Jahrzehnte nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig. Man schätzt, dass es etwa 1000 MS-Erkrankte in Stadt und Land Osnabrück gibt“, heißt es heute in den Informationen der MS-Kontaktgruppe Osnabrück.

Anke Schwarzbich hat Gewissheit, aber sie muss bald erfahren, dass sie ihr altes Leben nicht mehr wird weiterführen können wie bisher. „Nach dem Schub 1997 hatte ich große Probleme mit der sogenannten „Fatigue“. Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit. Aber Schwarzbich ist nicht einfach nur müde. Es ist eine bleierne Schwere, die vielen Betroffenen zu schaffen macht. „Nichts ging mehr. Nach dem Schub war ich nach dem Duschen schon erledigt, nach dem Mittagessen war ich einfach platt. Ich habe mich nur noch durch den Tag gequält“. Es sind keine schönen Erinnerungen. Die junge Frau ist alleinerziehend und musste sich um ihr Kind und das Haus kümmern. „Ich habe meinem Sohn nicht selbst das Fahrradfahren beibringen können. Es war eine ganz schlimme Zeit. Ich habe viele schlaflose Nächte gehabt“, erinnert sie sich.

Probleme mit den Händen kamen hinzu. Die junge Krankenschwester musste beruflich umsatteln, jetzt arbeitet sie mit einem Minijob in der Rufzentrale des Franziskushospitals am Harderberg.

Einstellung zum Leben geändert

Zwei weitere Schübe folgten, die Behandlungsmöglichkeiten waren in der Anfangsphase ihrer Erkrankung noch nicht so entwickelt wie heute. 1997 wird das Interferon zur Therapie von Multipler Sklerose zugelassen, was vielen Erkrankten hilft. „ Nach diesen letzten beiden Schüben war nichts mehr“ freut sie sich. Und dass, obwohl sie wegen massiver Nebenwirkungen der Präparate wie Atemnot und Herzrasen irgendwann ihr MS-Medikament absetzte. „Ich habe meine Einstellung zum Leben geändert“, sagt sie. Ganz wichtig - sie versucht Stress möglichst zu vermeiden.

„Wir haben auch viel Spaß“

Multiple Sklerose lässt sich mittlerweile ganz gut behandeln, dennoch haben die Mitglieder der Bramsche-Wallenhorster Gruppe, die sich einmal monatlich im Pfarrhaus in Wallenhorst trifft, alle ähnliche Vorgeschichten, Probleme und Sorgen. „In der Gruppe weiß jeder, wovon man spricht“, beschreibt Schwarzbich das Motiv, sich der Selbsthilfegruppe anzuschließen. Einige Gruppenmitglieder sind noch voll berufstätig, andere mussten reduzieren oder sind bereits berentet. „Wir sprechen schon über die Krankheit, aber wir haben auch ganz viel Spaß. Man trifft sich zu Kaffee und Kuchen und einmal im Jahr zum traditionellen Reibekucheneisen im Gasthof „Zur Post“, besucht die Freilichtbühne in Ahmsen, die Salzgrotte im Hasebad oder grillt gemeinsam. „Aber wir schreiben auch Mails, wenn jemand Probleme hat oder erkundigen uns, wenn jemand nicht zu den Treffen kommt,“ sagt Schwarzbich und fügt hinzu: „Das Wichtigste für mich ist aber, dass ich weiß, ich bin nicht allein“.

Die Selbsthilfegruppe Wallenhorst/ Bramsche ist unter Tel: 05407/859440 zu erreichen. Weitere Informationen im Internet unter http://www.ms-kontaktgruppe.de/.


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