Konzert mit Musik aus Argentinien „Tangomesse“ begeistert in Bramscher Kirche St. Martin

Von Irina Doelitzsch-Kaufmann

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Mezzosopranistin Hayat Chaoui freut sich über den Applaus, im Hintergrund Eva Gronemann und die weiteren Mitwirkenden an der „Tangomesse“ in der Bramscher St. Martinskirche. Foto: Irina Doelitzsch-KaufmannMezzosopranistin Hayat Chaoui freut sich über den Applaus, im Hintergrund Eva Gronemann und die weiteren Mitwirkenden an der „Tangomesse“ in der Bramscher St. Martinskirche. Foto: Irina Doelitzsch-Kaufmann

Bramsche. Man muss nicht unbedingt bis Argentinien reisen, um argentinische Musik live zu hören. Es genügte, sich am Samstagabend zur „Tangomesse“ in der Bramscher Kirche St. Martin einzufinden. Wer dies versäumte, der hatte etwas verpasst.

Als Hauptwerk des Abends stand Martín Palmeris „Misa a Buenos Aires (Tangomesse)“ auf dem Programm. Dem vorangestellt hatte die Kantorin Eva Gronemann eine Trilogie bestehend aus drei Tangos. Sie stammen aus der Feder Astor Piazollas, eines ebenfalls argentinischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. „Milonga del Angel“, „La Muerte del Angel“ sowie „Resurrección del Angel“ waren die drei orchestralen Werke zu Beginn des Abends.

Bei Musikstücken mit einem Titel ist der Hörer stets versucht, die musikalische Umsetzung zu suchen. So hätte man speziell beim zweiten Stück (zu deutsch: „Der Tod des Engels“) tragische und getragene Musik erwartet. Doch weit gefehlt. Überraschend schnell und lebhaft und mit musikalischen Parallelen zu Igor Strawinsky vertont Piazolla des Engels Tod. Ein gefühlvolles Geigensolo und ein ebenso schönes Klaviersolo (Jakob Gronemann) begleiteten die Auferstehung des Engels, das dritte Orchesterstück. Erstaunliche Tempiwechsel und furioses Temperament kennzeichneten diesen Satz, tadellos gespielt vom Orchesters Musica Viva. Ergänzt wurde das Orchester durch Christian Gerber am Bandoneon, einem selten zu hörenden Instrument. Es ähnelt einem Akkordeon, ist im Klang aber brillanter und typisch für argentinische Tangoorchester. Es verleiht auch der Tangomesse einen ganz eigenen Klang.

Eine gelungene Einstimmung

Mit der Tangomesse scheint Gronemann den Geschmack des Chores getroffen zu haben, denn man blickte in auffallend viele fröhliche und entspannte Gesichter. Viel zu oft sehen Chorsänger ernst, fast verbissen aus; zumeist ein Zeichen hoher Konzentration, aufgrund gewisser Unsicherheiten. Die Kantorei St. Martin zeigte sich keineswegs unkonzentriert, im Gegenteil. Dem Dirigat und seinen diversen Nuancen folgte sie stets. Dennoch sprechen entspannte Gesichter für eine gute Probenarbeit und Sicherheit bei der Aufführung. Schade nur, dass der chorische Gesamtklang etwas matter war als bei bisherigen Konzerten. Die rhythmischen Raffinessen dieser Messe verlangten der Kantorei viel ab, warfen sie niemals aus der Kurve. Auch die dynamische Bandbreite war enorm und überzeugte.

Palmeri vertont einen Messtext im musikalischen Stil des Tango nuevo. Dieser ist eine Weiterentwicklung des herkömmlichen Tangos mit Elementen der Popularmusik wie Jazz, Folklore oder Pop. Traditionell vertont ist der übliche sechsteilige Aufbau seiner Messe und auch die Verwendung von Fugen in verschiedenen Sätzen ist äußerst klassisch und verlangt einem Chor immer viel ab. Kein Problem für die Kantorei, die in allen Sätzen souverän wirkte.

Recht undankbar war die Rolle für die Mezzosopranistin Hayat Chaouri. Immer wieder kam sie zum Einsatz, doch stets nur mit kurzen Einwürfen, lediglich zwei oder drei Textzeilen. Keine Arie und damit kaum Gelegenheit, das Können zu zeigen. Angenehm schlicht und zart in der Höhe bot sie ihre Phrasen dar und war auch über das gesamte Tutti mühelos zu hören.

Nach musikalischen Extremen starb die Messe mit der innigen Bitte „Dona nobis pacem“ (gib uns Frieden) und verklang im Nichts. Die voll besetzte Kirche und die Reaktion des Publikums legten nur einen Schluss nahe: Gerne wieder diese Art von Musik!


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