Vortrag in Lappenstuhl Die Landschaft rund um Engter im Wandel der Zeit

Von Holger Schulze

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Anhand von historischem Kartenmaterial zeichnete Karsten Igel die Geschichte der hiesigen Landschaft über mehrere Jahrhunderte bis heute nach. Foto: Holger SchulzeAnhand von historischem Kartenmaterial zeichnete Karsten Igel die Geschichte der hiesigen Landschaft über mehrere Jahrhunderte bis heute nach. Foto: Holger Schulze

Lappenstuhl. „Geschichte und Landschaft rund um Engter“ hieß ein Vortrag am Freitagabend in der Thomaskapelle in Lappenstuhl. Referent war Historiker Dr. Karsten Igel.

An Zuhörern mangelte es wahrlich nicht, die am Freitagabend die Thomaskapelle füllten. Zu dem kulturhistorischen Vortrag hatten der Ortsrat Lappenstuhl sowie die St.-Johannis-Kirchengemeinde Engter eingeladen. Karsten Igel warf als Referent, ausgehend von alten Karten und Bildern, einen Blick auf die Landschaftsgeschichte der vergangenen Jahrhunderte im Kirchspiel. Wie entwickelte sich die Landschaft? Auf diese Frage wurde durch den Vortrag eine Antwort gesucht.

Ralf Hörnschemeyer begrüßte im Namen des Arbeitskreises Thomaskapelle das Publikum und nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Überblick über die Geschichte der Kapelle. Anhand einer historischen Karte vom Weißenfelde und dem Wittenfelde erläuterte Igel anschließend die um das 15. Jahrhundert herum für den hiesigen Raum typische offene Landschaft von Engter bis nach Vörden mit ihrer Plagggenwirtschaftsweise. Genutzt wurden die Freiflächen von den Bauern gemeinschaftlich als Weide für die Schaf- und Ziegenhaltung sowie für die Holzgewinnung.

Zu den Grundbesitzern der damaligen Zeit gehörten unter anderem die von Bars, das Kloster Malgarten sowie die Grafen von Tecklenburg.

Auch wenn sich in den alten Karten die Ausweisung von Waldflächen befinde, bedeutete dies nicht, dass dieser Wald mit dem Wald von heute zu vergleichen ist, erläuterte Igel dem Publikum. Vielmehr glich dieser Wald mehr einer Heidelandschaft, mit Buchen, die alle paar Jahrzehnte auf den Stock gesetzt wurden, oder bestand aus Eichen mit viel Raum zwischen den einzelnen Bäumen für die Schweinemast. Erst ab dem späten 18. Jahrhundert wurde der Wald in der heute bekannten Form angebaut.

Heide wurde zu Wald

Auf einer Karte nach 1940 war schließlich zu erkennen, dass alles, was vorher Heide war, zum Wald wurde. Die Landschaft im hiesigen Raum hatte sich in eine Kiefernwaldlandschaft umgewandelt. Der gestiegene Holzbedarf, unter anderem für den Hausbau in Osnabrück, hatten zu diesem Landschaftswandel geführt. Kiefern, die es vor 250 Jahren bei uns noch nicht gegeben hatte, prägten 100 Jahre später allmählich das Landschaftsbild. Heute wiederum weicht der Kiefernwald immer mehr einer Ansiedlung von Eichen und Buchen. Kiefern dienen aktuell mehr als „Beschirmung“, wie es Karsten Igel nannte, also dem Schutz von Neuanpflanzungen.

„Was wir heute als Landschaftsbild wahrnehmen, wird vielleicht in 50 Jahren dazu führen, dass wir dann in eine Eichen- und Buchenlandschaft blicken. Doch wenn sich die Sommer wie der letzte wiederholen, sehe ich die Buche dann nicht mehr“, wandte sich Igel schließlich der Zukunft des hiesigen Landschaftsbildes zu. Die Anpflanzung von heimischen Bäumen sei zwar gewünscht und wird auch dementsprechend gefördert. Doch in 50 Jahre kann es sein, dass es den Eichen zu warm und den Buchen zu trocken sein wird.

„Die Zeit der deutschen Eiche könnte sich also dem Ende nähern“, vermutete Igel. Der Stress für diese Bäume durch den Klimawandel sei inzwischen so groß, dass sich aller Voraussicht nach wieder Veränderungen im Landschaftsbild ergeben werden.

Zum Abschluss seiner historischen Betrachtungen „von den Tecklenburgern zum Klimawandel“ hin wagte Igel noch folgende These: „Wenn die Landschaft die Plaggenwirtschaft überlebt hat, überlebt sie vielleicht auch den Klimawandel. Landschaft ist nie etwas, das statisch gleich bleibt“.

Auf die Betrachtungen der Landschaftsgeschichte folgte zum Abschluss der Veranstaltung noch eine Andacht von Pastor Andreas Siemens. Ausgehend von Psalm vier ging es in dieser Andacht um das Verhältnis des Einzelnen zu seiner Geschichte, auch in Bezug zu der Gemeinschaft, in der er lebt und die sein Denken und Fühlen prägt.


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